Zwei Meetingrekorde beim Weinheimer Herbstlauf - und viele Erfolgsgeschichten
Kaum ein Herbstlauf, der einmal nicht von der Sonne verwöhnt war. Vom Weltklasse-Halbmarathonläufer bis zum Hobbysportler – es läuft bei allen
Dass der Weinheimer Herbstlauf alles zu bieten hat, was das Läuferherz begehrt, hat sich längst herumgesprochen. Bei der 24. Auflage waren nicht nur Freizeitläufer am Start, die gemeinsam Spaß haben wollten. Auch Spitzensportler haben inzwischen den Weg ins Sepp-Herberger-Stadion gefunden. Moges Dargie Mengesha beispielsweise pulverisierte im vergangenen Jahr den Streckenrekord im Halbmarathon. „Mit diesen 1:03,58 Stunden wäre er auch in Paris und in Berlin in den Top Ten gelandet. Ich weiß nicht, warum er sich für uns entschieden hat, aber das wertet den Lauf natürlich auf“, sagte Thomas Geißler, Laufveranstalter der TSG 1862 Weinheim.
Mengesha war gekommen, um den Rekord erneut zu unterbieten, und seine Bestzeit von 1:02 Stunden zu verbessern. „Das ist mir leider nicht gelungen. Weinheim hat eine schöne, schnelle Strecke. Aber ich musste quasi alleine laufen, da hat es am Ende dann doch gefehlt“, sagt der gebürtige Äthiopier, der für TuS Kelsterbach startet und dessen 1:04:48 Stunden nicht weniger beeindruckten. Im Schlepptau hatte Mengesha auch andere Spitzenläufer.Yihun Fantahun Gezahign vom LCO Lorsch beispielsweise. Der hatte sich im vergangenen Jahr noch verlaufen, weil er dem falschen Fahrrad gefolgt war. Jetzt kam er nach zehn Kilometern und 29:26 Minuten wieder im Ziel an. Ebenfalls eine absolute Spitzenzeit und neuer Meetingrekord. „Außerdem habe ich meine Bestzeit von 29:57 Minuten aus Mutterstadt noch einmal deutlich verbessern können. Ein perfekter Tag!“ Nach dem verletzungsbedingten Abbruch beim Frankfurt-Marathon ein ganz starkes Comeback des Lorscher Leichtathletik-Aushängeschilds.
Spaß bringt Meetingrekord
Und dem standen die Frauen nicht nach. Halbmarathon-Siegerin Laura Jansen beispielsweise kam mit der Erfahrung eines 19. Platzes bei der Triathlon-Weltmeisterschaft 2023 an die Bergstraße. Die Profi-Triathletin war auch vergangene Woche wieder bei der Weltmeisterschaft in Nizza am Start. Doch während die Heidelbergerin Laura Philipp dort triumphierte, musste die für den SV Nikar Heidelberg startende Jansen aussteigen.
„Der Kreislauf. Ich war richtig down und habe sehr mit mir gehadert. Eigentlich wollte ich gar nichts mehr machen, habe mich dann aber am Samstagabend entschieden, den Halbmarathon hier zu laufen. Und es war eine gute Entscheidung“, konnte Jansen nach der großen Enttäuschung wieder lachen. „Ich bin mit dem Rad aus Heidelberg hergefahren, das Wetter ist klasse und mit meiner Zeit kann ich gut leben. Besser gehts nicht. Und jetzt hab ich auch wieder Lust.“ Am Ende stand auch für sie der neue Meetingrekord beim Herbstlauf. Mit ihrer Zeit von 1:16, 22 hatte Jansen fast vier Minuten Vorsprung vor Emebet Yihunc. Im illustren Frauenfeld kam Alicia Koßmann nach 1:23:29 Stunden als Dritte ins Ziel. Nachdem die Leutershausenerin bereits mit der Maximalpunktzahl von 3000 Punkten durch Siege beim Mathaisemarktlauf sowie den Altstadtläufen in Hemsbach und Weinheim vorzeitig den Bergstraßen-Cup der Weinheimer Nachrichten gewonnen hatte, entschied sie sich statt der zehn Kilometer nun für die lange Strecke.
Zurück nach Mittelfußbruch
Das machte den Weg bei den Frauen frei für Annika Leineweber vom engelhorn sports Team der MTG Mannheim. Unter den Augen ihres Trainers Christian Stang lieferte sich die Viernheimerin ein Rennen mit Leonie Gieser, der zweite Topläuferin des LCO Lorsch, und setzte sich am Ende mit 36:23 Minuten durch. „Nach meinem Mittelfußbruch war ich lange raus, komme jetzt wieder langsam zurück. Schade, dass bei den Frauen kein Führungsrad mitgefahren ist, sonst hätte ich vielleicht noch ein bisschen schneller sein können“, zeigte sich Leineweber aber sehr zufrieden. „Das ist ein toller Lauf hier mit einer hervorragenden Atmosphäre.“
Das fanden nicht nur die Spitzenathleten. Auch die Hobbystarter, die die Mehrheit der über 500 Zieleinläufer und 600 Vorangemeldeten stellten, lockt die Laufveranstaltung traditionell nach Weinheim. Torsten Dämgen beispielsweise betreute die Läufer der Viernheimer Thai Bombs, die eigens ein Lauf-Shirt mit #Run the Waidsee trugen. „Das war noch mal eine super Vorbereitung auf die Deutsche Meisterschaft nächstes Wochenende in Ulm“, sagt der Mann, der seine Sportler im Normalfall mit Intervall-Läufen „quält“. Darum gab es nach dem Lauf für alle noch einmal 80,90 Liegestütze on top.
Davon weit entfernt waren Caroline Schmitz, Helga Jakob und Anke Fritsche, die als „Laufteam Bergstraße“ einfach nur Spaß haben wollen. Der Freundeskreis aus Bensheim und Ladenburg mag die kurzen Wege, die entspannte Stimmung. „Und dass hier einfach jeder mitlaufen kann, ganz ohne Druck.“
Das Gemeinschaftsgefühl lebten auch die Staffeln, die sich 15 Kilometer zu dritt aufteilten. Neu dabei und gleich ganz vorn: der Lauftreff #runwoinem. „Wir treffen uns am Waidsee, laufen unter Freunden. Aber jeder ist willkommen“, sagt Max Wöhlke, der neben dem Staffelstart auch noch als Einzelläufer über fünf Kilometer Dritter hinter Lukasz Köhler wurde, der den Zielsprint gegen Arne Bausewein vom TV Fürth verlor. Triathlet Bausewein war mit seiner Premiere ufrieden. „Nur ein paar Streckenposten hätten es mehr sein dürfen.“ Wer einmal in Weinheim dabei war, kommt wieder. Beim nächsten Mal kennt er den Weg. Oder er fragt Frauen-Siegerin Kim-Celine Kahl. Die ist Lokalmatadorin der Woinemer Runners.
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