Hetze im Internet

Antisemitischer Hass gegen Bildungsstätte nach TikTok-Video

Ein TikTok-Video der Bildungsstätte Anne Frank soll über antisemitische Begriffe in der Fitness- und Ernährungsszene aufklären. Die Reaktionen fallen extrem aus.

Die Bildungsstätte erhielt als Reaktion auf ein Aufklärungsvideo Beleidigungen und Hass. (Symbolbild) Foto: Fabian Sommer/dpa
Die Bildungsstätte erhielt als Reaktion auf ein Aufklärungsvideo Beleidigungen und Hass. (Symbolbild)

Frankfurt am Main (dpa) - Die Bildungsstätte Anne Frank hat nach eigenen Angaben eine Vielzahl von sexistischen und antisemitischen Beschimpfungen als Reaktion auf einen TikTok-Beitrag bekommen. Darin habe eine Presenterin über antisemitische Begriffe in der digitalen Fitness- und Ernährungsszene aufgeklärt, teilte die Bildungsstätte in Frankfurt mit.

Die Folge sei eine Flut von Beschimpfungen und Beleidigungen gewesen, auch weil reichweitenstarke Fitness- und Ernährungs-Influencer auf das Video reagiert hätten. «Dieses Ausmaß an offenem Antisemitismus und die menschenverachtende Hetze gegen unsere junge Kollegin – das hat selbst uns überrascht und zutiefst verstört», sagte die Direktorin der Bildungsstätte Anne Frank, Deborah Schnabel. «In dieser Menge und Härte haben wir das noch nicht erlebt.»

Antisemitischer Begriff «Goyslop»

Konkret sei es in dem Aufklärungsvideo um den antisemitischen und von Rechtsextremen stammende Begriff «Goyslop» gegangen, der sich aus dem jiddischen Wort «Goy» (übersetzt mit Nichtjude) und dem englischen «Slop» (übersetzt mit Fraß) zusammensetze. Dahinter stecke die Behauptung, dass jüdische Akteure absichtlich minderwertige Nahrung produzierten, um nichtjüdische Menschen krankzumachen und gefügig zu halten.

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«Dabei handelt es sich um eine moderne Variante der Brunnenvergifter-Erzählung, übertragen auf das Supermarktzeitalter», sagte Schnabel. Sie kritisierte, dass Social-Media-Plattformen nicht Antisemitismus in Memes und Bildern herausfilterten.

Die 1994 gegründete Bildungsstätte Anne Frank ist bundesweit aktiv, die Einrichtung hat ihren Sitz in Frankfurt. Sie will Kinder, Jugendliche und Erwachsene für Antisemitismus, Rassismus und andere Formen der Menschenfeindlichkeit sensibilisieren und setzt sich für Demokratiebildung ein.