Bergsträßer Jagdklub St. Hubertus kritisiert Elektrozaun gegen Ausbreitung der Schweinepest
Jäger halten Zäune für „unwirksames Mittel“. Was den Klub außerdem stört und warum die Bejagung bei der Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest helfen könnte.
Kreis Bergstraße. Unter der Jägerschaft im Kreis Bergstraße herrscht Unverständnis, Unmut und großer Frust über die bisherige Entwicklung und die aktuelle Situation in Sachen Afrikanische Schweinepest (ASP). Das erklärt Jagdklub St. Hubertus in einer Pressemitteilung.
Seit etwa neun Monaten werde, ausgehend von den EU-Regularien und den Vorgaben des zuständigen Hessischen Ministeriums für Landwirtschaft und Umwelt, Weinbau, Forsten, Jagd und Heimat, versucht, der ASP Herr zu werden – vergeblich. Mit Millionenaufwand werde dabei verzweifelt versucht, mit Zaunbau, Kadaversuche und -bergung sowie Drohnenbefliegungen die Seuche einzudämmern und die Ausbreitung zu verhindern.
Dabei müsse die örtliche Jägerschaft nahezu tatenlos zusehen, wie in ihren Revieren „fremde Personen“, zum Teil ohne vorherige Ankündigung und Abstimmung und vor allem ohne Kenntnisse des Reviers und der Wildeinstände, sich auf die Suche nach den kranken und verendeten Tieren machen. „Den scheinbar einzigen Nutzen, könnte man meinen, haben dabei die beauftragten Dienstleister, die für ihre Leistungen entsprechend ‚auskömmlich‘ honoriert werden“, erklärt der Jagdclub.
Mehr als 300 Kadaver geborgen
Unabhängig davon unterstütze die Jägerschaft seit Monaten ehrenamtlich die durch die Veterinärbehörde koordinierte Kadaverbergung. Mehr als 300 Kadaver in rund 500 bis 600 Stunden habe sie in ihrer Freizeit und insbesondere am Wochenende geborgen und entsorgt – ohne finanzielle Entschädigung des Zeit- und Fahrtkostenaufwands.
„Um es deutlich zu sagen: Die Zusammenarbeit mit den zuständigen Stellen im Kreis Bergstraße – Untere Jagdbehörde und Veterinärbehörde – und der Jägerschaft ist im Hinblick auf mögliche Strategien und Vorgehensweisen zur Bekämpfung der Schweinepest eng und vertrauensvoll. Allein die ministeriellen Vorgaben und Regularien verhindern eine angemessene Strategie für die speziellen örtlichen Gegebenheiten und Randbedingungen im Ried und im Odenwald“, heißt es in der Pressemitteilung.
Genau deshalb hat der Kreis Bergstraße angekündigt, die Erlegung von Wildschweinen zur Bekämpfung und Eindämmung der ASP zeitnah zu ermöglichen. Eine Umsetzung der dahingehenden Überarbeitung der Allgemeinverfügung zur Bekämpfung der ASP bei Haus- und Wildschweinen des Kreises Bergstraße stehe seit geraumer Zeit aus und warte auf die längst überfällige Zustimmung des Ministeriums.
Gerade weil sich die ASP vom Ried in den Odenwald mit großen Schritten ausweitet, fordern die Jägerschaft und der Kreis Bergstraße, umgehend mit der Bejagung zu beginnen und somit einen wirksamen Beitrag zur Bekämpfung und Eindämmung der Ausbreitung zu leisten. Stattdessen würden aktuell durch das Ministerium umfangreiche, kilometerlange Zäune im Odenwald erstellt.
Die Jägerschaft sieht diese Maßnahmen als unwirksames Mittel an. Die bisherigen Erfahrungen im Hinblick auf die Eindämmung und Ausbreitung der Seuche belegten diese Einschätzung eindeutig. Vielmehr seien Zäunungsmaßnahmen im Odenwald ein Zeichen der Hilflosigkeit und Ohnmacht des Ministeriums im Rahmen der ASP-Bekämpfung. „Sie sind in der Konsequenz eine verantwortungslose Verschwendung von Steuergeldern“, unterstreicht der Jagdclub.
Strategie hat versagt
Die bisherige Strategie des Ministeriums, die Ausbreitung der ASP durch Zäune und Verbot der Bejagung von Schwarzwild einzudämmen, habe deutlich versagt. Es sei nicht gelungen, die weitere Ausbreitung zu verhindern. Dies zeigten die aktuellen Funde „hinter den Zäunungen“. Diese belegten, dass im Hinblick auf die Gegebenheiten eines stark besiedelten Ballungsraums mit vielen infrastrukturellen Zwangspunkten, die in anderen Regionen Deutschlands (beispielsweise Brandenburg) erfolgreichen Strategien, in Südhessen nicht greifen. Stattdessen sei es seitens des Ministeriums von Beginn der Seuchensituation an versäumt worden, unter aktiver Zuhilfenahme der Behörden und der Jägerschaft vor Ort eine wirkungsvolle Strategie zu entwickeln und umzusetzen. „Jetzt breitet sich die Schweinepest in den Odenwald aus, wo die Ausbreitung nicht mehr durch feste und/oder mobile Zäune wirkungsvoll aufgehalten werden kann“, so die Jäger.
Aufgrund der bisherigen Entwicklungen und Erfahrungen seit Ausbruch der ASP im Juni 2024 fordert die Jägerschaft, endlich eine intensive Bejagung von Schwarzwild in allen Zonen zu ermöglichen, um damit den Schwarzwildbestand zu reduzieren und die weitere Ausbreitung in den Odenwald einzudämmen.