Schulen

Neue Materialien für Schulen gegen sexualisierte Gewalt

Übungen, Quizspiele, Debatten: Mithilfe eines Kartensets soll der Schutz von Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt verbessert werden. Denn selten ist diese nicht.

Eine Männerhand liegt auf einer Mädchenhand. (gestellte Szene). Foto: Annette Riedl/dpa/Archivbild
Eine Männerhand liegt auf einer Mädchenhand. (gestellte Szene).

Wiesbaden (dpa/lhe) - Eine sexistische Bemerkung, Antatschen und noch gravierendere Erlebnisse: Viele Jugendliche berichten von Erfahrungen mit sexualisierter Gewalt. Um hier gegenzusteuern, erhalten rund 800 Schulen in Hessen neue Unterrichtsmaterialien, wie das Kultusministerium in Wiesbaden mitteilt. Das Kartenset «Sexualisierte Gewalt: Erkennen Handeln Vorbeugen» sei ein «bundesweit einmaliges» Projekt.

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Die verschiedenfarbigen Karten mit Skizzen und kurzen Texten beziehen sich laut Ministerium vornehmlich auf Situationen «im Kontext von sexualisierter Gewalt unter Gleichaltrigen» - inklusive des digitalen Bereichs. Es gehe aber auch um Bedrohungen durch Erwachsene. Die Materialien sollen zu Diskussionen und Recherchen anregen. Manche Karten bieten ein spielerisches Quiz, andere fordern zu Übungen in Gruppen auf, «um angemessene und konstruktive Verhaltensweisen zu fördern», wie es in einem Newsletter des Kultusministeriums für Eltern heißt. In welchen Unterrichtsfächern das Material verwendet wird, können die Schulen laut einem Ministeriumssprecher selbst entscheiden.

Entwickelt wurde das Kartenset von dem Bildungsforscher Ludwig Stecher von der Gießener Justus-Liebig-Universität und der Erziehungswissenschaftlerin Sabine Maschke von der Philipps-Universität Marburg zusammen mit Experten, Schülern und Lehrern. Ausgangspunkt waren die 2021 vorgestellten Ergebnisse einer «Speak!-Studie».

Mehr als 40 Prozent der Jugendlichen an beruflichen Schulen in Hessen hatten demnach bereits körperliche sexualisierte Gewalt erlebt. 56 Prozent der Mädchen unter ihnen berichteten etwa davon, gegen ihren Willen angetatscht worden zu sein. Bei den männlichen Jugendlichen waren es 11 Prozent. Für die Studie hatten Wissenschaftler 1118 Schülerinnen und Schülerinnen im Alter von 16 bis 19 Jahren in der ersten Jahreshälfte 2020 anonym befragt.

Die Erziehungswissenschaftlerin Maschke sagte damals auch: «Ein aus unserer Sicht darüber hinaus ernst zu nehmender Befund ist der hohe Pornografiekonsum männlicher Jugendlicher.» Zwei Drittel der Befragten habe angegeben, «öfter» Pornos anzuschauen. Etwa jeder vierte Dauernutzer finde nur noch solche Körper schön, die er in Pornos sehe.

Laut Ministerium ist die Entwicklung und Umsetzung von Schutzkonzepten gegen Gewalt und sexuellen Missbrauch seit Ende 2022 im hessischen Schulgesetz verankert. Seit dem Schuljahr 2023/2024 sollen an allen öffentlichen Schulen im Land Beratungslehrer für Gewaltprävention und Schutzkonzeptentwicklung eingesetzt werden, unterstützt von den Schulpsychologen.