Kurpfalz Bären nur noch drittklassig
Im „Endspiel“ um den Zweitliga-Verbleib zeigt Ketsch, warum es absteigen muss. Mit dem Abschied von Trainerin Franziska Garcia und des Orgateams gibt es einen krassen Einschnitt.
Ketsch. Es war angerichtet in der Ketscher Neurotthalle. 750 Fans sorgten für die nötige Rückendeckung, die Konstellation hatten sich die Zweitliga-Handballerinnen selbst erarbeitet: Mit einem Sieg beim direkten Konkurrenten SV Werder Bremen hatten sich die Kurpfalz Bären doch noch in Position gebracht. Ein Heimsieg gegen HL Buchholz 08-Rosengarten und der drohende Abstieg in die 3. Liga hätte aus eigener Kraft vermieden werden können.
Nach 60 ernüchternden Minuten war nach dem 33:39 und dem gleichzeitigen Sieg von Werder Bremen aber klar: Die 2. Bundesliga ist für das badische Aushängeschild im Frauenhandball erst einmal passé. Trainerin Franziska Garcia, die aufgrund einer unvorhergesehenen Operation zwar in der Halle war, aber nicht auf der Bank saß, wollte das Spiel am Ende gar nicht richtig analysieren. Zu offensichtlich war die fehlende Bereitschaft in der Abwehr, dieses Abstiegsfinale anzunehmen, vier vergebene Siebenmeter gesellten sich hinzu. Den Biss zeigten dagegen die Gäste, für die es um gar nichts mehr ging.
„Wenn man es sachlich nüchtern betrachtet, war die Leistung der Mannschaft– vor allem in der Abwehr – für so ein Endspiel einfach nicht ausreichend.“ Letztlich sei dieses Spiel ein Spiegelbild der Saison gewesen. „Immer dann, wenn es darauf ankam, haben wir nicht geliefert. Es tut mir einfach leid für die Mannschaft, den Verein, die Gemeinde“, sagte die Frau, die als 16-jährige aus Guben kam und in der Enderlegemeinde eine neue Heimat fand.
Abschied zweier Vereinsikonen
Die 41-Jährige, die als Trainerin mit Herzblut vorlebte, wie sie sich den Frauenhandball in Ketsch vorstellt, wird nach dem Abstieg ihres „Herzensvereins“ erst einmal eine Pause einlegen. Mit ihr geht das gesamte Organisationsteam um Geschäftsführer Armin Wagner und der Ketscher Vereinsikone Tine Waldmann. Waldmann und Garcia spielten schon in Ketsch, als die Bären noch gar nicht Kurpfalz Bären hießen. Eine Ära endet. Vereinsvorstand Steffen Drausnigg und der neue Trainer, Drausniggs Wunschkandidat Sascha Kuhn (HSG Bensheim-Auerbach II), stehen vor einem Neubeginn auf vielen Ebenen.
Entsprechend lang fielen auch die Verabschiedungen aus, die allerdings ohne Präsenz des Hauptvereins stattfanden, was die ehemalige Abteilungsleiterin Andrea Lemberger auf den Plan rief, die diesen Part übernahm. „Was ihr hier als Führungsteam mit Engagement, Herzblut und Leidenschaft geleistet, wie viel Zeit ihr geopfert habt, muss euch erst einmal jemand nachmachen. Dass das keiner vom Hauptverein würdigt, ist ein Armutszeugnis.“
Armin Wagner verabschiedete Svenja Mann, die sich neben Lea Marmodee und der in der Schlussphase nach ihrer dritten Zeitstrafe fehlenden Lena Sophie Stitzel als eine der wenigen Bären am Samstagabend sichtbar gegen den Abstieg gestemmt hatte. Die Ketscher Haupttorschützin geht künftig für den Bergischen HC auf Torejagd und strebt nach Höherem. Torhüterin Katarina Longo (Pause), Flügelflitzerin Katharina Hufschmidt (Karriereende) und Co-Trainerin Esther Herrmann (HSG Wittlich) wurden ebenfalls von Wagner und der verletzten Mannschaftsführerin Rebecca Engelhardt sowie Katja Hinzmann verabschiedet.
Schwindt in Verantwortung
Für die Mannschaft, die zuvor noch ihren Dank an die Fans in einer Videobotschaft präsentiert hatte, geht es jetzt nach Mallorca, danach soll am Unternehmen „Wiederaufstieg“ gearbeitet werden. Dann mit dem Bergsträßer Manuel Schwindt, in dieser Saison noch Torwarttrainer, und Jochen J. Wiegand als Doppelspitze der „Kurpfalz Bären Sport und Marketing GmbH“. Der ehemalige Jugendtrainer der HSG Bergstraße studiert aktuell Sportmanagement und ist unter anderem auch Hemsbacher Stadtrat. Steffen Drausnigg charakterisiert ihn als „ruhigen und kompetenten Macher.“ Von der Sorte werden die Bären auch auf dem Spielfeld einige brauchen.