Frauen an der Spitze des Bundes
Zwölf Männer haben das Amt des Bundespräsidenten bisher ausgeübt. Bei der Wahl am 30. Januar 2027 könnte sich das ändern – und dann würden zwei Frauen oberste Staatsämter besetzen.
Berlin (dpa) - Bald könnte neben Julia Klöckner (CDU) als Bundestagspräsidentin eine weitere Frau eine Spitzenposition des Bundes erobern: das Bundespräsidialamt. Zwei Frauen als Chefinnen der drei wichtigsten Verfassungsorgane gab es bisher nur in einer kurzen Übergangsphase am Ende der Ära Merkel. Frauen an der Spitze der insgesamt fünf Verfassungsorgane sind bisher eher eine Ausnahme - eine Bilanz:
Bundespräsidentin oder Bundespräsident: Eine Frau wäre hier nach bisher zwölf Männern ab 2027 Neuland.
Präsidentin oder Präsident des Deutschen Bundestages: Seit 1949 führten 15 Personen die Geschäfte des Parlaments. Die erste Frau unter ihnen war von 1972 bis 1976 die SPD-Politikerin Annemarie Renger. Dann folgten Rita Süssmuth (CDU) von 1988 bis 1998 und Bärbel Bas (SPD) von 2021 bis 2025. In einer Übergangsphase von sechs Wochen leitete Bas bereits das Parlament, während Angela Merkel (CDU) bis zur Wahl von Olaf Scholz (SPD) zum Bundeskanzler noch die Regierungsgeschäfte führte. Seit 2025 ist Julia Klöckner Präsidentin des Bundestages. Bei der Wahl einer Bundespräsidentin Anfang kommenden Jahres würden erneut zwei Frauen Spitzenpositionen innehaben.
Bundeskanzlerin oder Bundeskanzler: Angela Merkel startete 2005 als erste Kanzlerin in Deutschland - und blieb es 16 Jahre lang. Nur ihr Ziehvater Helmut Kohl (CDU) regierte ebenfalls so lange (1982 bis 1998). Insgesamt gab es in der Bundesrepublik bisher 9 Bundeskanzler und eine Bundeskanzlerin.
Bundesrat: Auch er gehört zu den fünf ständigen Verfassungsorganen. Die Präsidentschaft wechselt jährlich, bis 2010 bekleideten ausschließlich Männer dieses Amt. Seitdem waren mit Hannelore Kraft, Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Anke Rehlinger vier SPD-Frauen Chefinnen. Insgesamt gab es bisher 58 Amtsinhaber.
Bundesverfassungsgericht: Hier standen seit der Gründung im Jahr 1951 zehn Personen an der Spitze. Darunter war mit Jutta Limbach (SPD) von 1994 bis 2002 eine Frau.