Foto: Philipp Reimer
Weinheim

Welche Weinheimer Sehenswürdigkeit man besucht haben muss

Die Zweiburgenstadt hat vielleicht nicht viele Einwohner, dafür aber umso mehr historische Sehenswürdigkeiten. Eine kleine Stadtführung durch Weinheim - exklusiv von WNOZ.

Zwei Burgen, ein Schloss, die Altstadt - vor der idyllischen Kulisse des Odenwalds hat Weinheim das ein oder andere schöne Wahrzeichen zu bieten. Als Orientierung für Touristen (und damit man als Einheimischer nicht den Überblick verliert) hat die WNOZ die eindrucksvollsten Sehenswürdigkeiten zusammengestellt.

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Die Weinheimer Burgruine Windeck

Die Geschichte der Burgruine Windeck, die noch heute behutsam über Weinheim zu wachen scheint, geht weit zurück - rund 900 Jahre, bis in das Jahr 1100. Zur Einordnung: Vor 900 Jahren lag die Weltbevölkerung Schätzungen zufolge bei gerade einmal 250 bis 350 Millionen Menschen, die Normannen hatten gerade weite Teile Englands erobert und Papst Urban II hatte gerade erst zum ersten Kreuzzug aufgerufen. Zu dieser Zeit ereignete es sich auch, dass das Kloster Lorsch seine Besitztümer in und um Weinheim schützen wollte und aus diesem Grund die Burg (damals natürlich noch ohne das Suffix "-ruine") Windeck errichtete. Die ersten Beschädigungen erlitt die Burg während des Dreißigjährigen Krieges (1618 bis 1648). Zu einer waschechten Ruine wurde das Gemäuer 1674, als es von französischen Truppen während des französisch-niederländischen Krieges "geschliffen" wurde. Das Schleifen einer Burg bezeichnet lediglich den Abriss der Befestigungsanlagen.

Bei Nacht wird die Burgruine Windeck erleuchtet. Foto: Philipp Reimer
Bei Nacht wird die Burgruine Windeck erleuchtet.

Wer sich in diesem Zuge fragt, was Weinheim mit einem französisch-niederländischen Krieg am Hut hat, stellt eine berechtigte Frage. Zwar waren Frankreich unter dem "Sonnenkönig" Louis XIV und die Vereinigten Niederlande die Protagonisten in diesem Krieg, doch durch die Bündnislage der Kriegsparteien fanden auch in Sinsheim und Ladenburg kriegerische Auseinandersetzungen statt. Durch das Schleifen der Burg war sie als Verteidigungsanlage unbrauchbar und diente den Weinheimer Bürgern nur noch als Steinbruch, um zerstörte Häuser wiederaufzubauen. Der Verfall der Ruine wurde erst 1900 mit dem Verkauf an Graf Sigismund von Berckheim gestoppt. Unter ihm wurde die Burg teilweise sogar wieder aufgebaut. Seit 1978 ist die Burgruine im Besitz der Stadt.

An klaren Tagen reicht der Blick von der Windeck bis nach Mannheim. Foto: Philipp Reimer
An klaren Tagen reicht der Blick von der Windeck bis nach Mannheim.

Heute kann man im Biergarten, der inmitten des Burghofes liegt, bei gutem Wetter den tollen Ausblick über Weinheim genießen. Während von April bis September (bei gutem Wetter auch Oktober) der Biergarten von Mittwoch bis Freitag (11 bis 17 Uhr) vom Burgkiosk bewirtschaftet wird, werden sonntags im Biergarten auch kleine Speisen serviert, heißt es auf der Webseite. Während der genannten Öffnungszeiten kann die Burganlage jederzeit besucht werden. Auch der Burgturm kann gegen eine Gebühr von 50 Cent (Kinder 20 Cent) besichtigt werden.

Der Burgturm der Windeck. Für kleines Geld kann man den historischen Turm besichtigen. Foto: Ann-Kathrin Thaden
Der Burgturm der Windeck. Für kleines Geld kann man den historischen Turm besichtigen.

Die Weinheimer Wachenburg

Auch in Sachen Wachenburg entkommen wir nicht den Wirren eines Krieges, denn die Entstehung der Burg ist eng mit dem Deutsch-Französischen Krieg (1870 bis 1871) verknüpft. Tatsächlich ist die Wachenburg noch nicht einmal 100 Jahre alt, denn der Bau wurde erst 1928 fertiggestellt und dauerte insgesamt 21 Jahre.

Die Wachenburg steht in der Nähe des Schlotrands eines erloschenen Vulkans. Foto: Anja Treiber
Die Wachenburg steht in der Nähe des Schlotrands eines erloschenen Vulkans.

Die Burg ist im Grunde ein Korporationshaus, erbaut vom "Weinheimer Senioren Convent" (WSC), einem Verband studentischer Corps. Der ursprüngliche Gedanke des WSC: Ein Denkmal für die im Krieg gefallenen Mitglieder des Korporationsverbandes zu errichten. Durch den Verkauf der Windeck an Graf Sigismund von Berckheim, fiel der anfängliche Plan flach, auf das Denkmal der Burgruine zu erbauen. Da zu dieser Zeit auf dem benachbarten Wachenberg ohnehin ein Aussichtsturm entstehen sollte, durfte der WSC kurzerhand dort das Denkmal für die gefallenen Mitglieder errichten - und es entstand die Wachenburg.

Hoch oben auf dem Wachenberg steht die Burg über dem Herbstnebel. Foto: Marco Schilling
Hoch oben auf dem Wachenberg steht die Burg über dem Herbstnebel.

Theoretisch wurde die Wachenburg übrigens mit der Vollendung des Palas (Saalbau) 1913 fertiggestellt, 1928 folgte lediglich die Elektrifizierung der Gebäude. Durch den Bau der Wachenburg bekam Weinheim den Beinamen "Zweiburgenstadt".

Die zwei Burgen, die Weinheim den Beinamen bescheren: unten die Burgruine Windeck und weiter oben die Wachenburg. Foto: Marco Schilling
Die zwei Burgen, die Weinheim den Beinamen bescheren: unten die Burgruine Windeck und weiter oben die Wachenburg.

Mit dem Restaurant "Kaiser und Flick" ist seit 2021 auch kulinarisch ein Spitzenangebot in der Burgschenke entstanden. Hier kann man sowohl den wunderbaren Ausblick, als auch die raffinierten Kreationen der Küche genießen. Die Wachenburg ist für Besichtigungen von Montag bis Samstag ab neun Uhr geöffnet. Das Restaurant ist von Montag bis Mittwoch geschlossen. Donnerstag und Freitag ist ab 16 Uhr geöffnet. Samstags ab elf Uhr und sonntags zwischen elf und 16 Uhr.

Übrigens: Zwischen 1987 und 1994 gab es im Verlag DiesbachMedien (zu dem auch WNOZ gehört) auch einen Radio-Sender, der aus den Räumlichkeiten in der Friedrichstraße gesendet wurde. Der Burgturm diente als Station für die Antenne des Radiosenders, der mehrere Namen hatte, darunter auch "Radio Wachenburg" und "Oldie-Sender Rhein-Neckar". Geschäftsführer Nicolas Diesbach geht davon aus, dass die Antenne bis heute dort steht.

Das Weinheimer Schloss

Weinheim hat nicht nur zwei sehenswerte Burgen, sondern auch ein Schloss, das rein architektonisch die beiden Befestigungen in den Schatten stellt. Angrenzend an den Marktplatz kann man das beeindruckende Gebäude finden. Die Anfänge des Schlosses gehen auf die beiden Wittelsbacher Pfalzgrafen und Kurfürsten Ruprecht III. und Ludwig III. zurück, die 1403 und 1423 aneinandergrenzende, aber dennoch getrennte, Anwesen und Höfe in Weinheim kauften, um diese gelegentlich als Herberge zu nutzen. Auf diese Zeit geht auch die Durchfahrt des Obertorturms zurück, die somit zum ältesten Baubestand des Schlosses zählt.

Auch der angrenzende Schlosspark ist ein Highlight. Foto: Philipp Reimer
Auch der angrenzende Schlosspark ist ein Highlight.

Wenn man genau hinsieht, bemerkt man sofort, dass das Schloss nicht "aus einem Guss" ist, sondern ein Potpurri aus verschiedenen Epochen. So wurde beispielsweise der Nordwestflügel 1537 im Renaissancestil errichtet. Der barocke Südflügel hingegen wurde 1725 erbaut und 1780 klassizistisch umgebaut. Der auffällige 39 Meter hohe Schlossturm wurde 1868 im Stil der Neugotik gebaut. Ein wilder Stilmix, der viel Charme versprüht und das Weinheimer Schloss zu einem waschechten Unikat macht.

Der neugotische Schlossturm ragt 39 Meter in die Höhe und wurde dem "Blauen Turm" in Wimpfen (Kraichgau) nachempfunden. Foto: Marco Schilling
Der neugotische Schlossturm ragt 39 Meter in die Höhe und wurde dem "Blauen Turm" in Wimpfen (Kraichgau) nachempfunden.

In seiner Form als Adelsresidenz beherbergte das Weinheimer Schloss auch viele namhafte Gäste, allen voran Jane Digby (1807 bis 1881), die zwischen 1833 und 1839 in Weinheim residierte. Ihr bewegtes Leben führte sie 1833 nach Weinheim - als Ehefrau des damals ansässigen Karl Theodor von Vennigen-Ullner. Ihr Aufenthalt an der Bergstraße endete abrupt: Während ihrer Zeit in Weinheim lernte sie den griechischen Grafen Spyridon Theotoki kennen, mit dem sie 1839 fluchtartig das Schloss verließ. Janes weiterer Weg führte sie über Griechenland nach England bis in den Nahen Osten nach Syrien, wo sie 1881 als Frau eines Beduinen-Scheichs der Cholera erlag.

Aber was tun, wenn das Schloss als Fotomotiv ausgedient hat? Ein paar Möglichkeiten gibt es da schon. Beispielsweise kann man bei "Mio - Kiosk und Minigolf" um die Ecke den Ausflug zum Schloss bei einer Runde auf den 18 Bahnen ausklingen lassen. Wer sein "Handicap" aber nicht aufbessern möchte, beziehungsweise den "Driver" aus Versehen zu Hause vergessen hat, kann am dortigen Kiosk eine Besonderheit erfahren, die man von Minigolfanlagen normalerweise nicht gewohnt ist: selbstgemachte Köstlichkeiten aus der Küche, Kaffee und Kuchen, oder leckere Drinks. Geöffnet haben Kiosk und Minigolfanlage dienstags und mittwochs von 11 bis 20 Uhr, donnerstags und freitags von 11 bis 22 Uhr und am Wochenende von 10 bis 22 Uhr. Montags ist Ruhetag.

Und wem das noch nicht genug ist, der wird sicher ein paar Schritte weiter, bei dem nächsten Halt unserer Weinheimer Sehenswürdigkeiten-Tour fündig - im Schlosspark.

Der Weinheimer Schlosspark

Zugegeben, im Grunde gehört der Schlosspark natürlich zum Weinheimer Schloss. Doch der großzügige Garten, der sich hinter dem Schloss erstreckt, ist als Sehenswürdigkeit ein Alleinstellungsmerkmal. Gepflegte Grünflächen, riesige Rhododendren- und Eibenbüsche sowie Blumen und Pflanzen, die eigentlich im Mittelmeerraum beheimatet sind, laden zu einem ausgiebigen Spaziergang ein. Auf einer Runde durch den Park, der im Stil eines englischen Gartens angelegt wurde, fallen weitere Glanzstücke auf: Deutschlands größte Libanonzeder (umstritten ist, ob sie auch die älteste ist), das Mausoleum der Familie von Berckheim und im Nordosten den Heilkräutergarten.

Durch die exotischen Pflanzen und Blumen verwandelt sich der Weinheimer Schlosspark Jahr für Jahr in ein Farbenmeer - umrahmt von sattem Grün. Foto: Thorsten Gutschalk
Durch die exotischen Pflanzen und Blumen verwandelt sich der Weinheimer Schlosspark Jahr für Jahr in ein Farbenmeer - umrahmt von sattem Grün.

In dieser Ecke befindet sich auch die wunderschöne Teichanlage, von der aus man eine tolle Aussicht auf den "Blauen Hut", einem Befestigungsturm der ehemaligen Stadtmauer, hat. Heute muss man lange (und letztendlich vergebens) nach dem namensgebenden Farbton suchen. Einst verdankte der Turm seinen Namen aber der Farbe des Schieferdaches. Als der Turm noch einen blauen Hut hatte, diente er in früheren Zeiten als Gefängnis mit acht Meter tiefen Verlies.

Der "Blaue Hut" gilt als ältester Teil der Stadtbefestigung. Vom einstigen Blau ist heute nichts mehr zu sehen. Foto: Kathrin Oeldorf
Der "Blaue Hut" gilt als ältester Teil der Stadtbefestigung. Vom einstigen Blau ist heute nichts mehr zu sehen.

Der Schlosspark ist ganzjährig täglich geöffnet. Übrigens ist der Park nicht nur bei gutem Wetter ein echter Hingucker. Unser Video zeigt Eindrücke aus dem Winter:

Der Weinheimer Marktplatz

Gehen wir nun weiter zum Marktplatz und bleiben also weiterhin in der Nähe des Weinheimer Schlosses. Eine fast mediterrane Piazza - oder der "nördlichste Marktplatz Italiens". Nur wo soll man hier anfangen? Geradezu malerisch erstreckt sich der gepflasterte Platz, leicht abschüssig, im Herzen Weinheims. Eingerahmt von alten Fachwerkhäusern, mit Blick auf die beiden Weinheimer Burgen, kann man hier Gerichte aus aller Herren Länder oder einfach nur einen Kaffee oder ein Eis genießen - und dabei glatt vergessen, dass die Zeit auch hier nicht stehen geblieben ist.

Eingerahmt von Fachwerkhäusern bietet der Weinheimer Marktplatz eine geradezu malerische Kulisse. Foto: Philipp Reimer
Eingerahmt von Fachwerkhäusern bietet der Weinheimer Marktplatz eine geradezu malerische Kulisse.

Nicht nur kulinarisch kommt man auf dem Marktplatz auf seine Kosten, auch Freunde feinster Architektur können sich hier an Prachtbauten sattsehen. Heraussticht in dieser Kategorie die katholische St. Laurentiuskirche. Das zwischen 1911 und 1913 errichtete Gebäude bildet den Kopf des Marktplatzes. Obwohl die Kirche mit über 100 Jahren noch recht jung ist, finden sich im Inneren zahlreiche Grabdenkmäler aus dem 13. bis 18. Jahrhundert. Diese stammen aus der Vorgängerkirche, die bereits 1293 erbaut worden war.

Die St. Laurentiuskirche erfuhr 1964 eine umfängliche Renovierung. Bis 1994 wurden viele der Veränderungen wieder zurückgebaut, sodass sie jetzt wieder originalgetreu dasteht. Foto: Thorsten Gutschalk
Die St. Laurentiuskirche erfuhr 1964 eine umfängliche Renovierung. Bis 1994 wurden viele der Veränderungen wieder zurückgebaut, sodass sie jetzt wieder originalgetreu dasteht.

Gegenüber, also am östlichen Ende des Marktplatzes befindet sich die "Ulner Kapelle", das einstige Hospital Weinheims. Versteckt (beziehungsweise überbaut) hinter einem Wohnhaus, liegt der Haupteingang der um 1350 erbauten Kapelle. Seit 2012 ist sie in Privatbesitz und seitdem Veranstaltungszentrum.

Der Exotenwald

Lieber Natur als Marktplatz? Auch das ist kein Problem. Denn in direkter Nähe zum Schlosspark gibt es exotische Gewächse zu bestaunen. Mammutbäume aus Amerika, japanische Magnolien oder die nordafrikanische Atlas-Zeder: all das kann man im Weinheimer Exotenwald sehen. Aber wie kommen diese Bäume an die Bergstraße? Die Geschichte des Exotenwaldes führt uns zurück ins 19. Jahrhundert - und mal wieder zur Familie von Berckheim. Damals war es unter Adligen Usus, die Ziergärten mit Gewächsen ferner Länder zu schmücken - je exotischer, desto besser. In diesem Zuge kaufte der damilge Schlossherr von Weinheim, Christian von Berckheim, 1872 eine großzügige Fläche, auf der er den heutigen Exotenwald begründete. Dort ließ er bis 1883 über 12.000 exotische Bäume pflanzen. Von den ursprünglich 150 Baumarten aus aller Welt, sind heute "nur noch" 50 erhalten.

Amerikanische Mammutbäume an der Bergstraße? Ja, im Weinheimer Exotenwald kann man die grünen Riesen bestaunen. Foto: Simon Hofmann
Amerikanische Mammutbäume an der Bergstraße? Ja, im Weinheimer Exotenwald kann man die grünen Riesen bestaunen.

Heute erstreckt sich der Exotenwald über eine Fläche von rund 60 Hektar. Der Exotenwald ist rund um die Uhr geöffnet. Von März bis November bietet die Stadt Weinheim einmal im Monat eine kostenlose Führung durch den Exotenwald an. Für alle Interessierten gibt es auch eine digitale Schnitzeljagd, auf der alle aufkommenden Fragen während dem Besuch beantwortet werden. Alles, was man dafür braucht, ist ein Smartphone mit Internetzugang.

Woher kommt der Ginko-Baum? Auf der Schnitzeljagd durch den Exotenwald wird das und noch mehr beantwortet. Foto: Katrin Oeldorf
Woher kommt der Ginko-Baum? Auf der Schnitzeljagd durch den Exotenwald wird das und noch mehr beantwortet.

Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof

Das Schmuckstück der Stadt Weinheim ist (zumindest für Pflanzenliebhaber) zweifelsohne der Hermannshof. Finden übrigens nicht nur die Weinheimer, denn das Reportagemagazin "GEO" zählt den Hermannshof zu den zwölf schönsten Gärten der Welt. Anders als der Exotenwald geht die Gründung des Schau- und Sichtungsgarten nicht auf einen Adligen zurück, sondern auf die Unternehmerfamilie Freudenberg. Einst war der Garten samt Haus nämlich im Privatbesitz der Freudenbergs, ehe die Gartenanlage seit 1983 kostenlos für Besucher zugänglich wurde. Der Hermannshof ist täglich von 10 bis 19 Uhr geöffnet.

Einer der zwölf schönsten Gärten der Welt: Der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof. Foto: Sven Sasse-Rösch
Einer der zwölf schönsten Gärten der Welt: Der Schau- und Sichtungsgarten Hermannshof.

Weinheims "Alter Friedhof"

Zugegeben, Friedhöfe sind nicht unbedingt das Erste, was einem unter dem Begriff Sehenswürdigkeit einfällt. Grabstätten wie die Pyramiden von Gizeh oder der Invalidendom in Paris wohl eher. Doch der Alte Friedhof oberhalb der Peterskirche ist durchaus einen Besuch wert, denn die älteste Grabstätte Weinheims punktet nicht nur als Grünanlage, sondern kann auch auf eine lange Geschichte zurückblicken. Rund 1.000 Jahre lang wurden hier Christen beider Konfessionen begraben, ehe der Friedhof 1893 geschlossen wurde. Zwei Führungen im Jahr gibt es (2024: am 20. Juni und am 17. Oktober) auf dem die Geschichte auf einer rund einstündigen Führung näher erläutert wird. Heute ist der Alte Friedhof eine Grünanlage und dient Tieren wie dem Siebenschläfer oder dem Dachs als Rückzugsort. Rund 100 historische Gräber sind ebenfalls noch erhalten.

Hinter der Peterskirche liegt der "Alte Friedhof". Hier wurden rund 1.000 Jahre lang Christen beider Konfessionen begraben. Foto: Thorsten Gutschalk
Hinter der Peterskirche liegt der "Alte Friedhof". Hier wurden rund 1.000 Jahre lang Christen beider Konfessionen begraben.

Das "Sechs-Mühlen-Tal"

Entlang der Weschnitz liegen sie verstreut, Relikte aus einer längst vergangenen Zeit. Die Rede ist von den sechs historischen Mühlen, die zwischen Weinheim und Birkenau liegen. Heutzutage werden Mühlen selbstverständlich immer noch benötigt - mit denen im "Sechs-Mühlen-Tal" haben die modernen aber nur noch wenig zu tun. So kann man sich auf dem rund 1,5 Kilometer langen Weg auf eine kleine Zeitreise begeben, bis zurück in das Jahr 1071, als im Lorscher Kodex die Hildebrand'sche Mühle (damals noch nicht unter diesem Namen) erwähnt wurde. Auch die anderen Mühlen können auf eine lange Geschichte zurückblicken: etwa die Carlenbach-Mühle, die 1461 erstmals erwähnt wurde oder die Obere Fuchs'sche Mühle, die 1563 erstmals urkundlich erwähnt wurde.

Die erste Erwähnung einer Mühle in Weinheim geht zurück bis auf das Jahr 1071, die im Lorscher Kodex erwähnt wurde. Heute sind sie stille Zeugen der Industriegeschichte der Region. Unser Foto zeigt die Untere Hildebrand'sche Mühle. Foto: Simon Hofmann
Die erste Erwähnung einer Mühle in Weinheim geht zurück bis auf das Jahr 1071, die im Lorscher Kodex erwähnt wurde. Heute sind sie stille Zeugen der Industriegeschichte der Region. Unser Foto zeigt die Untere Hildebrand'sche Mühle.

Heute sind die Mühlen nicht mehr in Betrieb, dennoch üben sie (besonders auf Geschichtsfans) als Symbole der Weinheimer und Birkenauer Industriegeschichte eine besondere Faszination aus. Besonders durch den dichten Bewuchs alter Bäume entsteht hier eine romantische Kulisse, in der man sich glatt in der Zeit zurückversetzt fühlt. Trotz aller Romantik sollte man nicht vergessen: Auf dem Wanderweg müssen etwa 27 Höhenmeter überwunden werden.