Handball

Neue Regel: kleinere Bälle in harzfreien Hallen

Ab dieser Saison greift die neue IHF-Regel. In Hallen mit Haftmittelverbot sollen kleinere Bälle mit mehr Grip zum Spielen genutzt werden

Zwei-Hallen-Gesellschaft: In manchen darf mit Harz gespielt werden, in anderen nicht. In dieser Saison gilt erstmals die Regel, dass in Hallen mit Haftmittelverbot kleinere Bälle genutzt werden sollen. Foto: Simon Hofmann
Zwei-Hallen-Gesellschaft: In manchen darf mit Harz gespielt werden, in anderen nicht. In dieser Saison gilt erstmals die Regel, dass in Hallen mit Haftmittelverbot kleinere Bälle genutzt werden sollen.

Es gibt zwei Arten von Handball: Die einen spielen mit, die anderen ohne Harz. Nicht selten sind Vereine, die in Hallen mit Haftmittelverbot spielen und trainieren, keine allzu beliebten Anlaufstellen bei der Generierung von externen Neuzugängen. Auch für die HSG Weschnitztal war das Haftmittelverbot in weiten Teilen Hessens ein Grund dafür, einen Antrag auf Aufnahme in den Badischen Handball-Verband zu stellen. Mit Harz stiegen die Weschnitztaler von Trainer Marcus Gutsche inzwischen in die Oberliga auf.

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Vor der Mitte September startenden Runde wurde in Hessen nun beschlossen, dass prinzipiell alle Ligen im Jugend und Aktivenbereich bis zur Regionalliga mit Klebemittel spielen, einzelne Verbote, weil der Halleneigentümer nicht mitspielt, bedürfen einer Sondergenehmigung vom Verband. Für die Mannschaften ab der Oberliga abwärts gilt in Hessen weiter das Harzverbot.

Bälle kleiner und leichter

Aber die Internationale Handballföderation (IHF) hat eine Regeländerung beschlossen, die auch der Deutsche Handball-Bund mit seinen Landesverbänden für die neue Spielzeit übernommen hat: Wenn nicht mit Klebemittel gespielt wird, werden die Bälle kleiner und leichter. Durch eine Reduktion der Umfänge und des Gewichts soll das Spielgerät besser greifbar und die Ballführung erleichtert werden.

Zum Vergleich: Bälle der Größe 3, wie sie bei Männern und männlicher A-Jugend gespielt werden, schrumpfen von 58 bis 60 Zentimeter im Umfang auf 55,5 bis maximal 57,5cm, das Gewicht reduziert sich von bis zu 475 Gramm auf maximal 425 Gramm. Bei den Frauen und ab der C-Jugend (IHF-Größe 2) sind fortan ohne Klebemittel die Bälle nur noch 51,5 bis 53,5 cm im Umfang und zwischen 300 bis 325 Gramm schwer. Bislang hatten „die Zweier“ 54 bis 56 cm und bis zu 375 Gramm. Zu erkennen sind die größenreduzierten Kugeln an Bezeichnungen wie „resinfree“ oder „waxfree“ .

Mangelnde Kommunikation

Bemängelt wird vor allem auch die Kommunikation bei der Einführung der neuen Bälle. Nils Heckmann, Sportlicher Leiter der HSG Weschnitztal, wurde von unserer Anfrage kalt erwischt. „Da mus ich erst mal unsere Schiedsrichter fragen. Mit denen stehen wir eigentlich im steten Austausch. Und davon wurde bislang nichts erwähnt.“ Er selbst habe als Torwart gerne in harzfreien Hallen gespielt. „Der Wurf eines Spielers ist dadurch viel besser zu lesen, kommt langsamer und kontrollierter aufs Tor. Das Tricksen ist mit einen harzfreien Ball deutlich schwieriger.“ Bei den Spielern, die Harz gewohnt seien, sei die glatte Kugel deutlich weniger beliebt. „Während ein geharzter Ball eher in der Hand liegt, muss man den harzfreien richtig greifen. Da gab es dann eher mal Muskelkater in den Händen.“

Harzfrei in Laudenbach und Weinheim

An der Bergstraße darf in der Laudenbacher Bergstraßenhalle und der Weinheimer TSG-Halle nicht geharzt werden. Auch in Dossenheim, Handschuhsheim und Friedrichsfeld herrscht Haftmittelverbot. Die Frauen der HSG Bergstraße haben sich bereits auf den neuen Molten D60 pro eingestellt. Die Herren wollen eigentlich noch die alten Größen nutzen, genau wie die Herren der HSG Weinheim/Oberflockenbach. „Wir probieren noch aus, haben bislang den Erima-Ball getestet. Aber der verliert nach mehrmaligem Nutzen deutlich an Grip“, sagt HSG-Trainer Jürgen Al-Shawani. Die Herren der HSG würden lieber mit dem gewohnten größeren harzfreien Ball weiterspielen.

Das komplette Balllager auszutauschen, würde eine immense Investition für die Vereine bedeuten, für den kleineren Grip-Ball sind 100 Euro zu berappen. Grundlegende Änderungen im Spiel sind wohl nicht zu erwarten, gerade bei den Frauen. „Auf unserem Niveau hat man bislang Trickwürfe eher selten gesehen. Aber jetzt wird das vielleicht öfter der Fall sein“, sagt Weinheims Frauen-Coach Jürgen Al-Shawani. Beim heute in der TSG-Halle startenden Horst Riede-Ladies-Cup wird wohl noch mit den alten Bällen gespielt werden. AT/me