Rekordmeldeergebnis bei den Weinheim Trails
Zwei zusätzlichen Strecken führen fast zu einer Verdoppelung der Starterzahlen. Nur der Regen und einige Irrläufer als Wermutstropfen
Früh aufstehen hieß es am Sonntagmorgen für die 425 Starter der 3. Weinheim Trails. Wer besonders schnell lief, kam sogar fast trockenen Fußes wieder im Ziel am Weinheimer Marktplatz an. Bis der Rundkurs, der auf vier verschiedenen Distanzen angeboten wurde, allerdings bewältigt war, gab es nicht nur einige Höhenmeter, sondern auch ein paar Irrläufer. Trotz vieler Helfer auf der Strecke, Pfeilen, Flatterbändern und dem Track, den sich jeder aufs Handy oder die Uhr landen konnte. Traillauf ist eben in jeder Hinsicht eine Challenge.
„Wer sich vorher nicht mit der Strecke beschäftigt hatte, für den war die Orientierung durchaus herausfordernd“, sagte Lokalmatador Julius Ott. „Die Strecke ist superschön, aber ein GPX-Track auf der Uhr hilft in jedem Fall. Im Wald ist es einfach viel schwieriger, jede Abzweigung zu beschildern, als bei einem Straßenlauf. Aber absolut kein Vorwurf an die Veranstaltung.“
Weinheim Trails Sieger
Ultrastrecke (44 km, 1400 hm)
Frauen (8 im Ziel)
1 Michelle Hassel, bergziegenHD 3:47:01
2 Isabel Avens, bergziegenHD 4:18:33
3 Annika Röcker, WeRun4Fun e.V. 4:44:58
Männer (27)
1 Matthias Krah, Altra Run Crew 3:30:22
2 Andreas Stähle, bergziegenHD 3:40:33
3 Michael Avens, bergziegenHD 3:41:17
Langstrecke (24 km, 750 hm)
Frauen (27)
1 Christina Erdbrink, Darmstadt 2:01:56
2 Stephanie Waglöhner, bergziegenHD 2:05:30
3 Sarah Napiwotzk, bergziegenHD 2:07:16
Männer (95)
1 Julius Ott, phc-trimaster, TSG Weinheim 1:41:27
2 Julius Selig, Mannheim 1:53:49
3 Christian Alles, hpc-trimaster/engelhorn sports 1:54:44
3 Frank Mörschel, bergziegenHD 1:54:44
Mittelstrecke (12 km, 350 hm)
Frauen (42)
1 Grozda Gvero, Team trans-o-flex 1:01:08
2 Emilie Collet, Team trans-of-flex 1:01:49
3 Anna Suchan, Friends of Weinheim Trails 1:04,34
Männer (72)
1 Günter König, TSG Weinheim/Sport 65 51:16
2 Max Nelo Saglgado Ricart, Arenys del Palomar 52:27
3 Johannes Ader, Deutschland 57:56
Kurzstrecke (6 km, 100 hm)
Frauen (32)
1 Amina Krüger, Groß-Gerau 31:43
2 Fanny Wilkening, Weinheim 35:57
3 Sumayyah Alt, phc-trimaster, TSV Oftersheim 35:58
Männer (33)
1 Norman Korff, hpc trimaster MTG MA 22:19
2 Simon Jonscher, Jonscher Gang 23:31
3 Jakob Kohn, Team trans-o-flex 32:13
Favoritensieg bei der Langstrecke
Der Weinheimer, bereits Bergläufer für Deutschland bei der WM und EM, nahm die 24 Kilometer am Tag zuvor noch einmal genauer unter die Lupe und wusste, wo er hinmusste. Mit weitem Vorsprung kam er nach 1:41:27 Stunden als Erster auf der zahlenmäßig am besten besetzten Strecke wieder im Ziel an. Heimvorteil genutzt. „Das war ein klasse Wettkampf und eine gute Vorbereitung für zwei längere Bergläufe im August“, sagt der Mann, der in seiner Wahlheimat Graz zweimal täglich trainiert. Den Heimvorteil nutzten gestern tatsächlich viele. Trailläufe, zumal mit diesem Höhenprofil, werden in der Region schließlich nicht oft angeboten.
Höhenmeter vor der Haustür
„Es ist schon super, wenn man nicht so weit fahren muss. Außerdem kennt man viele, das hat einen superfamiliären Charakter. Dass wir mit so einer starken Gruppe von den Heidelberger Bergziegen angetreten waren, war stimmungsmäßig natürlich super“, sagte Langstrecken-Siegerin Christina Engel, die den Wettkampf zur Vorbereitung auf den 58 Kilometer langen und 3000 Höhenmeter umfassenden Großglockner-Ultrateil nutzte. Die 200 Meter, die sie durchs Verlaufen noch draufpackte, taten ihr nicht weh.
Hand in Hand mit Bergziege Frank Mörschel kam der Schriesheimer Christian Alles als Dritter über die Ziellinie. Die zwischenzeitlich etwas eingerostete Lauf-„Legende“ hat Lunte gerochen und einen 100-Kilometer-Lauf in der Schweiz im Visier. Die 24 Kilometer in Weinheim taten dem jungen Familienvater schon ein bisschen weh. „Aber hauptsächlich, weil ich mich nach einer Kinderübernachtungs-Party heute tatsächlich tot gefühlt habe. Die Strecke war super und ich komme auf jeden Fall wieder.“
Souveräne „Ultras“
Ohne Zusatzmeter kam Ultrastrecken-Siegerin Michelle Hassel aus. „Ich hatte nur das Problem, dass ich fast zwei Drittel der Strecke allein gelaufen bin und mir das Tempo selbst machen musste. Aber dafür waren die Helfer am Wegrand superfreundlich und haben gepusht“, sagt die Darmstädterin, die nach den 44 Kilometern über eine halbe Stunde Vorsprung vor der Konkurrenz hatte.
Einen Favoritensieg gab es bei den Herren für Matthias Krah, der aus dem Raum Miltenberg kommt. Auch er hatte sich die Strecke vorher angeschaut und wusste, wo es bei den 44 Kilometern lang ging„Es ist natürlich super, dass wir so anspruchsvolle Läufe auch hier in der Region ohne weite Anreise laufen können“, sagt der Mann, der aus der Ecke Miltenberg kommt und dessen nächstes Ziel der 100-Meilen-Lauf „Swiss Alps“ ist.
Weinheimer gewinnt Mittelstrecke
Einen Heimsieg landete Günter König auf den zwölf Kilometern der Mittelstrecke. Der Weinheimer, der von Trainingspartnerin Andrea Pascher gepuscht wurde, freute sich über eine griffige Strecke. „Besonders toll war es, hinter Julius Ott herzulaufen. Das ist ein Traum. Leider ist er dann irgendwann abgebogen“, lacht der TSGler, der für Sport 65 startet und dieses Jahr unter anderem bereits baden-württembergischer Berglaufmeister seiner Altersklasse war.
Doppelsieg für trans-o-flex
Bei den Frauen gab es einen Doppelsieg für Weinheim Trails-Sponsor trans-o-flex. Der stellte nicht nur ein Gros des Helferteams und nahm auch selbst mit einer großen Abordnung aktiv an den Läufen teil, sondern verteilte im Ziel auch Basecaps und Getränke. Siegerin Grozda Gvero befand den Anstieg vom Marktplatz hinauf in den Schlosspark schon als das schlimmste Stück. „Danach war ich ganz gut im Flow“, sagt die Auszubildende beim Weinheimer Spediteur, die zusammen mit der zweitplatzierten Emilie Collet und vielen anderen auch mit der Firma einmal wöchentlich trainiert hat.
„Die meisten Läufer kommen ins Ziel und genießen die Strecke, ich wäre ja eigentlich gern selbst mitgelaufen. Aber die kritischen Stimmen, die durchaus laut sind, nehmen wir sehr ernst. Nächstes Jahr werden wir besser“, war Streckenchefin Silvia Felt-Balbach insgesamt mit der Resonanz und der Stimmung beim dritten Event sehr zufrieden. „Aber gerade bei der kurzen Strecke haben manche Läufer aufgrund der kleinen Pfeile den Einstieg in die Trails verpasst und sind ihre gewohnten Wege gelaufen. Eigentlich war alles markiert, aber das müssen wir wohl noch besser machen.“