Bauliche Überraschungen – Landtags-Sanierung ohne Enddatum
Bombenschäden, Geheimtreppe und Latrinenreste: Warum die Renovierung des hessischen Landtags eine Herausforderung bleibt, zeitlich und finanziell.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Niemand weiß, wann der hessische Landtag fertig saniert ist. Frühere Bauschäden, Corona-Krise, Handwerkermangel, Lohn- und Baustoffsteigerungen, gesundheitliche Risiken, bauliche Überraschungsfunde - für Verzögerungen und Verteuerungen im Herzen von Wiesbaden gibt es viele Gründe. Somit könne «derzeit auch noch kein konkreter Zeitpunkt für den Abschluss der Sanierungs- und Restaurierungsarbeiten mitgeteilt werden», teilte Landtagssprecher Benjamin Holler der Deutschen Presse-Agentur mit.
Das Parlament befindet sich im denkmalgeschützten einstigen Stadtschloss der Nassauer Herzöge, ergänzt von mehreren modernen Gebäuden. Bereits seit fast acht Jahren läuft die Sanierung im klassizistischen Schloss parallel zum Parlamentsbetrieb. Die beiden Oppositionsfraktionen der AfD und FDP sowie die drei fraktionslosen Abgeordneten sind in andere Gebäude ausgelagert.
«Im Frühjahr 2017 sahen die Planungen für den ersten Bauabschnitt, also die Sanierung des zweiten Obergeschosses und des Dachgeschosses im Stadtschloss sowie für die Brandschutzsanierung im gesamten historischen Gebäude, eine Fertigstellung bis zum Ende des Jahres 2020 vor», teilte Holler mit. Dafür wurde mit voraussichtlich 18 Millionen Euro gerechnet. Bis Anfang 2025 kletterten die Schätzungen auf mindestens 45 Millionen Euro.
Beschädigungen durch Bombeneinschlag
Während des Zweiten Weltkrieges hatte eine Bombe den Ostflügel des Stadtschlosses beschädigt. Unzureichende Reparaturen verursachten in Dachstuhl und Wänden zunächst unbemerkte Undichtigkeiten. Feuchtigkeit drang ein, es gab einen Befall mit Hausschwamm, eine eigene Dachsanierung wurde nötig.
2025 stellten Experten auch noch einen erhöhten Bleigehalt im Hausstaub fest, woraufhin die Renovierung des Parlaments für neun Monate unterbrochen werden musste, wie der Landtag weiter erläuterte. Mit zusätzlichen Sicherheitsauflagen und Kostensteigerungen laufen die Arbeiten nun wieder weiter. Gerade ist der Westflügel teils eingerüstet worden.
Die historische Bausubstanz in der Wiesbadener Innenstadt an einem Ort, an dem noch früher schon andere Gebäude gestanden hatten, sorgt immer wieder für Überraschungen mit zeitlichen und finanziellen Folgen.
Geheimtreppe für Herzogspaar
«Dazu gehörte ein unter dem Kellerboden befindliches, noch heute intaktes Drainagesystem, ein unter der Außenwand zum Nachbarn befindlicher Brunnen, Spuren einer früheren geheimen Treppe zwischen den Appartements des Herzogs und der Herzogin und nicht zuletzt Fragmente gemauerter Latrinenbauwerke im Innenhof», teilte Landtagssprecher Holler mit.
Bei der Errichtung des herzoglichen Stadtschlosses um 1840 waren zudem Hölzer verbaut worden, «die vor dem Einbau nicht ausreichend getrocknet worden waren, was Folgeschäden Vorschub leistete», hieß es weiter.
Als bauliche Zeitdokumente will der Landtag zwei Telefonzellen aus den Sechziger Jahren erhalten. Der frühere Flaggen-Bügelraum ist laut Holler «künftig als Aktenverwahrraum zum Beispiel für Untersuchungsausschüsse vorgesehen».