Neues Museum Ernst öffnet seine Türen
In Hessens Landeshauptstadt ist ein neues Kunstmuseum entstanden, lichtdurchflutet und weiß. Politiker erwarten überregionale Strahlkraft. Und Wiesbadens Bürger überlegen sich einen eigenen Namen.
Wiesbaden (dpa) - Das neue Wiesbadener Museum Reinhard Ernst des japanischen Stararchitekten Fumihiko Maki startet am Dienstag (25. Juni) seinen Publikumsbetrieb. Schirmherr des weißen, lichtdurchfluteten Gebäudes mit abstrakter Kunst seit 1945 in der Wilhelmstraße 1 in der hessischen Landeshauptstadt ist Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Ein Tag der offenen Tür zuvor am Sonntag (23. Juni) ist nach Angaben des Museums vom Donnerstag schon seit Wochen ausgebucht.
Die erste Präsentation in dem Neubau mit dem Namen des Unternehmers Reinhard Ernst umfasst eine Auswahl von 60 der fast 1000 Werke des Kunstsammlers. Etwa alle zwei Jahre soll die Dauerausstellung mit neuen Kunstwerken aus dieser Kollektion bestückt werden. Ernst schätzte ihren Wert am Donnerstag «auf einiges über 100 Millionen Euro». Bei Geschäftsreisen in Europa, in die USA und nach Japan hatte er sie in vier Jahrzehnten zusammengetragen. Hinzu kommen Sonderausstellungen.
Der Architekt Maki zählte zu den bedeutendsten Architekten in seiner Heimat Japan. 1993 erhielt er den Pritzker-Preis als weltweit höchste Auszeichnung in seinem Fach. Vor zwei Wochen starb Maki im Alter von 95 Jahren. 1985 hatte er laut dem Museum Ernst angekündigt, zehn Museen bauen zu wollen. Tatsächlich ließ Maki fortan neben Gebäuden wie etwa dem Four World Trade Center in New York weltweit neun Museen errichten, die als Modelle in dem Wiesbadener Neubau zu sehen sind - und baute noch das Museum Ernst als Nummer zehn.
«Zuckerwürfel»
Baubeginn des neuen Gebäudes im Herzen von Wiesbaden war Ende 2019. Die Fertigstellung verzögerte sich auch wegen der Corona-Pandemie mehrmals. Die Baukosten beliefen sich laut dem Museum auf rund 80 Millionen Euro. Die Stadt Wiesbaden stellte das prominente Grundstück in Erbpacht zur Verfügung. Trägerin des Museums ist die gemeinnützige Reinhard & Sonja Ernst-Stiftung. Laut Gründungsdirektor Oliver Kornhoff entstand das kubusartige Gebäude, das die Wiesbadener Bürger «Zuckerwürfel» tauften, «ohne einen einzigen Euro öffentlichen Geldes». In den sozialen Medien gibt es auch Kritik an dem modernen Baustil inmitten historischer Stadtarchitektur.
Hessens Landtagspräsidentin Astrid Wallmann (CDU) sprach von einer «Bereicherung für die Kulturlandschaft Hessens und die Landeshauptstadt Wiesbaden». Sie hob das Engagement für die Jüngsten hervor: Das Museum Ernst gewährt Kindern und Jugendlichen kostenlosen Eintritt und öffnet vormittags nur für Schulklassen. Ein kunstpädagogisches, digitales Angebot soll Mädchen und Jungen zum Mitmachen und Ausprobieren anregen. Laut dem Oberbürgermeister der Landeshauptstadt, Gert-Uwe Mende (SPD), «erhalten wir in einer schwierigen Zeit mit den Nachwirkungen einer Pandemie, Krieg in Europa und kritischen Stadtfinanzen ein Geschenk an die Wiesbadener, das nicht schöner sein könnte».