Weinheimer gewinnt mit den Jungadlern die Meisterschaft
Mit dem Adler-Nachwuchs feierte Vincent Dewald am 1. April die Deutsche Eishockey-Meisterschaft. Nur wenige Tage später haben sich seine Prioritäten bereits komplett verändert.
„Als die Zuschauer den Countdown runtergezählt haben und danach die Schlusssirene ertönte, war es, als würden 1000 Ketten von einem springen. Das war das geilste Gefühl meines Lebens, diesen Augenblick werde ich wohl nie vergessen“, sagt Vincent Dewald.
Mit der U20 der Mannheimer Jungadler schaffte der 19 Jahre alte Weinheimer am 1. April, was den DEL-Profis der Adler in dieser Saison verwehrt blieb: den Gewinn der Deutschen Meisterschaft.
Für die U20 der Jungadler war es zwar bereits der 17. Meistertitel, für Dewald aber eine Premiere – obwohl er offiziell auch als Mitglied der U17-Meistermannschaft der Saison 2018/19 geführt wird. „Da war ich aber noch in der U15, durfte nur ab und an bei den Älteren mitspielen. Für mich persönlich ist das jetzt erst der erste richtige Titel“, erklärt der etatmäßige Verteidiger, der im Laufe der Saison zum Stürmer „umgeschult“ wurde und in 47 Saisonspielen drei Tore und drei Assists zum Meistertitel beisteuerte.
„Eine große Familie“
Auch elf Tage nach dem entscheidenden 6:2-Sieg gegen die Kölner Junghaie im dritten Play-Off-Finale der Deutschen Nachwuchsliga sprudelt die Euphorie förmlich aus dem jungen Weinheimer heraus, wenn er von den letzten Sekunden und den anschließenden Feierlichkeiten berichtet. „Das war alles total verrückt, wir sind aber auch eine total verrückte Mannschaft, eigentlich sogar eine große Familie“, sagt Dewald.
Dieser Teamgedanke habe die Jungadler bereits durch die gesamte Saison und von Erfolg zu Erfolg getragen, führt der 19-Jährige aus. „Köln galt im Finale eigentlich als großer Favorit, wir waren hingegen im Schnitt deutlich jünger. Am Ende hat sich aber gezeigt: Die Junghaie waren doch nur irgendeine Truppe, wir dagegen ein verschworener Haufen.“
Zur Person:
- Seine ersten Schritte auf dem Eis machte Vincent Dewald mit sieben Jahren bei den Mannheimer MadDogs. In der U12 wechselte er bereits zu den Jungadlern, zur gleichen Zeit wechselte er vom Heisenberg-Gymnasium an eine Partnerschule des Vereins.
- Sein Abitur „baut“ er nun am Mannheimer Kurpfalz-Gymnasium, das seit 1997 mit einem speziellen Talentförderprogramm für junge Sportler aufwartet. Trainingsspiele in Tschechien mit der U12 und U14 waren somit ebenso möglich, wie bis zu sechs Trainingseinheiten pro Woche.
- Die Doppelbelastung hatte es dennoch in sich. „Dienstags und donnerstags haben wir uns schon um 6.45 Uhr zum ersten Training getroffen, danach folgte der Unterricht. Am Nachmittag ging es mit der nächsten Trainingseinheit weiter“, berichtet Dewald.
Umso mehr bedauert der frisch gebackene Deutsche Meister, dass dieser „Haufen“ in wenigen Wochen auseinanderbricht: „Bis auf ein, zwei Spieler muss der komplette Jahrgang 2004 den Verein verlassen – auch ich.“ Natürlich sei dies „schade“, fügt er hinzu, legt im gleichen Atemzug aber eine für dieses Alter alles andere als alltägliche Reife an den Tag: „So ist das eben, wenn man bei der besten deutschen Nachwuchsmannschaft spielt. Einer aus zwei Jahrgängen schafft es im Durchschnitt zu den DEL-Profis, die große Mehrheit landet dagegen erst einmal in der DEL2 oder der drittklassigen Oberliga.“
„Bin kein Moritz Seider oder Tim Stützle“
Er selbst könne damit umgehen, beteuert Vincent Dewald: „Ich weiß, was ich kann, und was nicht. Ich bin nunmal kein Moritz Seider oder Tim Stützle, die es praktisch direkt von den Jungadlern in die nordamerikanische NHL geschafft haben.“
Überhaupt haben sich die Prioritäten für den 19-Jährigen in den vergangenen Tagen bereits komplett verändert: „Mein nächstes Ziel ist es, ein gutes Abitur hinzulegen. Ich stehe dafür jeden Morgen um 8 Uhr auf und fange um 9 Uhr an, zu lernen. Am 24. April steht schließlich schon die erste Klausur im Sport-Leistungskurs an.“
Erst danach will sich der Nachwuchs-Crack um seine sportliche Zukunft kümmern. Ein Berater habe sich zwar bereits bei ihm gemeldet und erste Kontakte zu potenziellen neuen Vereinen vermittelt, „ich mache mir in dieser Hinsicht aber noch gar keinen Stress“.
Sportliche Zukunftspläne
Klar ist für Dewald bislang nur: „In einer U20 möchte ich nicht mehr spielen, weil ich dann ja gegen meine Jungadler ran müsste.“ Weiter sagt er: „Bestenfalls finde ich einen Verein, bei dem ich das Eishockeyspielen gut mit einem Studium verbinden kann. Ich will schließlich auch für das Leben nach einer möglichen Karriere vorbereitet sein.“
Besonders schön wäre es obendrein, wenn der neue Arbeitgeber nicht allzu weit von der Bergstraße entfernt beheimatet wäre. „Denn ich bin in Weinheim geboren, habe schon immer in der Nähe des Schlossparks gelebt und werde auch künftig immer wieder nach Hause kommen. Ich kann mir kaum etwas Schöneres vorstellen, als im Sommer auf dem Marktplatz zu sitzen.“
Das wäre für einen Profi freilich auch nach einer kraftraubenden Saison möglich. Und: Wer das Funkeln in Dewalds Augen sieht, der weiß, dass der angehende Abiturient dem Erfolg vom 1. April gerne noch weitere folgen lassen würde.