Handball

Erdbeben in Ketsch: Führungsriege der Kurpfalz Bären tritt zurück

Nach der Saison wird alles neu beim Frauenhandball-Zweitligisten. Spitzenhandball soll aber das Ziel bleiben

Nehmen alle ihren Hut: die Ketscher Vereinsikone Tine Waldmann, Geschäftsführer Armin Wagner, Manuel Koob, Florian Waldmann aus der Geschäftsführung und Trainerin Franziska Garcia (von links). Foto: Kurpfalz Bären
Nehmen alle ihren Hut: die Ketscher Vereinsikone Tine Waldmann, Geschäftsführer Armin Wagner, Manuel Koob, Florian Waldmann aus der Geschäftsführung und Trainerin Franziska Garcia (von links).

Es ist das Ende einer Ära im Frauenhandball: Zum Ende dieser Saison wird es bei den Kurpfalz Bären der TSG Ketsch einen krassen Einschnitt geben. Sowohl Trainerin Franziska Garcia, seit vier Jahren für die Bären in der 2. Bundesliga verantwortlich, als auch die komplette Führungsriege der Spielbetriebs-GmbH haben ihren Rücktritt zum 30. Juni erklärt. Die Bären müssen sich für die Saison 2025/26 sowohl sportlich als auch logistisch und finanziell komplett neu aufstellen.

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Dies teilten Vereinsvorstand Steffen Drausnigg, Geschäftsführer Armin Wagner und Trainerin Franzi Garcia am Montagabend persönlich der Mannschaft mit. Das Trainer- und Management-Team habe keine Einigung mit den beiden Hauptgesellschaftern der Kurpfalz Bären Sport und Marketing GmbH – der TSG Ketsch e.V. und dem Gesellschafter Dr. Robert Becker – über eine weitere Zusammenarbeit erzielen können, wie die Bären in einer am Dienstagmittag versendeten Pressemitteilung verlauten ließen. Alle Versuche einer Einigung des künftigen sportlichen Kurses und der Zusammenarbeit zu finden, waren zuvor gescheitert.

Aus wenig viel gemacht

„Die Entscheidung fiel uns wirklich sehr schwer. Die Bären waren und sind unser Herzensprojekt. Aber wir haben leider keinen gemeinsamen Nenner gefunden“, erläutert Geschäftsführer Armin Wagner, der zusammen mit seinem Team die GmbH in den letzten Jahren dank einer soliden Haushaltsführung aus den roten Zahlen holte. Erstmals seit Jahren wurde die Lizenz für die 2. Handball Bundesliga Frauen für die Saison 2024/25 ohne Auflagen erteilt. Grundlage dafür sei der Ausbau des Sponsoren-Netzwerkes auf aktuell rund 70 aktive Sponsoren gewesen. Zudem setzt Ketsch auf einen finanzierbaren Kader, die engagierte Trainerin Franziska Garcia machte aus der Not eine Tugend, baute talentierte Spielerinnen aus der Region ein. Im Sommer 2021 hatte sie das Amt übernommen und erreichte trotz schwieriger Ausgangslage immer den Ligaverbleib.

Die 40-Jährige ist Identifikationsfigur, war schon in der Jugend und später bei den Damen in der 1. und 2. Bundesliga selbst aktiv. „Ich habe in Ketsch eine tolle Zeit gehabt. Das aktuelle Management-Team stand immer voll und ganz hinter mir, die Zusammenarbeit war vorbildlich. Bis zur letzten Sekunde werde ich alles daransetzen, mit den Bären die 2. Bundesliga zu halten“, wurde Garcia in der Pressemitteilung zitiert.

Auch eine Vereinsikone geht

Mit Garcia tritt auch die komplette bisherige Führungsriege zurück: Neben Geschäftsführer Armin Wagner ist dies der Leiter Technik und IT Manuel Koob sowie der Leiter Regulatorik und Spieltechnik Florian Waldmann. Besonders aufhorchen lässt der Rücktritt der Leiterin der Geschäftsstelle Tine Waldmann, die seit 50 Jahren Vereinsmitglied ist. Das Team gibt auch die kommissarische Leitung der Jugendabteilung weiblich an die TSG Ketsch ab. Wie der Verlust dieses Führungskreises kompensiert werden soll, darüber muss sich der neue starke Mann der TSG Ketsch nun Gedanken machen, der seit Sommer 2024 Vorsitzender des Gesamtvereins ist.

Steffen Drausnigg ist seit Sommer 2024 der neue Vereinsvorstand der TSG Ketsch. Foto: Drausnigg
Steffen Drausnigg ist seit Sommer 2024 der neue Vereinsvorstand der TSG Ketsch.

„Wir hätten uns eine weitere Zusammenarbeit gut vorstellen können und bedauern die Entscheidung. Wir wollen mit den Bären den Spitzensport im Damenhandball dauerhaft und nachhaltig in Ketsch festigen. Wir stellen uns organisatorisch neu auf, werden auch die wirtschaftliche Gesamtsituation im Blick behalten. Der Fokus liegt darauf, Traineramt und Geschäftsführung neu zu besetzen. Darüber hinaus wollen wir uns wieder mit erfolgreicher Jugendarbeit einen Namen machen“, wird der 59-jährige Drausnigg zitiert.

Zu weiteren Hintergründen wollte sich der A-Lizenz-Inhaber mit eigener Bundesligavergangenheit auf Nachfrage nicht äußern und „warten, bis sich die Situation wieder entspannt hat.“ Das WhatsApp-Profilbild des gebürtigen Österreichers, der inzwischen Privatier ist und mit seiner Familie in Ketsch lebt, könnte beim gewollten Neuanfang sein Motto werden. Da steht zu lesen: „Alle sagten: Das geht nicht. Dann kam einer, der wusste das nicht und hat’s gemacht.“