Weinheim

Warum das Weinheimer Schloss Winterschlaf hält

Seit Anfang Januar stehen spontane Gäste im Schlossparkrestaurant vor verschlossener Tür. Das soll für die kommenden Wochen so bleiben. Warum? Wir haben nachgefragt.

Vor geschlossenen Türen stehen Gäste bereits seit Anfang Januar. Foto: Katrin Oeldorf
Vor geschlossenen Türen stehen Gäste bereits seit Anfang Januar.

Eigentlich sollte Juliane Wasser das Schlossparkrestaurant als neue Pächterin nach fünf Jahren Leerstand aus dem Dornröschenschlaf wachküssen. Doch nur wenige Monate nach der Eröffnung im April schlummert Weinheims „Gute Stube“ schon wieder. Die dunklen und wenig lukrativen Wintermonate nutzt das Team „Schloss Weinheim Café-Restaurant & Event Manufaktur“ zu einer dreimonatigen Schließung.

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Ein Schild am Eingang macht seit Anfang Januar auf die Betriebsferien aufmerksam. Dort steht geschrieben: „Wir freuen uns schon sehr, Sie im Frühjahr wieder bei uns begrüßen zu dürfen. Nähere Infos folgen in Kürze.“ Die finden sich auf der Homepage. Dort ist von Betriebsferien von Januar bis einschließlich 26. März die Rede. Nicht von der Betriebsruhe betroffen ist die Eventmanufaktur. „Geschlossene Gesellschaften“ können trotzdem in dieser Zeit gebucht und gefeiert werden.

Ein Schild macht auf die Schließung des Weinheimer Schlossparkrestaurants aufmerksam. Foto: Katrin Oeldorf
Ein Schild macht auf die Schließung des Weinheimer Schlossparkrestaurants aufmerksam.

Wir haben bei der Pächterin und bei der Weinheimer Stadtverwaltung als Vermieterin nachgefragt.

Warum macht das Café-Restaurant im Schloss drei Monate Betriebsferien?

„Wir haben uns für eine längere Betriebsruhe entschieden, weil wir festgestellt haben, dass unser Angebot im Sommer sehr beliebt ist, während die Gäste im Winter andere Vorlieben haben“, erklärt Pächterin Juliane Wasser schriftlich auf Nachfrage. „In dieser Zeit ist es maßgeblich, keine Verluste zu verzeichnen, sondern Kosten zu senken, Ressourcen neu zu organisieren, Angebote zu überarbeiten und uns auf die kommende Hochsaison vorzubereiten“, fügt sie hinzu.

Dann rechnet sich der Café- und Mittagstischbetrieb im Winter nicht?

Danach sieht es aus. Juliane Wasser konkretisiert schriftlich: „Während im Sommer der Zuspruch für unser schönes Schloss-Café exorbitant groß ist, treffen sich die Gäste in den dunklen und kalten Wintermonaten lieber in der belebten Altstadt. Daher war es uns wichtig, auf dieses Kundenverhalten zu reagieren und die Betriebsferien zu verlängern, um die Kosten nicht ausufern zu lassen.“

Sind von den Schließungen alle Veranstaltungen betroffen?

Nein, die Eventmanufaktur ist ganzjährig aktiv. Es können also auch während der Betriebsruhe Veranstaltungen und Familienfeste gebucht und gefeiert werden.

Was bedeutet das für die Mitarbeiter?

Nach Auskunft der Restaurant-Betreiberin sind die Teilzeitkräfte für den Zeitraum der Betriebsferien freigestellt. Das Büroteam sei mit Buchungsanfragen, Bestellungen, Detailbesprechungen sowie mit der Organisation bevorstehender Events stark beschäftigt. Juliane Wasser: „Andere Mitarbeiter kümmern sich um die gründliche Grundreinigung und um die Erledigung aufgeschobener Reparaturen.“ Ferner biete die Schließzeit den Mitarbeitern die Möglichkeit, „unzählige“ Überstunden und restlichen Urlaub abzubauen.

Pächterin Juliane Wasser freute sich zur Eröffnung im April 2023 auf die Schweinebäckchen von Küchenchef Tobias Geppert. Foto: Thomas Rittelmann
Pächterin Juliane Wasser freute sich zur Eröffnung im April 2023 auf die Schweinebäckchen von Küchenchef Tobias Geppert.

Waren die langen Schließzeiten der Stadtverwaltung bereits bekannt, als das Konzept im Gemeinderat vorgelegt wurde?

„Eine so lange Betriebsruhe war ursprünglich nicht bekannt“, erklärt Juliane Wasser. „Wir sind im Laufe des Jahres auf die individuellen Wünsche der Weinheimer eingegangen, welche grundsätzlich eine Konzeptänderung mit sich führte.“

Was sagt die Stadtverwaltung Weinheim als Vermieterin dazu?

Auf Nachfrage erklärt die Stadtverwaltung: „Für die Stadt Weinheim ist die Winterpause des Schlossparkrestaurants ein bedauerlicher Zustand, der in dieser Form nicht im Vertrag vorgesehen ist.“

Wurde die lange Schließzeit im Vorfeld mit der Stadt Weinheim besprochen?

Aus dem Rathaus heißt es: „Frau Wasser als Pächterin des Schlossparkrestaurants hat Oberbürgermeister Manuel Just Ende des letzten Jahres darüber informiert, dass sie für das erste Quartal des Jahres 2024 längere Betriebsferien einplanen muss. Dafür hat sie betriebswirtschaftliche und personelle Gründe aufgeführt.“ OB Just habe der Pause zugestimmt, um die Wirtschaftlichkeit des Restaurants nicht zu gefährden. Und auch die Pächterin bestätigt: „Nach einem einvernehmlichen Gespräch zeigte auch die Stadtverwaltung Verständnis für diese Regelung.“

Sabrina Schumacher vom Amt für Immobilienwirtschaft (links) und Oberbürgermeister Manuel Just beglückwünschten die neuen Pächter des Schlossparkrestaurants im Oktober 2022: Juliane Wasser und Arno Kiegele. Foto: Stadt Weinheim
Sabrina Schumacher vom Amt für Immobilienwirtschaft (links) und Oberbürgermeister Manuel Just beglückwünschten die neuen Pächter des Schlossparkrestaurants im Oktober 2022: Juliane Wasser und Arno Kiegele.

Wurde der Gemeinderat über die Schließung und die Entwicklung informiert?

Die Stadtverwaltung teilt mit, dass der Gemeinderat darüber informiert worden sei.

Gibt es eine Übereinkunft mit der Stadt Weinheim für diese Zeit bezüglich der Miete oder der Nebenkosten?

Während sich Juliane Wasser selbst zu dieser Frage nicht äußern wollte, erklärt die Stadtverwaltung kurz: „Ja, gibt es. Der Gemeinderat ist darüber informiert.“ Vertragliche Absprachen mit Mietern verhandele die Stadtverwaltung nie in der Öffentlichkeit.

Der Gemeinderat wollte ausdrücklich keine Eventlocation. Wurden die Stadträte „verschaukelt“?

Diese Vorwürfe weist die Stadtverwaltung zurück. Seit etwa Mitte 2023 biete das „Schloss“ auf Wunsch der Verwaltung an mehreren Tagen in der Woche ein Angebot a la carte an, das vor allem beim Mittagstisch nach Empfinden der Stadt gut angenommen worden ist. Von einer reinen Eventlocation könne daher keine Rede sein. „Dass es einen Schwerpunkt bei Gesellschaften und Hochzeiten geben würde, war bekannt und ist wegen der Lage auch nachvollziehbar. Andere prägende gastronomische Einrichtungen in der Stadt haben das auch. Das ist auch gut für die Vermarktung Weinheims als ,Hochzeitsstadt‘“, heißt es auf Nachfrage unserer Redaktion.

Wie geht es jetzt im Schloss weiter?

Juliane Wasser: „Wir arbeiten noch an einem attraktiven Winterangebot, um die starken Schwankungen der Besucherzahlen zu kompensieren.“ Die Stadtverwaltung bestätigt, dass Juliane Wasser ein Konzept angekündigt habe, in dem das À-la-carte-Angebot weiter ausgebaut werden soll.

Wie beurteilt die Pächterin die allgemeine Entwicklung des Betriebes seit Eröffnung im April 2023?

„Äußerst positiv“, sagt Juliane Wasser. „Unsere langjährige Erfahrung in der Gastronomie- und Eventbranche hat uns dabei geholfen, ein solides Konzept zu entwickeln, das den Bedürfnissen und Wünschen unserer Gäste entspricht.“ Dennoch habe man erkannt, dass es wichtig sei, ein Jahr lang alle Jahreszeiten und die lokalen Gegebenheiten kennenzulernen, um das Angebot anzupassen. Wasser: „Insgesamt sind wir sehr zufrieden mit der Entwicklung und freuen uns darauf, weiterhin hochwertige gastronomische Erlebnisse und Veranstaltungen für unsere Gäste zu schaffen. Wir dürfen uns auch jetzt schon über ein gefülltes Reservierungsbuch in diesem Jahr freuen.“

Was konnte bisher vom Konzept umgesetzt werden?

Nach Ansicht der Pächterin konnte der Café-Restaurant-Betrieb erfolgreich etabliert werden. Außerdem konnten eine Reihe von Firmen- und Familienfeiern durchgeführt werden. Darüber hinaus sei ein umfangreiches Kulturprogramm mit 18 Konzerten und einer Ausstellung realisiert worden.

Und was ist mit dem angekündigten Picknick-Angebot?

Juliane Wasser: „Das spannende ,Picknick-Angebot‘ konnten wir im letzten Jahr noch nicht integrieren, aber wir freuen uns darauf, dieses Highlight in diesem Jahr umzusetzen.“

Gibt es wenigstens ein Angebot am Sommertagszug?

Ja, wenn der Winter am 10. März im Schlosspark verbrannt wird, besteht zwar noch Betriebsruhe, auf der Terrasse des Schlossparkrestaurants wird es trotzdem ein Bewirtungsangebot geben.