Trainer Thorsten Schmid verlässt die S3L
Nach zwei gemeinsamen Drittliga-Jahren trennen sich im Sommer die Wege. Das gilt auch für einen weiteren wichtigen Spieler. Ein echter „Riese" kehrt hingegen nach sieben Jahren zurück nach „Hause".
Hirschberg. In beeindruckender Manier trotzten die Drittliga-Handballer der S3L am vergangenen Wochenende den Personalproblemen, die sich bislang wie ein roter Faden durch die gesamte Spielzeit 2024/25 ziehen. Bei den VTV Mundenheim setzten sich die Schützlinge von Trainer Thorsten Schmid souverän mit 30:24 durch – und verteidigten damit den vierten Tabellenplatz. Aus einer geschlossen auftretenden Mannschaft ragten insbesondere der Innenblock um Niklas Krämer und Sven Schreiber sowie der spielfreudige Regisseur Hannes Weindl, der mit neun Toren überdies zum besten Schützen des Spiels avancierte, heraus.
Man müsse vor Thorsten Schmid den Hut ziehen, lässt Mark Wetzel von der Sportlichen Leitung der S3L die Öffentlichkeit am frühen Donnerstagmittag via Pressemitteilung wissen. „Trotz der anhaltenden Verletzungsmisere schafft er es immer wieder, die Mannschaft gut einzustellen und Punkte einzufahren“, lobt er den engagierten Coach.
„Thorsten hat in den vergangenen Jahren einen super Job gemacht, vor allem für die laufende Saison muss man den Hut vor Ihm ziehen. Trotz der anhaltenden Verletzungsmisere schafft er es immer wieder, die Mannschaft gut einzustellen und Punkte einzufahren.“ (Mark Wetzel, Sportlicher Leiter S3L)
Gleichwohl gehen der Verein und sein Trainer nach Ende der laufenden Saison getrennte Wege, wie der Verein weiter mitteilt. Man habe diese Entscheidung „in Freundschaft und im beiderseitigen Einvernehmen“ getroffen, heißt es vonseiten der Verantwortlichen der Spielgemeinschaft auf Nachfrage dieser Redaktion. „Thorsten hat in den vergangenen Jahren einen super Job gemacht“, würdigt Wetzel den scheidenden Übungsleiter. Nicht zuletzt deshalb gibt es Überlegungen, Schmid in anderer Funktion auch künftig an die S3L zu binden.
Platz zwei im Premierenjahr
Nach dem Rückzug von Marc Nagel hatte der 53-Jährige die damalige SG Leutershausen im Sommer 2023 übernommen. In seiner Premierensaison an der Bergstraße führte er die SGL zur Vizemeisterschaft, hinter Meister und Zweitliga-Aufsteiger HSG Konstanz. Allerdings verzichteten die Heisemer angesichts des Zusammenschlusses mit dem TVG Großsachsen, der SG Hohensachsen und der TSG Lützelsachsen zur Spielgemeinschaft S3L mit Beginn der Saison 2024/25 auf die Teilnahme an der Aufstiegsrunde. Schmid ging diesen Weg mit und steht somit auch im ersten S3L-Jahr an der Seitenlinie der Drittliga-Handballer.
Der diplomierte Sportwissenschaftler und A-Lizenz-Inhaber ist seit 2001 beim Hessischen Handball-Verband (HHV) und seit 2009 auch beim Deutschen Handballbund (DHB) als Referent im Bereich Aus- und Weiterbildung tätig. Von 2002 bis 2007 war Schmid zudem hessischer Landesauswahltrainer und von 2004 bis 2009 Stützpunkttrainer beim HHV. Vor seinem Engagement bei SGL und S3L war er unter anderem bei Frauen-Bundesligist HSG Bensheim/Auerbach, den Drittliga-Männern der MSG Groß-Bieberau/Modau sowie der HG Oftersheim/Schwetzingen oder als Coach der deutschen Juniorinnennationalmannschaft tätig.
Wer die Mannschaft in der Spielzeit 2025/26 betreuen wird, ist unterdessen noch offen. Ein Nachfolger für Thorsten Schmid stehe „noch nicht sicher“ fest, einen geeigneten Kandidaten habe man aber bereits im Auge, heißt es.
Mastrocola geht in die Schweiz
Im Zuge der Trainer-Entscheidung gaben die Hirschberger noch zwei weitere Personalentscheidungen für die kommende Saison bekannt. Der derzeit verletzte Rückraumspieler Luca Mastrocola wird die S3L demnach im Sommer ebenfalls verlassen. Auch er war 2023 zur damaligen SG Leutershausen gekommen und zählt seitdem zu den Leistungsträgern des Drittligisten. Mastrocolas Zukunft liegt beim HSC Kreuzlingen in der ersten Schweizer Liga.
„Das sind zwei Verluste, die schwer wiegen“, sagt Mark Wetzel mit Blick auf die Abgänge von Trainer Thorsten Schmid und Luca Mastrocola.
Auf der anderen Seite herrschte am Donnerstag aber auch Riesenjubel bei der S3L. Und zwar im wahrsten Sinne des Wortes: Zeitgleich mit den beiden Abgängen gab die Spielgemeinschaft die Rückkehr von Stefan Salger zur neuen Saison bekannt. Der 2,07-Meter-Hüne steht derzeit noch beim Zweitligisten TV Großwallstadt unter Vertrag. Bei der S3L hat er sich langfristig verpflichtet und einen Dreijahresvertrag unterschrieben. „Ich habe ein richtig gutes Gefühl bei dieser Entscheidung“, wird Salger in der S3L-Mitteilung zitiert, „und freue mich total, die alten Jungs von früher, wie beispielsweise Alex Hübe, Roger Gross oder Kalli Zöller, wiederzutreffen“.
„Das ist ein Jackpot für uns“
„Das ist ein Jackpot für uns“, freut sich Wetzel. Er habe immer Kontakt zu dem Rückraumspieler gehalten. Der 28-Jährige sei ein großer Gewinn für die ganze Mannschaft und werde die Baustelle „halbrechts“, die durch den jüngsten Abgang von Yessine Meddeb (nach Großwallstadt) und Mastrocolas anstehenden Wechsel entsteht, schließen.
Salger spielt schon länger in der 2. Liga, verfügt zudem über Erstliga-Erfahrung (TVB Stuttgart, MT Melsungen) und bestritt in jungen Jahren 28 Spiele für die deutsche U21-Nationalmannschaft. Seine Zeit in Leutershausen sei für ihn die beste in seiner bisherigen Karriere gewesen, gibt er zu Protokoll. Er kam 2015/16 zur SGL und stieg mit den „Roten Teufeln“ in die 2. Liga auf. 2017 wechselte er zwar nach Stuttgart, blieb aber zunächst weiter für Leutershausen spielberechtigt.
Mit nun 28 Jahren schaut er bereits auf eine bewegte Karriere zurück, die jetzt eine erneute Wende erfährt. „Ich will meinen Lebensmittelpunkt etwas verändern“, sagt er. Bisher habe sich immer alles um Handball gedreht, nun wolle er noch mal neu durchstarten. Als ausgebildeter Physiotherapeut holte er unlängst sein Fachabitur nach, jetzt will er studieren. „Ich will wieder mit Begeisterung und Freude Handball spielen“, erklärt Salger – „ohne den täglichen Druck, einfach mit Leidenschaft und Spaß“. Das könne er am besten in Hirschberg, ist er sich sicher. „Für uns ist das in jeder Hinsicht ein echter Glücksfall“, zeigt sich Wetzel nicht minder begeistert.
Nach den schmerzhaften Abgängen steht also auch der erste Neuzugang für die kommende Saison fest – und das Personalkarussell bei der S3L beginnt sich zu drehen.
Das gilt übrigens auch für die Gespräche mit den Spielern aus dem aktuellen Kader. Man habe bereits mit einigen Spielern gesprochen und „viele werden auch über die Saison 24/25 ein Teil der S3L-Handballfamilie bleiben“, heißt es in der Pressemitteilung. Näheres wollen die Verantwortlichen in den kommenden Tagen bekannt geben.
Hohe Hürde im Saarland
Mit der gleichen Aufstellung wie in Mundenheim wird die S3L unterdessen auch am Samstag (19.30 Uhr) bei der HG Saarlouis antreten. Die Saarländer rangieren mit 24:14 Zählern aus 19 Spielen momentan auf dem fünften Tabellenplatz und damit einen Platz hinter den Hirschbergern, bewegen sich aber auf einem ganz anderen spielerischen Niveau als die VTV und zählen zu den Top-Teams der 3. Liga. „Für mich ist Saarlouis ganz klar nach Krefeld die beste Mannschaft der Liga“, redet auch Thorsten Schmid nicht lange um den heißen Brei herum. Am vergangenen Samstag gewannen die Saarländer in Hanau mit 34:28, gleich drei Spieler netzten dabei sieben Mal ein.
Warum die Saarländer dennoch nur im Verfolgerfeld liegen, sei „eigentlich unverständlich“, ergänzt der scheidende Coach. Mit Yves Kunkel und Lars Weißgerber verfügt die HG über zwei Handballer mit Bundesligaerfahrung, auch grundsätzlich ist der Kader sehr gut aufgestellt. „Die sind auf allen Positionen doppelt gut besetzt“, weiß Schmid.
34:42-Niederlage im Hinspiel
Schon allein deshalb ist Saarlouis gegen die weiter personell geschwächten Bergsträßer also klar favorisiert, zumal die Saarländer bereits in der Hinrunde der S3L deutlich zu schaffen machten. Mit 42:34 verlor die Schmid-Sieben in eigener Halle; neun Tore Abstand – das ist im Handball schon ein Wort.
„Und damals waren wir personell noch deutlich besser aufgestellt als heute“, gibt der Trainer zu bedenken. „Wir müssen uns sauber aus der Affäre ziehen“, meint Schmid. Das Motto lautet also: Das Beste aus der Situation machen und hoffen, dass es nicht noch schlimmer kommt und die Mannschaft nicht noch weitere Ausfälle verkraften muss. Seine Spieler, so Schmid, seien weiterhin gut drauf und kämpfen sich mit einer hohen Moral und großen Entschlossenheit von Woche zu Woche.
Das taten am vergangenen Wochenende nach Ansicht ihres Trainers Philipp Kessler aber auch die Saarländer. „Wir haben von Anfang an eine Mannschaft gesehen mit deren Einstellung und Leidenschaft ich sehr, sehr zufrieden bin“, wird er auf der Vereins-Website zitiert. Diese sehr gute Einstellung gelte es für die Partie gegen die S3L und das folgende Spiel gegen Mundenheim zu kompensieren. „Denn die“, so Kessler, „wollen wir auch beide gewinnen."