Pferd statt Maschine – Was ist der Job der Rückepferde?
Technik ersetzt in vielen Branchen Tiere und Menschen als Arbeitskräfte. Nicht so in Wiesbaden: Dort lässt ein Schloss ein besonderes Handwerk wieder aufleben.
Wiesbaden (dpa/lhe) - Ein kurzer Pfiff und schon ziehen zwei starke Pferde einen rund 100 Kilogramm schweren Baumstamm an dicken Eisenketten durch das Waldstück am Schloss Freudenberg. Das Holzrücken mit Pferden sei dort zentraler Bestandteil, um den künstlich angelegten Wald gesund zu halten, sagt Silas Bug, Pressesprecher von Schloss Freudenberg.
Wenn alte Bäume gefällt werden, transportieren die Pferde sie aus dem Wald, damit das Holz weiterverarbeitet werden kann. Sie erreichen Stellen, an denen manche Maschinen an ihre Grenzen kommen.
Das Zugpferdfestival am Samstag und Sonntag auf Schloss Freudenberg zeige Besuchern dieses Handwerk. Die Veranstaltung sei eine Kooperation mit der Interessengemeinschaft Zugpferde e.V. Hessen (IGZ). Sechs Rückepferde brächten die Mitglieder am Wochenende mit, erzählt Bug. «Man kann dann auch mal die Zügel selbst in die Hand nehmen.»
Pferdebauer aus Leidenschaft
Auch IGZ-Mitglied Hubertus Assmann wird vor Ort sein. Seit vier Jahren arbeite er jedes Jahr sechs Tage im Schlosspark, erzählt er. Der Pferdebauer bestelle auch seine Felder mit ihnen. «Ich kann ein Pferd über Nacht in den Stall stellen oder auf die Wiese und morgens ist es wieder aufgetankt. Es nimmt seine verbrauchte Energie in Form von Futter wieder auf und das macht ein Traktor nicht, es braucht fossile Energie.» Auch der Boden leide deutlich weniger unter einem Pferdehufabdruck als unter einer Traktorspur.
Der wichtigste Grund für die Arbeit mit Pferden sei für ihn allerdings: Spaß. «Die Pferde geben einem viel an Zufriedenheit», sagt er. Beim Arbeiten selbst sei viel mehr Ruhe. «Man hört die Pferde, den Schritt von den Pferden, das Atmen von den Pferden. Man hört das Kettengeklimper. Und dann hört man nur noch Vogelgezwitscher. Und das hat man beim Traktor eben nicht.»
Gibt es eine Zukunft für Pferderücker?
Die handwerkliche Arbeit mit Pferden sei wegen der Mechanisierung der Landwirtschaft immer weiter zurückgegangen, sagt Matthias Mengel, Landessprecher der IGZ. «Die Maschinen werden immer größer, immer schwerer, immer teurer.» Deshalb wolle der Verein mit dem Festival zeigen, dass sich Arbeitspferde in bestimmten Bereichen noch lohnen.
Nur rund acht Betriebe gebe es in Hessen, die sich hauptberuflich auf das Holzrücken konzentrieren, in anderen Bundesländern seien es deutlich mehr.
Die Interessengemeinschaft sehe in Pferden eine Lösung für eine ökologischere und effizientere Bearbeitung von Forsten – in Kombination mit Maschinen. «Wir wollen nicht zurück, so wie früher vor 50 oder vor 100 Jahren», erklärt Mengel. «Da kommt auch das Pferd an seine Grenzen. Wir wollen die spezifischen Nischen, die man mit dem Pferd gut bearbeiten kann, auffüllen.»