„Am Schloßpark“ in Birkenau: Anwohner befürchten Katastrophe
Seit der Ankündigung der Kreisverkehrsbehörde, die Tempo-30-Zone in der Straße „Am Schloßpark“ wieder aufzuheben, sehen die Anwohner ihre Kinder, aber auch ältere Menschen in Gefahr.
Birkenau. Lena (5) und Anna (3) wohnen in der Straße „Am Schloßpark“, wo zurzeit noch Tempo 30 angeordnet ist. Schon jetzt blicken ihre Eltern Marina und Bernd Martin mit Sorge auf den Sommer, wenn das größere ihrer beiden Kinder eingeschult wird. Der Schulweg führt nämlich ein gutes Stück die genannte Straße entlang. „Unser Kind den Weg allein gehen zu lassen, wäre unverantwortlich“, sagt der junge Familienvater. Aber selbst in Begleitung eines Erwachsenen sei es immer noch brandgefährlich, die Strecke zu Fuß zurückzulegen.
Volker Halblaub, vielen Birkenauern bekannt durch seine aktive Zeit als Fußballer beim VfL und durch sein Wirken beim Volks-Chor, hat selbst keine kleinen Kinder mehr. Ein Satz von ihm spricht aber für sich und macht die ganze Dramatik der Situation in der Straße „Am Schloßpark“ deutlich: „Ich bin froh, dass meine Kinder das überlebt haben.“ Als wäre die Verkehrssituation nicht schon prekär genug, müssen die Anwohner jetzt möglicherweise eine weitere Kröte schlucken: Die Verkehrsbehörde will die Tempo-30-Zone, die die Anwohner vor Lärm schützen soll, aufheben, sodass danach die innerorts übliche Begrenzung von 50 Kilometern pro Stunde gilt.
Fast alle fahren zu schnell
Bei einem Pressegespräch machten gestern das Ehepaar Martin, Volker Halblaub, Gisela und Karl Bräumer, Bruno Schäfer und Eugen Berbner – allesamt in der Straße „Am Schloßpark“ ansässig – ihre Bedenken gegen die Aufhebung der Tempo-30-Zone deutlich. Sie alle berichten von Erfahrungen mit gefährlichen Situationen auf der Straße. Warum das so ist, ist schnell erklärt. Zum einen hält sich so gut wie niemand an die vorgeschriebene Geschwindigkeitsbegrenzung – eine Behauptung, die der Überprüfung sicherlich standhält. Wer sich zu den Stoßzeiten schon einmal von Birkenau auf den Weg nach Nieder-Liebersbach – oder umgekehrt – gemacht hat, kann ein Lied davon singen. Stundenlang folgt ein Fahrzeug dem anderen – ein Überqueren der Straße ist gerade für Kinder und alte Menschen kaum möglich und zudem viel zu gefährlich. Bruno Schäfer moniert in diesem Zusammenhang, es gebe viel zu selten Geschwindigkeitskontrollen.
Parkflächen wurden auf der Straße markiert, unter anderem auch deswegen, weil man sich davon versprach, die Autofahrer auf diese Weise zum Langsamfahren zu zwingen. Das allerdings klappt allenfalls mittelmäßig: Nicht selten sind sich die Autofahrer uneinig, wer denn eigentlich Vorfahrt hat, und wenn dann zwei Fahrzeuge zur gleichen Zeit anfahren, kommt es auch dadurch schnell zu prekären Situationen, erst recht, weil auch schwere Lkw die Straße befahren. Da kann es leicht passieren, dass ein Verkehrsteilnehmer auf den Bürgersteig ausweicht, wovon beschädigte Pfosten zeugen, die eigentlich genau das verhindern sollen.
Besonders hoch sei das Verkehrsaufkommen im vergangenen Jahr während der mehrtägigen Sperrung der Landesstraße im Birkenauer Tal gewesen, erinnerte Bernd Martin. Ähnliches könne den Anwohnern schon bald wieder blühen, sagte Eugen Berbner. Möglicherweise noch in diesem Jahr soll die Sanierung der Ortsdurchfahrt von Birkenau beginnen.
Mapplassary auf Seite der Bürger
Ganz offensichtlich haben die Anwohner in Bürgermeister Milan Mapplassary einen Verbündeten gefunden. „Ich bin auf der Seite der Bürger“, sagte der Rathauschef auf Anfrage, „die Kreisstraße sollte in jedem Fall eine Tempo-30-Zone bleiben.“ Es sei eine Tatsache, dass in der Straße „Am Schloßpark“ auch kleine Kinder leben. Der Schulweg verlaufe direkt an der Straße. „Und man kann nicht behaupten, dass der Bürgersteig in diesem Bereich besonders breit ist.“ Gleich nach der Mitteilung der Kreisverkehrsbehörde, hier die Tempo-30-Regelung aufzuheben, habe das Ordnungsamt seine Bedenken in einer schriftlichen Stellungnahme geltend gemacht. „Leider liegt die Entscheidung beim Kreis. Wir als Gemeinde haben hier generell keinen Einfluss.“