Abtsteinach

Abtsteinacher Bürgermeisterin vor Karrieresprung

Die frisch gewählte Erste Kreisbeigeordnete zu ihrem Wechsel vom Abtsteinacher Rathaus ins Landratsamt in Heppenheim.

Nach der erfolgreichen Wahl zur Ersten Kreisbeigeordneten wird Angelika Beckenbach noch bis zum 31. August Bürgermeisterin der Gemeinde Abtsteinach sein, dann wird der Wechsel ins Landratsamt vollzogen. Foto: Marco Schilling
Nach der erfolgreichen Wahl zur Ersten Kreisbeigeordneten wird Angelika Beckenbach noch bis zum 31. August Bürgermeisterin der Gemeinde Abtsteinach sein, dann wird der Wechsel ins Landratsamt vollzogen.

Zum ersten Mal in der Geschichte des Kreises Bergstraße wird der Posten des Ersten Kreisbeigeordneten von einer Odenwälderin besetzt. Nachdem sie in der Kreistagssitzung am vergangenen Montag von den Abgeordneten der Kreiskoalition aus CDU und Grünen sowie einer weiteren Stimme gewählt worden ist, wird Angelika Beckenbach am 1. September ihr neues Amt im Heppenheimer Landratsamt antreten. Aktuell ist sie Bürgermeisterin von Abtsteinach.

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Bürgermeister gesucht

Dementsprechend wird sie ihre aktuelle Aufgabe als Bürgermeisterin der Gemeinde Abtsteinach am 31. August aufgeben. Das bedeutet für die Hardberggemeinde, dass ein neuer Rathauschef gewählt werden muss und der Erste Beigeordnete Alois Berbner ab dem 1. September bis dahin die Amtsgeschäfte übernehmen muss. Gegenüber unserer Redaktion beschreibt Angelika Beckenbach ihre Gemütslage und die Erwartungen, die sie mit ihrer neuen Herausforderung verbindet, wirft aber auch einen Blick auf die weitere Entwicklung in Abtsteinach.

Frau Beckenbach, wie fühlt man sich als frisch gewählte Erste Kreisbeigeordnete?

Beckenbach: Ich bin sehr glücklich und dankbar für das Vertrauen, das mir mit meiner Wahl zum Ausdruck gebracht wurde, und freue mich sehr auf die neue Aufgabe.

Sie hatten sich im Vorfeld der Wahl bei den Fraktionen vorgestellt. Welche Eindrücke nahmen Sie aus den Gesprächen mit?

Beckenbach: Ich habe mich bei allen Fraktionen, die mich zu einem Gespräch eingeladen haben, vorgestellt. Der Austausch mit allen Fraktionen war sehr offen und sachlich und fand in angenehmer Atmosphäre statt. Von allen wird ein konstruktives und vertrauensvolles Miteinander gewünscht, das auch meiner Arbeitsweise und Einstellung zum Amt der Ersten Kreisbeigeordneten entspricht.

Zwischen zwei „Alphatieren“? Angelika Beckenbach geht nicht davon aus, dass sie sich als Erste Kreisbeigeordnete gegenüber Landrat Christian Engelhardt (rechts) und dem Kreisbeigeordneten Matthias Schimpf (links) wird behaupten müssen. Sie erwartet ein vertrauensvolles Miteinander. Foto: Thomas Neu
Zwischen zwei „Alphatieren“? Angelika Beckenbach geht nicht davon aus, dass sie sich als Erste Kreisbeigeordnete gegenüber Landrat Christian Engelhardt (rechts) und dem Kreisbeigeordneten Matthias Schimpf (links) wird behaupten müssen. Sie erwartet ein vertrauensvolles Miteinander.

Bei der Kreiskoalition war man sich angesichts der Mehrheit ziemlich sicher, dass Sie gewählt werden, doch letztlich weiß man nie, wie so etwas ausgeht. Hatten Sie Zweifel vor der Wahl?

Beckenbach: Nein, ich hatte keine Zweifel an der Geschlossenheit der Kreiskoalition.

Wie bewerten Sie das Ergebnis mit 39 Ja-Stimmen und damit einer mehr, als die Kreiskoalition stellte?

Beckenbach: Ich freue mich über dieses klare Votum von rund 61,9 Prozent der anwesenden Kreistagsabgeordneten.

Die FDP traut Ihnen laut deren Vorsitzendem Christopher Hörst diese Aufgabe nicht zu. Wie beantworten Sie seine Kritik?

Beckenbach: Ich bin überzeugt, dass ich durch meine umfassende Verwaltungsausbildung, meine langjährige Berufserfahrung und mein sachorientiertes Arbeiten die Voraussetzungen für das Amt erfülle. Das erforderliche Engagement, sich in neue Sachverhalte hineinzuarbeiten, die Empathie für die Belange der Bürger, meine Entscheidungskraft und der freundliche, aber bestimmte Führungsstil ergänzen dies. Ansonsten hätte ich mich auf dieses Amt nicht beworben.

Die SPD hatte im Vorfeld kritisiert, dass Sie der CDU beitreten wollen, obwohl Sie vorher erklärt hätten, unabhängig zu bleiben. Bleibt es bei dem Beitritt?

Beckenbach: In dem Vorstellungsgespräch bei der SPD habe ich bereits mitgeteilt, dass ich der CDU beitreten werde, und diesen Beitritt habe ich inzwischen auch vollzogen.

Am 1. September treten Sie dann Ihre neue Aufgabe an. Wie werden Sie sich darauf vorbereiten?

Beckenbach: Zunächst einmal bin ich bis Ende August Bürgermeisterin und konzentriere mich auf diese Aufgabe, auch weil hier in Abtsteinach nun Neuwahl und Wechsel anstehen. Gleichwohl habe ich jedoch schon am Freitag erste Gespräche in der Kreisverwaltung. Schließlich will ich dann am 1. September mit ganzer Kraft durchstarten.

"Meine Zusammenarbeit mit Landrat Engelhardt und dem Kreisbeigeordneten Schimpf als Bürgermeisterin war immer schon gut und vertrauensvoll."

Wie werden Sie sich zwischen den beiden „Alphatieren“ Christian Engelhardt und Matthias Schimpf behaupten können?

Beckenbach: Meine Zusammenarbeit mit Landrat Engelhardt und dem Kreisbeigeordneten Schimpf als Bürgermeisterin war immer schon gut und vertrauensvoll. Und so wird auch unsere Zusammenarbeit auf Kreisebene nicht durch ein „Behaupten“ zwischen Kollegen geprägt sein, sondern durch ein vertrauensvolles Miteinander im Team, konstruktiv und sachlich.

Mit dem Wechsel nach Heppenheim endet für Sie ein Lebensabschnitt in Abtsteinach. Wie schwer fällt Ihnen der Abschied aus dem Rathaus?

Beckenbach: Ich gebe mein Amt als Bürgermeisterin, das ich mit viel Engagement und Herzblut ausgeübt habe, mit einem lachenden und einem weinenden Auge auf. Die sehr gute Zusammenarbeit mit den Fraktionen, den Ehrenamtlichen und insbesondere der Kontakt mit den Bürgern waren mir immer sehr wichtig, und ich werde meine Kollegen im Rathaus, dem Bauhof und den Kindergärten sicher vermissen. Ich freue mich aber auch sehr auf die neue Herausforderung und Aufgabe, die nun vor mir liegt.

Welche Vorhaben wollen Sie in der Zeit bis zum 31. August noch in Abtsteinach umsetzen?

Beckenbach: Zum 1. August übernimmt die Gemeinde Abtsteinach die Trägerschaft des derzeitigen katholischen Kindergartens. Der Abschluss der hierzu noch erforderlichen Aufgaben haben äußerste Priorität. Ansonsten ist es mir wichtig, die laufenden Projekte und Maßnahmen so vorzubereiten, dass diese ohne beziehungsweise mit möglichst wenig Verzögerung fortgeführt werden können.

Alois Berbner wird in der Zeit der Vakanz als Erster Beigeordneter die Amtsgeschäfte übernehmen. Wie weit können Sie ihn darauf vorbereiten?

Beckenbach: Alois Berbner ist ein langjähriger und sehr erfahrener Kommunalpolitiker, der alle laufenden Projekte und Maßnahmen kennt. In den nächsten Wochen werde ich ihn noch intensiver mit einbinden und über die Sachstände informieren. Zudem kann er auf die motivierten und kompetenten Kollegen der Verwaltung, des Bauhofes und der Kindergärten vertrauen, die ihn bestens unterstützen werden.

Werden Sie sich bei der Suche nach einem neuen Bürgermeister für Abtsteinach einbringen?

Beckenbach: Nein, nicht aktiv. Bei Interesse stehe ich aber selbstverständlich den Fraktionen oder auch potenziellen Interessenten für vertrauliche Gespräche gerne zur Verfügung.

Abtsteinach hat sich in den vergangenen Jahren weiterentwickelt. Was wird Ihr Nachfolger vorfinden, wenn er seine Amtszeit in der Hardberggemeinde antritt?

Beckenbach: Gut vorbereitete, zukunftsweisende Projektplanungen, die es nach Vorlage der abschließenden Beschlüsse und Genehmigungen umzusetzen gilt. Eine solide Finanzsituation, die aber die Gemeinde mit der Umsetzung der Projekte vor große Herausforderungen stellen wird. Ein starkes und zuverlässiges Team von Mitarbeitern. Nette Bürger in einer starken Ortsgemeinschaft, die geprägt ist durch sehr großes ehrenamtliches Engagement. Innovative und leistungsstarke Handwerks- und Gewerbebetriebe und attraktive Arbeitgeber.

Die Gemeinden im Überwald und im Weschnitztal werden sich freuen, dass endlich einmal eine Odenwälderin mit an der Spitze des Landratsamts steht. Werden Sie für deren Belange ein besonders offenes Ohr haben?

Beckenbach: Als Bürgermeisterin einer Odenwald-Kommune sind mir die speziellen Probleme des ländlichen Raumes und auch seine Besonderheiten selbstverständlich bekannt, und sie werden meinerseits auch entsprechende Berücksichtigung finden. Grundsätzlich werde ich als Erste Kreisbeigeordnete aber für alle Kommunen des Kreises gleichermaßen ansprechbar sein und mich um ihre Belange kümmern.