Immer einen Rat parat: Mehr Anfragen bei Verbraucherzentrale
Fast 100.000 Menschen haben sich 2025 an die Verbraucherzentrale gewandt. Einige davon wegen Betrugs im Internet - in dem Bereich sind die Zahlen besonders angestiegen.
Frankfurt (dpa/lhe) - Egal ob Probleme bei Arztterminen, Betrug im Internet oder Beratungen zu Energiefragen: Die Verbraucherzentrale in Hessen hilft Menschen in vielen Lebenslagen weiter. Sie blickt auf fast 100.000 Beratungen im vergangenen Jahr zurück - und auf Herausforderungen bei der Finanzierung in diesem Jahr.
Wie viele Anfragen gab es bei der Verbraucherzentrale?
Insgesamt wandten sich nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr rund 93.500 Menschen an die Verbraucherzentrale Hessen. Das sei etwa 4.000 Kontakte und damit vier Prozent mehr gewesen als 2024, sagte Philipp Wendt, Vorstand der Verbraucherzentrale Hessen.
Und zu welchen Themen?
Die Menschen in Hessen haben sich im vergangenen Jahr deutlich öfter mit Anfragen und Beschwerden zu Kriminalität und Betrug im Internet an die Verbraucherzentrale gewandt als ein Jahr zuvor. Es falle auf, dass die Themen «aufgedrängte Verträge und Kriminalität und Betrug im Internet» überproportional angestiegen seien.
Die Anfragen, Beratungen und Beschwerden in dem Bereich seien im Vergleich zum Vorjahr um etwa 50 Prozent hochgegangen. «Aus unserer Sicht ist das Problem Betrug im Internet ein Riesenproblem für Verbraucherinnen und Verbraucher», sagte Wendt.
Die Nachfrage nach Beratung zum Energierecht und bei Problemen mit Energieanbietern sei 2025 im Vergleich zum Vorjahr von 21 Prozent auf 18 Prozent zurückgegangen. «Das ist eine gute Nachricht. Wir hoffen, dass das so bleibt», sagte Wendt. Die Entwicklung hänge aber sehr von den Energiepreisen und der weltpolitischen Lage ab.
Warum machen die Gesundheitsreformen der Zentrale Arbeit?
Das Reformpaket der Bundesregierung sieht vor, die gesetzlichen Krankenkassen 2027 um mindestens 16,3 Milliarden Euro zu entlasten. Gelingen soll dies über Ausgabenbremsen für Praxen, Kliniken und die Pharmabranche. Auf Versicherte kommen dadurch unter anderem höhere Zuzahlungen für Medikamente und Einschränkungen der kostenlosen Mitversicherung von Ehepartnern zu.
«Deswegen rechnen wir für das nächste Jahr weiterhin mit zunehmenden Beratungsanfragen zu dem Thema», erklärte Silke Möhring, Leiterin des Teams Gesundheitsberatung bei der Verbraucherzentrale Hessen. «Es ist jetzt schon so, dass dieser Zugang zur ärztlichen Versorgung viele Ratsuchende umtreibt.» In vielen Beratungen gehe es etwa um die Sinnhaftigkeit eines Wechsels zur privaten Krankenversicherung.
Und was hat die Zentrale mit Arztterminen zu tun?
Oft gehe es dabei auch um die knappen zeitnahen Termine bei Fachärzten. «Wenn man sich um Arzttermine bemüht, wenn man sich um Zugang zu Leistungen bemüht, wird einem häufig eine Privatleistung verkauft», sagte sie. Oft sei das etwa beim Screening zur Hautkrebsvorsorge der Fall - «wo es ja eigentlich eine Kassenleistung gibt», sagte sie. Dennoch werde vielen Patienten eine Privatleistung angeboten. «Und hier haben wir auch zunehmend Beschwerden.»
Einer der drastischsten Fälle sei eine Frau gewesen, die zu einer Krebsnachsorge in die Praxis gegangen sei und gesagt bekommen habe, sie müsse ein Hautscreening für 133 Euro zahlen.
«Ein weiteres großes Problem für Patientinnen und Patienten ist die Terminvergabe», erklärt Möhring. Es sei zwar gut, dass es mehr Online-Buchungsangebote gebe. «Aber in der letzten Zeit mehren sich sehr stark die Beschwerden hierzu.» Die richteten sich etwa dagegen, dass man als gesetzlich Versicherter trotz Angaben Selbstzahler-Termine angeboten bekomme. «Also hier ist ein Riesenbedarf, was zu verbessern», sagte sie.
Es sind dieses Jahr Stellen gekürzt worden - warum?
Die Antwort fällt unterschiedlich aus - je nachdem, wen man fragt. Die Verbraucherzentrale teilte mit, das Land Hessen habe ihre Mittel zu Jahresbeginn um 600.000 Euro reduziert. Das zuständige Landwirtschaftsministerium erklärte dagegen, die Verbraucherzentrale leiste hervorragende Arbeit und werde «auch weiterhin in substanziellem Umfang institutionell gefördert». Im Haushalt 2026 stünden dafür mehr als 2,8 Millionen Euro zur Verfügung.
Es finde keine Kürzung der regulären institutionellen Förderung statt. Die Sonderförderung von 600.000 Euro von 2023 bis 2025 sei von Beginn an befristet gewesen - als Reaktion auf den hohen Beratungsbedarf infolge der Energiepreiskrise. Nach der Stabilisierung der Energiemärkte sei dieser besondere Bedarf entfallen, die Förderung planmäßig ausgelaufen.
Auf diese Aussage angesprochen antwortete Wendt: «Ich halte mich für so einen vernünftigen Unternehmer, dass ich nicht langfristiges Personal einbaue, wenn für mich erkennbar ist, dass ich das Geld dafür nicht habe.» Eine «Vergangenheitsdebatte» halte er aber für wenig zielführend. Entscheidend sei nun eine langfristige und bedarfsgerechte Finanzierung der Verbraucherzentrale.
Haben die Kürzungen Auswirkungen auf die Beratung?
«Das Beratungsangebot ist natürlich insgesamt zurückgegangen, dadurch dass weniger Beratungskapazitäten zur Verfügung stehen», sagte der Vorstand. Elf Menschen hätten die Verbraucherzentrale verlassen müssen, das seien zusammen mit Teilzeitregelungen zehn Vollzeitäquivalente. Das Gute sei aber, dass keine Beratungsstellen geschlossen werden müssten.