Verbrechen in Hotel

Ehemann wirft Frau 60 Meter in die Tiefe – lebenslange Haft

Akribisch plant ein Mann die Ermordung seiner Frau: Er recherchiert im Internet, bucht ein Zimmer in einem Hochhaushotel und lügt ihr vor, die Beziehung retten zu wollen.

Im Landgericht wurde ein Urteil gegen einen Mann verkündet, der seine Frau in die Tiefe gestürzt hatte. (Symbolfoto) Foto: Helmut Fricke/dpa
Im Landgericht wurde ein Urteil gegen einen Mann verkündet, der seine Frau in die Tiefe gestürzt hatte. (Symbolfoto)

Frankfurt/Rodgau (dpa/lhe) - Ein Ehepaar betritt am späten Abend das Zimmer eines Frankfurter Hotels, 13 Minuten später geschieht das Unfassbare: Der Ehemann wirft seine Frau über das Balkongeländer im 22. Stock mehr als 60 Meter in die Tiefe - «wie einen Müllsack», wie der Vorsitzende Richter im Frankfurter Landgericht in seiner Urteilsbegründung sagt. Das Gericht ist sich sicher: Der Mann wollte seine Frau entsorgen, um mit seiner Affäre ein neues Leben beginnen zu können und sich eine teure Scheidung zu sparen. 

Verurteilt wird er wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen zu einer lebenslangen Haftstrafe. «Ihr Verhalten steht sittlich auf niedrigster Stufe», spricht der Richter den 60-Jährigen direkt an. Doch der Mann blickt nicht auf, sondern starrt während der gesamten Urteilsbegründung vor sich hin. Er hatte in dem fast vier Monate dauernden Prozess nichts zu den Vorwürfen gesagt. 

Verdeckte Ermittlungen

«Es wäre das perfekte Verbrechen gewesen, wenn die Behörden nicht so akribisch ermittelt hätten», sagte der Richter. Direkt nach dem Mord am Vatertag im Mai 2023 hatte der Ehemann gesagt, seine Frau sei beim Sex von der Balkonbrüstung gestürzt. Doch die Spurenlage passte nicht zu seinen Angaben, fast zwei Jahre lang wurde daher auch verdeckt gegen den in Rodgau im Landkreis Offenbach lebenden Mann ermittelt.

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Impressum

Dort hatte er sich mit seiner Freundin und den Kindern aus der Ehe mit der Ermordeten ein neues Leben aufgebaut. Doch im Frühjahr 2025 - rund zwei Jahre nach dem Mord - klickten die Handschellen. Am 1. April 2026 begann der aufwendige Prozess im Landgericht, während der insgesamt 20 Verhandlungstagen wurden sogar zu Beweiszwecken an dem besagten Balkon im 22. Stock des Hotels mögliche Sexszenen nachgestellt. 

Suche nach Tötungsarten

Letztlich gebe es keine Zweifel daran, dass der Mann seine Frau ermordet habe, so der Richter. Dessen Affäre habe von ihm verlangt, sich von der Ehefrau zu trennen. Er habe im Internet nach unauffälligen Tötungsarten recherchiert und sich letztlich dazu entschieden, die Ehefrau aus großer Höhe zu stürzen und dies wie einen Unfall aussehen zu lassen. Einen Tag vor dem Mord buchte der Deutsch-Brite laut den Feststellungen des Gerichts für den Vatertag das Zimmer im 22. Stock. Seiner Ehefrau gaukelte er vor, die Beziehung retten zu wollen. 

Das Ehepaar verbrachte den Vatertag gemeinsam in Frankfurt, am späten Abend kehrte es in das Hotel zurück. Es bleibt laut dem Richter unklar, was in den 13 Minuten geschah, in denen das Paar alleine in dem Hotelzimmer war. Andere Hotelgäste hörten einen lauten Schrei und die Rufe «Nein, nein». Als später die Leiche der Frau gefunden wurde, war sie kaum noch bekleidet, an den Armbeugen hatte sie Verletzungen, die vor dem Mord entstanden waren. 

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.