Sexualisierte Gewalt im Netz

Deepfakes - Stabstelle plädiert für Blick auf Betroffene

Die Debatte um KI-manipulierte sexualisierte Bilder im Netz dreht sich oft um Täter. Was empfiehlt eine Koordinierungsstelle hessischer Fachberatungen für Betroffene, Polizistinnen und Richter?

Mit sexualisierter digitaler Gewalt hat auch die hessische Polizei verstärkt zu tun. (Symbolbild) Foto: Arne Dedert/dpa
Mit sexualisierter digitaler Gewalt hat auch die hessische Polizei verstärkt zu tun. (Symbolbild)

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - In der Debatte über sexualisierte digitale Gewalt plädiert eine Koordinierungsstelle hessischer Fachberatungen für einen verstärkten Fokus auf die Betroffenen und auf die Ursachen für die Zunahme sexualisierter Videos im Internet. «Es ist gut, dass gerade bundesweit viel über diese sexualisierten Deepfakes gesprochen wird», sagte Vera Geißler, Leiterin der Landeskoordinierungsstelle der Fachberatung (LKSF) Hessen gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend, der Deutschen Presse-Agentur. «Allerdings muss nicht nur die Schließung von Lücken im Strafgesetzbuch, sondern auch die Verbesserung der Hilfsangebote für Betroffene in den Blick genommen werden.»

Nach dem Willen der Bundesregierung sollen Deepfakes künftig bestraft werden. Gemeint sind die unerlaubte Herstellung und Verbreitung von Nacktbildern und KI-manipuliertem Material - meist zum Schaden von Frauen und Kindern. Vermutlich entscheidet der Bundestag im Herbst über einen entsprechenden Gesetzentwurf. «In der Debatte wird viel über die Täter gesprochen. Die Perspektive der Betroffenen fehlt noch zu oft», kritisierte Geißler. 

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«Technisch kann das heute fast jeder machen»

Die Zahl der Deepfakes steige so sehr, «weil es mit KI viel leichter geworden ist, manipulierte sexualisierte Bilder und Videos im Internet herzustellen. Dafür muss ich nicht mehr ins Darknet gehen», erklärte die Leiterin der LKSF in Frankfurt. «Technisch kann das heute fast jeder machen.»

Zu jüngsten Ankündigungen des Innen- und des Justizministeriums in Hessen, die Kompetenzen der Sicherheitsbehörden bei sexualisierten Deepfakes und dem Schutz von Betroffenen zu verbessern, sagte Geißler: «Wir begrüßen grundsätzlich entsprechende Schulungen für Polizei und Justiz.» 

KI-Manipulationen gibt es zunehmend auch bei sexualisierten Darstellungen von Frauen im Internet. (Symbolbild) Foto: Marcus Brandt/dpa
KI-Manipulationen gibt es zunehmend auch bei sexualisierten Darstellungen von Frauen im Internet. (Symbolbild)

Zugleich riet sie jedoch Polizisten, Staatsanwältinnen, Richtern und auch Medien, eine stärker «betroffenen-sensible Sprache zu verwenden». Tipps hierfür und für «weniger stigmatisierende Symbolfotos von sexueller Gewalt» finden sich nach Geißlers Worten auf der Internetseite der Unabhängigen Bundesbeauftragten gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen, Kerstin Claus. 

«Ein altes weit verbreitetes Problem in neuer Form»

«Sexualisierte Deepfakes sind ein altes weit verbreitetes Problem in neuer Form», ergänzte Geißler. «Es gibt Untersuchungen, wonach statistisch in jeder Schulklasse ein bis drei Schülerinnen oder Schüler sitzen, die von sexueller Gewalt schon betroffen waren, auch im Internet.»

Träger der von Geißler geleiteten Landeskoordinierungsstelle der Fachberatung gegen sexualisierte Gewalt in Kindheit und Jugend ist der Paritätische Wohlfahrtsverband Hessen. Nach ihren Angaben wird die Stelle vom hessischen Familienministerium finanziert.