Wohnen und Gesellschaft

Zeltlager für Obdachlose: Gute Sache oder keine Dauerlösung?

Nach der Schließung einer Notunterkunft hat Frankfurt ein Zeltlager für obdachlose Menschen errichtet. Die Stadt sucht weiter nach einer besseren Lösung. Die Menschen vor Ort haben gemischte Gefühle.

In den Zelten stehen Feldbetten. Foto: Andreas Arnold/dpa
In den Zelten stehen Feldbetten.

Frankfurt/Main (dpa/lhe) - «Feuerwehr Sperrzone» steht auf dem rot-weißen Flatterband, das zwischen Bäumen auf einem Areal der Eschenheimer Anlage festgebunden ist. Dahinter sind große weiße Zelte zu sehen, dicht an dicht stehen darin Feldbetten. Das Zeltlager ist nördlich der Innenstadt und in Laufnähe der Alten Oper. 

Um die 100 Plätze für obdachlose Menschen gibt es hier seit Montag - laut Sozial- und Gesundheitsdezernat Frankfurt waren in der Nacht zum Dienstag alle belegt. Das Zeltlager ist ein Provisorium, es wurde von Einsatzkräften der Feuerwehr und Helfern am Montagnachmittag schnell aufgebaut. Denn die eigentliche Notunterkunft in der U-Bahn-Station Eschenheimer Tor ist kurzfristig geschlossen worden. Grund: unzureichender Brandschutz. 

In der vergangenen Nacht war jeder Platz belegt. Foto: Andreas Arnold/dpa
In der vergangenen Nacht war jeder Platz belegt.

«Es ist erschreckend zu sehen, dass in einer Millionenstadt wie Frankfurt kein Gebäude und keine Halle zur Verfügung steht, damit Menschen in Not - obdachlose Menschen - darin Schutz suchen können», teilte Sozial- und Gesundheitsdezernentin Elke Voitl (Grüne) mit. Innerhalb weniger Stunden habe die Stadt gemeinsam mit der Feuerwehr daher eine funktionierende Lösung auf die Beine gestellt. «Entscheidend war für uns einzig, dass niemand ohne Schutz für die Nacht bleiben musste.»

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«Wir haben ja trotzdem noch genug Platz»

Die Lage der Zelte aber finden nicht alle glücklich gewählt. Schräg gegenüber ist ein Kiosk und die Terrasse eines Hotels. Eine Passantin, die am Dienstagmittag in der Nähe der leeren Zelte vorbeispaziert, hält das Zeltlager nicht unbedingt für eine Lösung. Es sei «eine Klatsche für die Stadt», dass sie keine andere Behausung gefunden habe, sagt sie. «Die Menschen müssen ja irgendwo hin.»

Eine andere Passantin mein, es gäbe ohnehin viel Obdachlosigkeit und Probleme mit der Hygiene im Park. Das könne keine Dauerlösung sein, sagte sie. Obdachlose Menschen sollten ihrer Meinung nach nicht in einem Park untergebracht werden, wo Kinder seien und eine Schule in der Nähe sei. «Da muss sich der Staat etwas Grundlegendes überlegen.»

Das Zeltlager nimmt einen recht kleinen Teil des Parks ein. Foto: Andreas Arnold/dpa
Das Zeltlager nimmt einen recht kleinen Teil des Parks ein.

Ein Mann, der mit seinem Hund vorbeispaziert, sieht das anders. «Ist 'ne gute Sache, eigentlich», sagt er, angesprochen auf die Zelte. «Könnte es öfter geben». Durch die Zelte werde der Park nicht beeinträchtigt, sagt er. «Wir haben ja trotzdem noch genug Platz hier. Ich glaube, es ist ein bisschen wichtiger, dass vielleicht Leute einen Schlafplatz haben.» Obdachlose Menschen waren am Dienstagmittag nicht vor Ort zu sehen.

Werden Gewitter und Hitze zum Problem?

Und ein Mann, der schräg gegenüber dem Lager an einer Tischtennisplatte spielt, fragt sich, wie heiß es in den Zelten werde. Und ob die Menschen etwa bei der nächsten Hitzewelle in den Zelten richtig geschützt seien.

Grade angesichts der angekündigten Gewitter sei es wichtig gewesen, das Zeltlager aufzubauen, sagte Voitl. «Unser gemeinsames Ziel war und bleibt, keinen Menschen in unserer Stadt schutzlos zurückzulassen.»

Die Stadt Frankfurt suche intensiv weiter nach einer Ersatzlösung für eine Notübernachtung im Stadtzentrum. «Obdachlose Menschen sind oftmals immobil. Wir brauchen also einen Standort, der leicht zu erreichen ist», sagt sie. «Ich setze dabei große Hoffnungen in das neue Baudezernat der künftigen Stadtregierung.»

Linke: «Politisches Versagen auf dem Rücken der Betroffenen» 

Die Linke-Fraktion im Römer übt hingegen scharfe Kritik: «Zelte unter den Bankentürmen - ist das die neue Frankfurter Humanität? Es braucht umgehend ein Obdach für die Notübernachtung! Wie lange dieses Provisorium für die größte Notunterkunft von Obdachlosen nun herhalten muss, scheint unklar», heißt es dort. Und: «Was wir aktuell sehen, ist politisches Versagen auf dem Rücken der Betroffenen.»