Unglaubliche Schlussphase im Frauen-Derby
Der TSV Birkenau bringt in Heddesheim eine Sieben-Tore-Führung nicht über die Zeit. Das Remis bedeutet aber auch den ersten Punktverlust der SGH
Das Oberliga-Spitzenspiel zwischen Tabellenführer SG Heddesheim und dem Vorjahresmeister TSV Birkenau endete mit 22:22, womit beide Seiten am Ende zufrieden sein durften. Und das, obwohl den Gästen eine 20:13-Führung nicht zum Sieg reichte.
Nach einer 11:9-Halbzeitführung der Schützlinge von Trainer Branko Dojcak, warfen die Gäste nach dem Seitenwechsel 20 Minuten lang den Turbo an, führten in der 46. Minute scheinbar uneinholbar, um am Ende noch froh sein zu können, wenigstens einen Punkt aus der Löwen-Höhle entführt zu haben.
Heddesheim - Birkenau 22:22
SG Heddesheim: Schlechter im Tor, Korn (8), Holzer (4), Scheiner (3), Gedik (2), Knödler (2), Hildenbrand (1), Matthes (1), Pugar (1), Butschek, Dielmann, Francis, Hörl, Knaub.
TSV Birkenau: Johanna Meyer im Tor, Haas (5), Fremr (3), Hanke (3/2), Harbarth (3/1), Tines (3), Gutsche (2), Becker (1), Knapp (1), Schäfer (1), Falter, Hassel, Annalena Meyer.
Schiedsrichter: Daniel Fischer, Peter Großmann.
Siebenmeter: 4/3:8/5.
Zeitstrafen: 8 plus Disqualifikation - 3 plus Disqualifikation.
Beste Spielerinnen: Korn, Holzer - Haas, Meyer.
Die 200 Zuschauer kamen zumindest in Sachen Spannung und Atmosphäre auf ihre Kosten und erlebten mit dem kuriosen Spielverlauf ein Wechselbad der Gefühle. Die Gäste von Trainer Julius Schäfer und Emil Hofmann begannen gut auf den Gegner eingestellt. Dank einer gut funktionierenden 3-2-1-Deckungsformation mit einer erneut starken Johanna Meyer im Tor und einer insgesamt überragenden Katrin Haas im Deckungszentrum, gelangen den Gastgeberinnen bis zur 17. Minute gerade einmal vier Treffer. Der TSV hatte bis dato bereits deren sieben auf der Anzeigetafel stehen.
Aber danach nutzten allen voran Laura Louise Knödler und Kathrin Scheiner mit jeweils zwei Treffern vor allem die Abwehrschwächen auf den Außenpositionen des TSV, und drehten den Rückstand in der 27. Minute zur erstmaligen Heddesheimer Führung zum 9:8. Nach zwei Toren in Folge von Maike Korn hatten die kampfstarken Gastgeberinnen den Rückstand zu einer 11:9- Halbzeitführung gedreht, weil den Gästen nur noch durch Marie Harbarth ein Treffer gelang und in dieser Phase zwei von insgesamt drei Siebenmetern nicht verwandelt wurden.
Indiskutable 14 Minuten
TSV-Trainer Schäfer musste in seiner Pausenansprache offensichtlich die richtigen Worte gefunden haben. Nach 37 Minuten war aus Sicht der Gäste der 13:13-Gleichstand hergestellt und dann gelangen Jaqueline Fremr und Co. innerhalb von zehn Minuten ein 7:0-Lauf. Beim 13:20 14 Minuten vor dem Ende und einer darauf folgenden Roten Karte für SG-Akteurin Selina Pugar sahen sich die zahlreichen Gästefans schon fast als Derbysieger.
Was in den letzten 14 Minuten folgte, wird man beim TSV-Trainerteam sicherlich noch zu diskutieren haben. Eine völlig unverständliche hektische Spielweise, unter anderem mit sieben technischen Fehlern in Folge, baute die Gastgeberinnen regelrecht wieder auf, die angetrieben von der achtfachen Torschützin Maike Korn Tor um Tor verkürzten. Die Auszeit von Trainer Schäfer erst nach der Disqualifikation von Linn Gutsche und dem Anschlusstor zum 18:20 kam offensichtlich zu spät, um die Euphorie und die Aufholjagd der Gastgeberinnen noch bremsen zu können.
Vier Minuten vor dem Ende war es erneut Maike Korn, die von der Mitte den 21:21-Ausgleichstreffer erzielte. Die Birkenauerinnen hatten völlig den Faden verloren und mussten 68 Sekunden später sogar das 22:21 durch die vierfache Torschützin Alina Holzer hinnehmen. Die Halle bebte. Lenya Hanke gelang zwei Minuten vor dem Ende mit einem von Katrin Haas herausgeholten Siebenmeter aus Sicht der Gäste wenigstens noch der alles in allem verdiente Ausgleich.
„Wir haben heute mit tollem Kampf einen Punkt gewonnen“, sprach SG-Spielerin Christina Matthes am Ende sicherlich auch den meisten Heddesheimer Fans aus dem Herzen. „Vor dem Spiel hätte ich diese Punkteteilung unterschrieben, jetzt fühlt es sich wie ein Punktverlust an und ich muss erst einmal alles sacken lassen“, sagte ein aufgewühlter Gästetrainer Julius Schäfer nach dem Spiel.
Mit der Punkteteilung führen die Heddesheimerinnen nach Verlustpunkten weiterhin die Oberliga-Tabelle an, die Birkenauerinnen dürfen sich nach dem nun dritten Punktverlust und fünf Punkten Abzug wegen Nichterfüllung des Schiedsrichtersolls für den angestrebten vierten Tabellenplatz nicht mehr viele Punktverluste leisten.