Handball

Hemsbacher Feuerwerk im Spitzenspiel gegen Königshofen

Der TVH schießt den großen Favoriten mit 36:22 aus der Hans-Michel-Halle und untermauert damit seine Ambitionen. Ein Spieler ragt noch einmal besonders heraus.

Egal, ob als Rechtsaußen, Halbrechter oder Kreisläufer: Bastian Drost ballerte am Samstagabend aus allen Rohren. Mit 16 Toren hatte er letztlich großen Anteil am überraschend deutlichen 36:22-Sieg gegen Königshofen/Sachsenflur. Foto: Katrin Oeldorf
Egal, ob als Rechtsaußen, Halbrechter oder Kreisläufer: Bastian Drost ballerte am Samstagabend aus allen Rohren. Mit 16 Toren hatte er letztlich großen Anteil am überraschend deutlichen 36:22-Sieg gegen Königshofen/Sachsenflur.

Zugegeben: Der Europapokal ist für Handball-Landesligist TV Hemsbach dann doch noch ein gutes Stück entfernt. Obwohl die Spieler ihn im Jubelkreis nach dem Schlusspfiff des Spitzenspiels gegen die HG Königshofen/Sachsenflur am Samstagabend lautstark besangen. Und obwohl der TVH kurz zuvor beim 36:22-Sieg über den Titelfavoriten eine wahre Meisterleistung auf die Platte gezaubert hatte.

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Will heißen: Europa ist für die Sieben um Trainer Jozef Bokol vielleicht noch ziemlich weit weg, die Verbandsliga dafür aber bei nun 27:9 Punkten zum Greifen nah. Das weiß auch der spielende Pressewart Fritz Fröhlich, der in Halbzeit zwei selbst drei Tore zum Schützenfest des Spitzenreiters beisteuerte. Er blickt auf den Samstag mit den Worten zurück: „Die meisten Zuschauer in der Hans-Michel-Halle erwarteten einen echten Krimi. Stattdessen wurde ihnen eine Kampfansage der Bergsträßer geboten.“

Schriesheim muss patzen

Etwas zurückhaltender äußerte sich Bokol direkt nach Spielende. „Es ist noch ein unglaublich weiter Weg, wir müssen weiter von Spiel zu Spiel schauen und uns jede Woche aufs Neue konzentrieren“, übte er sich in den bekannten Floskeln – um dann aber doch noch die Marschroute für die nächsten Wochen vorzugeben: „Jetzt sind wir richtig drin im Geschäft. Natürlich wollen wir da auch bleiben und alles dafür tun, um am Ende das Bestmögliche zu erreichen.“ Wie der Aufstieg gelingt, ist freilich klar. Fritz Fröhlich: „Dazu müssen auf jeden Fall alle eigenen Spiele gewonnen werden und auch eine Mithilfe aus Schriesheim in Form mindestens eines liegen gelassenen Punktes ist notwendig.“

Zur Information: Aktuell liegt der TVS nur deshalb auf Platz zwei, weil er ein Spiel weniger ausgetragen hat als der TVH – und bei gleicher Anzahl von Minuspunkten weniger Zähler auf der Habenseite und geschossene Tore vorzuweisen hat.

Viel vorgenommen, noch mehr umgesetzt

Natürlich habe sich seine Sieben auch vor dem Spitzenspiel jede Menge vorgenommen, sagte Bokol. „Aber so eine Leistung und vor allem so ein Ergebnis hätte ich nicht erwartet“, zeigte er sich selbst überrascht, ob des Feuerwerks, das seine Schützlinge abbrannten. „Abwehr und Torhüter waren heute super“, lobte er. Und weiter: „Darauf aufbauend, konnten wir einen schnellen Handball spielen und vergleichsweise viele leichte Tore erzielen.“

Die meisten davon – 16 an der Zahl – erzielte der an diesem Abend alles überragende Bastian Drost. Mal als Rechtsaußen, mal als Halbrechter oder auch als Kreisläufer. Weitere elf Treffer gingen auf das Konto des Rückraum-Duos Felix Prisslinger (6) und Jens Wiltz (5). Allein dieses Trio erzielte somit deutlich mehr Tore als die gesamte, hoch gehandelte HG-Mannschaft.

38 Strafminuten und dreimal Rot

Die wiederum fand während der gesamten Spielzeit nicht in die Partie. Die Abwehr bot Drost und Co. immer wieder Räume, der HG-Offensive zog TVH-Keeper Lukas Kessler mit zahlreichen Paraden früh den Zahn. Darüber hinaus leisteten sich die Gäste zu viele Undiszipliniertheiten, die sich letzten Endes auch im Ergebnis niederschlugen.

Fritz Fröhlich traf nach seiner Einwechslung noch dreimal für den TV Hemsbach. Foto: Katrin Oeldorf
Fritz Fröhlich traf nach seiner Einwechslung noch dreimal für den TV Hemsbach.

Zwar verbrachten auch die Hemsbacher stattliche 14 Minuten auf der Strafbank, diese Zahl wurde aber von den Gästen noch einmal deutlich überboten: Die HG Königshofen/Sachsenflur kassierte insgesamt zwölf Zeitstrafen, zudem musste Kreisläufer Carlo Hartnagel nach einem Schlag in Prisslingers Gesicht früh mit Rot von der Platte (33.). Acht Minuten später folgte ihm bereits Mitspieler Lukas Henschel, nachdem dieser seine dritte Zeitstrafe aufgebrummt bekommen hatte. Dieses Schicksal ereilte auf Hemsbacher Seite auch Jannis König.

Doppelte Überzahl ebnet den Weg

In der Summe sorgten die vielen Zeitstrafen über die gesamte Begegnung hinweg „für viel Platz auf dem Feld, den wir besser zu nutzen wussten“, so Fröhlich. Dies zeigte sich auch schon kurz nach Spielbeginn: Eine Siebenmeter-Parade des zweiten TVH-Keepers Luca Roll eröffnete in der zweiten Spielminute die Partie, kurz darauf fanden sich bereits die ersten beiden HG-Spieler auf der Strafbank wieder (4.). Die Bergsträßer nutzten dies ihrerseits gekonnt aus – und führten nach sechs Minuten mit 4:0.

Beim 12:6 (22.) hatte Hemsbach seinen Vorsprung auf sechs Tore ausgebaut, mit sieben Toren Differenz ging es in die Halbzeitpause (18:11). An den Kräfteverhältnissen sollte sich auch nach dem Seitenwechsel nichts mehr ändern, vielmehr ballerte die Bokol-Sieben bis zum Schlusspfiff einen beachtlichen 14-Tore-Vorsprung heraus.

Klar, dass dabei auch eine gewisse Euphorie aufkommt. Stichwort: Europapokal.

TV Hemsbach: Roll, Grotelüschen, Kessler; Brückmann (1), Prisslinger (6), Wiltz (5), König, Groß (1), Lather, Zschätzsch (1), Fröhlich (3/2), Drost (16/5), Heckmann (3), Heide.