Bildungsgerechtigkeit

Landtag spricht über Kosten auf dem Zweiten Bildungsweg

Der Zweite Bildungsweg zum Nachholen von Schulabschlüssen ist wichtig. Darüber besteht Einigkeit im Landtag. Die Frage ist, ob alles kostenlos sein soll. Damit befasst sich nun der Bildungsausschuss.

Der zweite Bildungsweg ist Thema im Landtag (Archivbild) Foto: Marcus Brandt/dpa
Der zweite Bildungsweg ist Thema im Landtag (Archivbild)

Kiel (dpa/lno) - Wird ein Schulabschluss für Erwachsene auf dem Zweiten Bildungsweg in Schleswig-Holstein künftig immer kostenfrei sein? Der Bildungsausschuss des Landtags wird sich auf Antrag der SPD-Fraktion mit dem Thema befassen. Aus Sicht des SPD-Abgeordneten Martin Habersaat besteht in Schleswig-Holstein momentan ein Gerechtigkeitsproblem. Wer sein Abitur am Abendgymnasium nachholen möchte, könne das kostenfrei tun. Wer aber einen Ersten Allgemeinbildenden Schulabschluss (ESA) oder einen Mittleren Schulabschluss (MSA) nachholen möchte, müsse je nach Angebot zahlen. 

«Ausgerechnet Menschen, denen ein grundlegender Schulabschluss fehlt und die sagen: Ich will noch einmal anfangen, ich will etwas aus meinem Leben machen, ich möchte bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben - ausgerechnet diese Menschen bekommen möglicherweise erst einmal eine Rechnung», kritisierte Habersaat. Diese könne etwa bei Vorbereitungskursen der Volkshochschulen regional unterschiedlich bis zu 1.700 Euro betragen.

Für die Grünen-Fraktion sagte die Abgeordnete Uta Röpcke, man solle zunächst herausfinden, wie groß das Problem tatsächlich sei - «und wie wir wirklich effektiv und effizient darauf als Land reagieren können». Dass es Hürden gebe, stehe außer Frage. «Was wir nicht wissen, ist, wie viele Menschen eigentlich wo und warum an diesen Hürden scheitern.» Die SPD-Fraktion stelle eine Reihe von Forderungen, ohne zu wissen, was die Umsetzung das Land kosten würde oder wer das umsetzen soll. «Aber genau das wäre aus meiner Sicht der entscheidende erste Schritt.»

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Röpcke verwies auf den Haushalt 2026, in dem die Fördermittel für die Vorbereitung auf den ESA sowie für den MSA um 100.000 Euro auf 200.000 Euro jährlich erhöht wurden. «Zudem haben wir auch die Volkshochschulen trotz der Haushaltslage gestärkt und weitere Grundbildungszentren auf den Weg gebracht.»

Auch Bildungsministerin Dorit Stenke (CDU) betonte die Bedeutung flexibler Bildungswege. «Schleswig-Holstein eröffnet nicht nur Startchancen im regulären Bildungsgang, sondern auch viele zweite Chancen.» Zu den Möglichkeiten gehörten unter anderem öffentliche berufsbildende Schulen und Regionale Berufsbildungszentren, aber auch Wege über die duale Ausbildung und Angebote des zweiten Bildungswegs. Die staatlichen Externenprüfungen zum nachträglichen Erwerb von ESA und MSA seien in der Regel gebührenfrei.

Vorbereitungskurse an Volkshochschulen sind nach Stenkes Angaben eine Möglichkeit, aber keine Voraussetzung für die Externenprüfung. Es gebe finanzielle Unterstützungsmöglichkeiten wie Schüler-BAföG oder Leistungen der Agentur für Arbeit und der Jobcenter.

Auch Anne Riecke (FDP) und Jette Waldinger-Thiering (SSW) betonten, dass ein Bildungsabschluss für Erwachsene nicht vom Geld abhängen dürfe. «Die erste Bildungsentscheidung eines Menschen darf nicht seine letzte sein», forderte Riecke. Waldinger-Thierung formulierte es so: «Das Recht auf Bildung endet nicht mit der Schulpflicht.» Es gelte lebenslang.

Der CDU-Abgeordnete Peer Knöfler sagte, es sei wichtig, diejenigen zu unterstützen, die Hilfe benötigen. «Wer im Erwachsenenalter Verantwortung übernimmt und einen Abschluss nachholt, verdient unsere volle Unterstützung.» Er schlug ein landesweites Informationssystem vor, über das zu erkennen sei, wo Kurse angeboten werden und welche Kosten oder Ermäßigungen anfallen. «Wir sollten vielleicht zusehen, dass wir vielleicht eine allgemeine Gebührenfreiheit oder gezielte Entlastungen geringer Einkommen dabei auf den Weg bringen können», sagte Knöfler.