Tiere

Tierheime am Limit - nun kommen auch noch viele Katzen an

Viele Aufnahmen, wenig Nachfrage: Die Lage der Tierheime in Hessen spitzt sich weiter zu. Ausgerechnet eine Maßnahme zum Tierschutz macht den Heimen zu schaffen.

Kater «Richy» sieht durch die Gitter des Katzenhauses der Fundtierstation Halberstadt. Foto: Klaus-Dietmar Gabbert/dpa-Zentralbild/dpa/Archivbild
Kater «Richy» sieht durch die Gitter des Katzenhauses der Fundtierstation Halberstadt.

Altenstadt/Gießen (dpa/lhe) - Deutlich gestiegene Arztkosten, hohe Energiepreise und immer mehr abgegebene Tiere: Die hessischen Tierheime stehen weiter unter Druck. «Alle Tierheime, mit denen ich in Kontakt stehe, klagen über eine Katzenflut», sagt Sigrid Faust-Schmidt vom Landestierschutzverband Hessen in Altenstadt. Insbesondere junge Katzen würden immer häufiger abgegeben. Sie vermute, dass das an einer Regeländerung einer großen Internet-Verkaufsplattform liege.

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Dort sei es seit Anfang 2023 deutlich schwieriger geworden, Katzen und Hunde unter zwölf Monaten zu verkaufen. Gleichzeitig sei die Nachfrage gering, weil das Halten von Tieren teurer geworden sei. So kämen die Katzen stattdessen ins Heim. Viele seien krank, so dass die Tierheime für teure Behandlungen aufkommen müssten.

Astrid Paparone, erste Vorsitzende des Tierschutzvereins in Gießen, sagt, aktuell seien im zugehörigen Tierheim rund 130 Katzen untergebracht. «Innerhalb von einer Woche sind 50 Katzen zu uns gekommen», erzählt sie. Darunter seien zwei Katzenwürfe gewesen, die im Internet nicht hätten verkauft werden können. Je nach Alter, Gesundheit und Impfstatus müssten die Tiere getrennt voneinander untergebracht werden. «Diese enorme Mehrbelastung können wir auf Dauer nicht bezahlen.»

Hinzu kämen die Tiere, die während der Corona-Pandemie angeschafft worden seien und nun nicht mehr gewollt würden. Viele seien vernachlässigt und verhaltensauffällig, weil die Halter nicht die nötige Erziehungsarbeit geleistet hätten. «Wir haben jede Woche Anfragen von schwierigen Hunden, die wir nicht mehr nehmen können», sagt Paparone.

Auch Faust-Schmidt berichtet von täglichen Anfragen, teils aus Hamburg, München oder sogar Dänemark. Die Halter hätten sich bereits auf mehreren Wartelisten eintragen lassen und angekündigt, ihre Hunde einschläfern zu lassen, wenn sie keinen Tierheimplatz fänden. «Ich spüre da eine große Hilflosigkeit», sagt Faust-Schmidt. «Wir können nicht alle Tiere aufnehmen, die sich Leute unüberlegt angeschafft haben.»

Die Tierheime bräuchten mehr finanzielle Hilfe seitens der Kommunen, fordert sie, und sprach sich für eine landesweite Katzenschutzverordnung aus. Damit könnten Kastrationen verpflichtend vorgeschrieben werden. Außerdem appelliert Faust-Schmidt an Tierhalter: «Nicht gleich aufgeben, auch, wenn es mal schwierig wird.» So könne bei Problemen etwa ein Trainer helfen.