Fußball

Dominik Genthner ist der Mann für alle Schadensfälle

Der Bergsträßer Top-Schiedsrichter Dominik Genthner will hoch hinaus. Die Regionalliga soll noch nicht die Endstation sein

Im August wird Dominik Genthner zum ersten Mal ein Spiel in der Fußball-Regionalliga leiten. Foto: Simone Kochanek
Im August wird Dominik Genthner zum ersten Mal ein Spiel in der Fußball-Regionalliga leiten.

Unter der Woche sitzt Dominik Genthner (26) als selbstständiger Versicherungskaufmann am Schreibtisch in seiner Agentur in Leutershausen und muss bei Schadensfällen immer eine gerechte Lösung finden. Und auch an den Wochenenden dreht sich bei ihm alles um Fairness und Gerechtigkeit – nämlich auf den Fußballplätzen. Der 1,90 Meter-Hüne pfeift ab der neuen Saison Spiele in der Regionalliga-Südwest und Spiele der Junioren-Bundesliga. Damit ist er entlang der Bergstraße die Nummer 1 bei den Unparteiischen.

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Sein Aufstieg innerhalb des Schiedsrichterwesens war rasant: Im März 2013 bestand er seinen Schiedsrichterschein und leitete kein Jahr später erfolgreich sein erstes Spiel in der Kreisklasse C. Es folgten der Aufstieg in die Kreisliga (2015), in die Landesliga (2018) und in die Verbandsliga (2020). Im vergangenen Jahr leitete er insgesamt neun Spiele in der Oberliga Baden-Württemberg. „Die Leistungen bei diesen Spielen war so eindrucksvoll, dass er einfach aufsteigen musste“, sagt Hans Dieter Krieg, Schiedsrichter-Obmann des Kreises Heidelberg und stellvertretender Obmann des Badischen Fußballverbandes. Und weiter: „An Dominik führt aktuell kein Weg vorbei.“

Dritte Liga kann kommen

Damit gehört Genthner, der für den FC Dossenheim pfeift und in Handschuhsheim lebt, zu den Top-Schiedsrichtern aus dem Bereich des Badischen Fußballverbandes. Für ihn soll aber hier noch nicht Endstation sein. „Mein Ziel ist es, den Aufstieg in die Dritte Liga zu schaffen“, macht er aus seinem Herzen keine Mördergrube. Und auch Krieg findet, „dass er das Zeug dazu hat“. Dominik gehöre zu den wenigen Schiedsrichtern, die den Modus eines Spieles lesen können, das sei etwas ganz Besonderes. Er sei trotz seiner Leistungen nicht abgehoben und sehr bodenständig geblieben, so der Funktionär. „Der Badische Fußballverband ist wirklich froh, solch einen Top-Mann zu haben“, findet Krieg, der Genthners Vision durchaus etwas abgewinnen kann. „Wenn er in den nächsten beiden Jahren den Sprung schafft, kann er ein ganz Großer werden.“ Doch die Zeit drängt, denn für sein Vorhaben, ist er mit 26 Jahren fast schon zu alt. So klopfen bereits jüngere Schiedsrichter an die Tür, die ebenfalls ihre Qualitäten haben.

Die Konkurrenz ist riesig

Rund 1700 aktive Schiedsrichter gibt es im Verbandsgebiet, aber nur acht Schiedsrichter pfeifen Regionalliga oder höher. Das bedeutet, während es an der Basis Nachwuchsprobleme gibt, wird die Pyramide nach oben hin immer schmaler. Bei 21 Landesverbänden wird deutlich, wie groß die Konkurrenz ist. Insgesamt hatte der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in der Saison 2023/24 rund 58 000 aktive Schiedsrichter. Doch aus welchen Gründen, hat sich Genthner der Schiedsrichterei verschrieben? Zunächst spielte er in der D-Jugend bei der DJK Handschuhsheim. In der A-Jugend des FC Dossenheim war dann aber schon Schluss und irgendwann reifte der Entschluss, auf der anderen Seite des Spiels stehen zu wollen.

„Außerdem war es ein gutes Taschengeld, das es da zu verdienen gab“, erinnert er sich. Apropos Geld: Aktuell ist der Spesensatz wieder ein wenig erhöht worden, doch reich werden die Unparteiischen mit ihrem Hobby nicht. „Aber darum geht es nicht. Ich finde, der Job als Schiedsrichter hat mir viel gegeben und hat mich tatsächlich reifen lassen. Und ich musste wirklich mit vielen Unwägbarkeiten klarkommen in diesen zehn Jahren.“

Vor allem stört ihn das Verhalten mancher Zuschauer. Die seien oft schlimmer als Spieler oder Betreuer. Dabei sei doch der Respekt so wichtig. Aber auch der eine oder andere Spieler hat ihn schon an seine Grenzen gebracht. „Ich versuche dann immer möglichst ruhig zu bleiben, bisher ist mir das auch ganz gut gelungen.“

Respekt ist wichtig

Umso besser findet er die neue „Kapitänsregelung“, die der DFB jetzt einführt und die bei der Europameisterschaft bereits erfolgreich umgesetzt wurde. Ab der neuen Saison darf sich also nur noch der Kapitän beim Schiedsrichter beschweren. Die Mannschaftsführer sind zudem dafür verantwortlich, dass ihre Mitspieler die Unparteiischen respektieren, Abstand halten und sie nicht bedrängen.

„Das macht es für uns ungemein leichter. In anderen Sportarten wie Rugby oder Eishockey gibt es das schon seit vielen Jahren“, so Genthner. „Und vor allem, hat es sich bewährt.“ Auch Schiedsrichterlehrwart Lutz Wagner, den Genthner persönlich von Lehrgängen kennt und von dem er große Stücke hält, findet die Einführung nicht nur sinnvoll und praxisgerecht, sie helfe auch dem Fußball bis an die Basis. Denn die Regelung gilt auch für die Juniorenbereiche.

Unter der Woche fleißig

Doch zurück zum Top-Schiedsrichter der Bergstraße. Als Schiedsrichter alleine auf dem Feld wäre er sicherlich hilflos, denn nur im funktionierenden Gespann kann ein Unparteiischer eine gute Figur machen und so freut er sich auf die weitere Zusammenarbeit mit Christopher Funk (Eppelheim) und Felix Stephan (SRVgg Pforzheim), die an der Linie agieren. „Wir sind wirklich ein gutes Team.“

Dass Genthner übrigens so fit ist, kommt nicht von ungefähr. Zwei bis dreimal die Woche ist Fitnessstudio angesagt und mindestens zweimal die Woche geht er joggen, dazu kommen noch regelmäßige Intervalltrainingsläufe. Gemeinsam mit seinem guten Freund Fabian Reuter (SRVgg Heidelberg), der ebenfalls in der Regionalliga pfeift, hat Genthner schon so manche Trainingseinheit „abgerissen“. „In unserer Position, in der viel Eigeninitiative gefordert wird, ist es wichtig, jemanden zu haben, der dich motiviert. Ich denke, das können wir beide ganz gut.“

Premiere in der Regionalliga

Im August wird Dominik Genthner seine Premiere in der Regionalliga feiern. Die Begegnung wird ihm wenige Tage zuvor zugeteilt. Seinen Pokalauftritt im Derby zwischen Rot-Weiß Rheinau und VfR Mannheim hatte er schon. Am 18. August pfeift er das Derby in der B-Junioren-Bundesliga zwischen den Offenbacher Kickers und Eintracht Frankfurt. Dass er künftig möglicherweise ein bisschen weniger an seinem Schreibtisch sitzen wird, kann er verkraften. So ist es ihm möglich, sich die Zeit frei einzuteilen. Dann wird er eben abends einige Überstunden für seine Versicherungskunden leisten.