Stromausfall in Stuttgart: So ist das Stromnetz aufgebaut
Nicht einmal eine Sekunde lang war der Spannungsabfall in Stuttgart – und hatte doch große Folgen. Denn der Weg von Windparks und Kraftwerken bis zur Steckdose ist komplex.
Stuttgart (dpa/lsw) - Kurzes Flackern, große Wirkung: Ein Spannungsabfall im Hochspannungsbereich hat in Stuttgart für einen Stromausfall gesorgt. Für viele Menschen in der Stadt hatte das spürbare Folgen, auch Mobilfunknetz und Internet fielen zeitweilig aus. Der Vorfall wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wie funktioniert das Stromnetz und wie ist es aufgebaut?
Ein Netz aus mehreren Ebenen
Das Stromnetz in Deutschland ist hierarchisch aufgebaut und hochkomplex. Es besteht aus mehreren Ebenen, die unterschiedliche Aufgaben erfüllen. Sie sorgen dafür, dass Strom von Kraftwerken und Windparks bis zur Steckdose gelangt oder Solaranlagen-Besitzer ihren Storm einspeisen können. Unterschieden wird in Wesentlichen zwischen drei Ebenen: Höchst- und Hochspannung, Mittelspannung sowie Niederspannung.
Hoch- und Höchstspannung: Die Strom-Autobahnen
Die Hoch- und Höchstspannungsebene ist das Rückgrat der Stromversorgung. Die Übertragungsnetze, die mit Höchstspannung von 220 Kilovolt und mehr arbeiten, ermöglichen einen Transport von Strom über große Entfernungen – von Kraftwerken, Windparks oder aus dem Ausland zu den Verbrauchszentren.
Der Grund für die hohen Spannungen ist technisch: Je höher die Spannung ist, desto geringer sind nach Angaben des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie die Verluste beim Transport. Die Übertragungsnetze sind demnach rund 37.000 Kilometer lang. Betreiber sind überregionale Netzgesellschaften wie zum Beispiel TransnetBW oder Tennet.
Darunter beginnt das Verteilnetz mit der Hochspannungsebene. Sie dient der überregionalen Verteilung des Stroms, zum Beispiel über große Freileitungen. Wasserkraftwerke, Gaskraftwerke, Windparks und große Solarparks speisen direkt ins Hochspannungsnetz ein. Gleichzeitig liefert es die elektrische Energie grob in Ballungszentren oder direkt an große Abnehmer wie Industrieparks oder energieintensive Unternehmen.
Genau in dieser Ebene kam es nach Angaben von Stuttgart Netze – einer von Hunderten Verteilnetzbetreiber bundesweit – zu dem Spannungsabfall. Dieser sei in wenigen Sekunden behoben gewesen, hieß es.
Mittelspannung: Die regionale Verteilung
Die verschiedenen Ebenen des Stromnetzes sind durch Umspannwerke und -stationen miteinander verbunden. Vergleichbar sind sie mit Straßenkreuzungen. Dort wird der Strom transformiert. In der Mittelspannung variiert die elektrische Spannung je nach Region, liegt meist aber zwischen 10 und 30 Kilovolt.
Diese Ebene verteilt den Strom in der Region weiter. Das Mittelspannungsnetz versorgt dem Betreiber Netze BW zufolge kleine Ortschaften, Stadtteile und mittelgroße Industrieanlagen. Auch Krankenhäuser und U-Bahn-Netze hängen oft an dieser Ebene. Zusätzlich speisten kleinere Erzeuger wie Solarparks, einzelne Windanlagen und Biogasanlagen Strom in das Netz ein.
Niederspannung: Der Weg in die Steckdose
Die letzte Stufe ist die Niederspannung. Hier beträgt die Spannung 400 oder 230 Volt. Letzteres entspricht genau dem, was aus der heimischen Steckdose kommt. Dieses Netz versorgt Haushalte, Büros und kleinere Geschäfte. Zugleich speisen Photovoltaikanlagen auf Hausdächern Strom ein. Der Übergang von Mittel- zu Niederspannung erfolgt in zahlreichen kleinen Trafostationen, die in Wohngebieten oft unauffällig am Straßenrand stehen.
Das Zusammenspiel der Ebenen ist fein säuberlich austariert. Schon kleine Abweichungen können für größere Probleme sorgen. Nach Angaben von Stuttgart Netze fällt in Stuttgart im Jahr acht Minuten lang der Strom aus, davon betroffen sind in der Regel nur Teilbereiche. Im Bundesgebiet seien es 13 Minuten. Der Sprecher sagte, so ein Ereignis wie am Vormittag sei ihm in der jüngeren Vergangenheit in Stuttgart nicht bekannt.