Radsport

Die verrückte Rundfahrt von Florian Ganz

Der Weinheimer Triathlet fährt binnen 24 Stunden 640 Kilometer auf dem Rad und wundert sich über sich selbst

Florian Ganz mit seinen Helfern Dominik Ellwanger (links) und Jan-Erik Bätz (rechts), ohne deren Hilfe er die 39 Runden in 24 Stunden nicht geschafft hätte. Foto: Ganz/privat
Florian Ganz mit seinen Helfern Dominik Ellwanger (links) und Jan-Erik Bätz (rechts), ohne deren Hilfe er die 39 Runden in 24 Stunden nicht geschafft hätte.

Dafür muss man schon ganz schön verrückt sein: Bei der 25. Auflage des 24-Stunden-Radrennens in Kelheim bewies Florian Ganz, Triathlet der TSG 1862 Weinheim - Team Radsport Wagner, beeindruckendes Durchhaltevermögen. Mit einer Gesamtfahrstrecke von knapp 640 Kilometern bei 6630 Höhenmetern erkämpfte er sich den respektablen zehnten Platz in der Einzelwertung der Herren.

Das Rennen in Kelheim stellte mit Temperaturen von bis zu 36 Grad eine enorme Herausforderung für die über 1000 Teilnehmer dar, darunter 166 Einzelstarter und über 850 Staffelteilnehmer. Das vom RSC Kelheim organisierte Radevent bietet einen abwechslungsreichen Rundkurs über 16 Kilometer mit jeweils 170 Höhenmetern, der durch eine bayerische Bilderbuchlandschaft führt.

39 Mal durchs Bierzelt

Neben den grünen Hügeln und den idyllischen Dörfern wartet „Deutschlands ältestes Radrennen in diesem Format“ (Beschreibung des Veranstalters) mit einem weiteren Highlight auf: In jeder Runde durften die Athleten in der Altstadt durch ein Bierzelt jagen. Blasmusik und Volksfestatmosphäre im gut gefüllten Festzelt pushten die Radfahrer in jeder Runde erneut zu Topleistungen und ließen die Strapazen kurzfristig in Vergessenheit geraten.

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Florian „Flo“ Ganz absolvierte den Rundkurs 39 Mal und kam auf eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 26,9 Kilometern pro Stunde. „Natürlich spürte ich die Ermüdung, aber ich war überrascht, wie gut meine Muskulatur, mein Sitzfleisch, mein Kreislauf, mein Magen und in Summe mein ganzer Körper und Geist Hitze und Anstrengung standhielten“, kommentierte Ganz direkt nach dem Rennen. „Die Zeit verging aber wie im Flug, besonders in den letzten Stunden des Rennens. Als ich kurz vor offiziellen Zielschluss um 14 Uhr meine letzte Runde beendet habe, hätte das Rennen gerne noch weitergehen können.“

Diese Gelassenheit kann sich nur erlauben, wer sich entsprechend auf eine solche Veranstaltung vorbereitet. Mehr als 15 000 Kilometer saß Ganz in den letzten 18 Monaten im Sattel, eine ziemliche Herausforderung für den 40-jährigen Familienvater. „Neben körperlicher Fitness spielt der Kopf eine große Rolle. Deshalb habe ich längere Radfahrten bis zu 240 Kilometern vorgenommen und Mitternachtstrainings auf der Rolle absolviert“, erklärt Ganz. „Zudem habe ich Varianten der Nahrungsaufnahme ausprobiert, damit mein Magen bei diesen Strapazen mitspielt.“

Zwei Kilo Zucker

Tatsächlich kommt es darauf an, dem Körper bei solchen Anstrengungen ausreichend Flüssigkeit und Zucker in Form von Energiegetränken, Gels und Riegeln zukommen zu lassen. Im konkreten Fall waren das rund zwei Kilogramm Zucker und mehr als 30 Liter Flüssigkeit. Dass Ganz ausreichend versorgt wurde, ist seinem Team, bestehend aus zwei Freunden, zu verdanken. Sie haben ihm Gels, Riegel und Flüssigkeit an der Strecke angereicht. „Ohne meine Kumpels wäre es unmöglich gewesen, mehr als 22 Stunden im Sattel zu verbringen und sich in den kurzen Pausen effektiv zu erholen und zu essen“, betont Ganz.

Unterstützung aus der Ferne bekam Ganz über eine WhatsApp-Gruppe. „Ein unschätzbarer Ansporn, um die Strapazen des Rennens zu bewältigen“, sagt Ganz. Sportlich blickt er wieder nach vorne. Ende August steht die Weltmeisterschaft auf der Triathlon-Mitteldistanz in Lahti, Finnland, an. „Dann sind es aber nur 90 Kilometer auf dem Rad“, scherzt er. fg/jwe