Landgericht Frankfurt

«Gemein, alte Leute so zu betrügen»: Urteil nach Schockanruf

Anrufe von angeblichen Polizisten, eine weinende Tochter und ein abgehörtes Telefon: Wie die Betrüger alte Menschen in Angst versetzen und was jetzt ein Gericht dazu sagt.

Betrüger versetzen ältere Menschen mit Schockanrufen in Angst. (Symbolbild) Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Betrüger versetzen ältere Menschen mit Schockanrufen in Angst. (Symbolbild)

Frankfurt/Offenbach (dpa/lhe) - Das Telefon klingelte - und für die Angerufenen begann ein Alptraum. «Das hat mich umgeworfen, mir gingen die Haare hoch, es hat meinen Verstand ausgesetzt», beschrieb ein 87 Jahre alter Offenbacher Anfang Juli als Zeuge in einem Prozess am Frankfurter Landgericht seinen Zustand nach dem Anruf eines falschen Polizisten. 

Dieser teilte ihm mit, seine Tochter habe im Ausland einen Verkehrsunfall verursacht, bei dem eine Schwangere getötet worden sei. Ohne Zahlung einer Kaution käme sie in Haft. Der Rentner zweifelte keine Sekunde an der Richtigkeit dieser Aussage, zumal sich seine Tochter zu der Zeit tatsächlich in Spanien befand. Erst einen Tag später entdeckten er und seine Frau, dass sie Opfer einer international agierenden Betrügerbande geworden waren. 

Richter: niederträchtige, besonders verwerfliche Taten

Drei Mitglieder dieser Bande wurden nun in dem Prozess am Landgericht zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt. Eine 25-jährige Frau und zwei 20-jährige Männer waren vor allem für die Abholung der Beute zuständig gewesen. Verurteilt wurden sie wegen insgesamt drei Taten, darunter auch ein Fall in Frankfurt mit einer 88-jährigen Frau als Betroffener. Die drei waren größtenteils geständig.

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Es handele sich um niederträchtige, besonders verwerfliche Taten, sagte der Vorsitzende Richter in seiner Urteilsbegründung. Die Täter hätten sich bewusst verletzliche Personen ausgesucht und diese in einen Schockzustand versetzt. Die Strafkammer verurteilte die Frau und einen der 20-Jährigen wegen gewerbsmäßigen Bandenbetrugs zu einer Haftstrafe von jeweils sechs Jahren. Der andere Mann soll unter anderem wegen Beihilfe viereinhalb Jahre ins Gefängnis. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. 

«Wir hatten Angst, dass jemand kommt und uns überfällt» 

«Es ist gemein, alte Leute so zu betrügen», hatte während der Beweisaufnahme die Frau des 87-jährigen Offenbachers direkt zu den Angeklagten gesagt. Auch sie hatte an dem Tattag, dem 4. August 2025, immer wieder mit Mitgliedern der Bande telefoniert und war zunehmend unter Druck gesetzt worden. Der Mann der Toten sei ein bekannter Polizist, daher werde das Telefon des Paares nun abgehört, hieß es etwa. «Sie kannten auch unsere Adresse», berichtete die Ehefrau: «Wir hatten Angst, dass jemand kommt und uns überfällt.» Zudem telefonierten sie mit einer weinenden Frau - angeblich ihre Tochter im spanischen Gefängnis. 

Noch am selben Tag übergab die Rentnerin einem der 20-jährigen Männer auf der Straße 50 wertvolle Sammlermünzen im Wert von 175.000 Euro, die das Paar über Jahrzehnte angespart und eigentlich den Enkeln hatte vererben wollen. Vier Stunden übergab sie nach eigenen Angaben weitere 50 Münzen an einen bislang unbekannten Täter. 

Betrüger verplappert sich

Die Betrüger wollten aber noch mehr und setzten das Paar weiter am Telefon unter Druck. Doch dann verplapperte sich einer von ihnen: Er sprach von einem Gefängnis in Italien, obwohl es laut ihrer Legende Spanien hätte sein müssen. Nun dämmerte es dem Ehepaar, dass es betrogen worden war - und es fuhr am nächsten Morgen zur echten Polizei. «Ich bin so wütend, am meisten über meine eigene Dummheit», so der 87-Jährige im Gericht und fügte hinzu: «Aber das Wichtigste ist, dass alles nur eine Lüge war und es meiner Tochter gut geht.»