Plötzlich Bürgermeister in Abtsteinach! Wie Alois Berbner seine Zeit als "Vertretungsbürgermeister" erlebt hat
Damit hatte der 75-Jährige nicht gerechnet! Seine Ehefrau war ebenfalls überrascht. Aber als Angelika Beckenbach im Sommer 2024 überraschend ihr Amt niedergelegt hatte, brauchte die Gemeinde Abtsteinach schnell einen Ersatz.
Abtsteinach. Es kam wohl für alle überraschend, als Angelika Beckenbach, die damalige Bürgermeisterin von Abtsteinach, im Sommer 2024 – knapp eineinhalb Jahre nach der Wiederwahl – ihr Amt niederlegte, um Erste Kreisbeigeordnete und stellvertretende Landrätin zu werden. Dass die Gemeinde seitdem keinen Bürgermeister hat, stimmt aber nicht so ganz. Eingesprungen ist Alois Berbner, ehrenamtlicher Erster Beigeordneter der Gemeinde Abtsteinach.
Fünf Monate lang führte er die Amtsgeschäfte der Hardberggemeinde. Am kommenden Freitag endet seine „Amtszeit“ mit der Einführung des im November gewählten Nachfolgers Sven Bassauer. Im Interview blickt Berbner auf das vergangene halbe Jahr zurück und erklärt, wie der Ur-Abtsteinacher persönlich diese Zeit erlebt hat.
Herr Berbner, was war Ihr erster Gedanke, als Sie erfahren haben, dass Sie Frau Beckenbach jetzt vertreten werden?
Alois Berbner: Frau Beckenbach hatte mich gebeten, vorbeizukommen, und mir dann erklärt, dass sie gern Erste Kreisbeigeordnete werden würde und mich gefragt, ob ich dann ihre Aufgaben vertretungsweise übernehmen könnte. Und da habe ich gesagt: „Also gut.“ Dafür war ich als Erster Beigeordneter da – und das habe ich natürlich gern gemacht.
Hätten Sie jemals mit einem solchen Fall gerechnet?
Berbner: Eigentlich gar nicht, das hat mich schon überrascht, zumal Frau Beckenbach ja gerade erst wiedergewählt war. Ich habe daran überhaupt keinen Gedanken verschwendet, dass so ein Fall mal eintreten könnte. Sonst habe ich nur Vertretungen bei Urlauben oder Lehrgängen gemacht oder Termine übernommen.
Und dann? Wie sah die Übergangszeit für Sie aus? Gab es da irgendwas, was Ihnen Bauchschmerzen bereitet hat?
Nein, im ersten Moment eigentlich nicht. In der Zeit, in der Frau Beckenbach noch da war, war ich öfter im Rathaus, und mir wurde das eine oder andere erklärt. Außerdem bin ich seit 35 Jahren in der Gemeindevertretung aktiv und war schon vorher Erster Beigeordneter im Gemeindevorstand - insofern kannte ich das Geschäft halbwegs und wusste mehr oder weniger, worum es geht. Den Posten des „Vertretungsbürgermeisters“ zu übernehmen, war dann aber schon etwas plötzlich.
Wie war es, die Gemeindeverwaltung und die Arbeit in den Gremien von der Verwaltungsseite aus kennenzulernen?
Der Unterschied war gar nicht so groß. Ich habe ja auch schon vorher Sitzungen geleitet und eben neben der Bürgermeisterin gesessen. Gut, bei der Sitzungsvorbereitung und beim Aufstellen der Tagesordnung muss man dann schauen, aber die Themen werden ja auch von der Verwaltung vorbereitet.
Wie haben Sie sich in Ihrem Amt und im Rathaus und der Verwaltungswelt eingelebt?
Ich hatte wegen meines Berufs als Polizeibeamter schon ein paar Einblicke in die Verwaltungsarbeit, aber das war eine ganz andere Richtung. Und es gibt schon Sachen, mit denen man auch als Erster Beigeordneter nichts zu tun hat. Da ist man auf die Mitarbeiter im Rathaus angewiesen.
Nicht ins kalte Wasser geworfen
Die haben Sie bestimmt unterstützt?
Ich kannte die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle schon länger. Insofern war die Zusammenarbeit schon von Anfang an gut. Das muss ich wirklich sagen: Von den Mitarbeitern im Haus habe ich die volle Unterstützung gehabt, in jeder Art und Weise. Da kann ich nur alle loben. Dafür bedanke ich mich ausdrücklich bei allen. Ich bin also nicht ganz ins kalte Wasser geworfen worden.
Gab es etwas, das sich als nicht so einfach herausgestellt hat, wie vielleicht gedacht?
Da gab es schon den einen oder anderen Fall, vor allem, wenn man unterwegs war, zum Beispiel bei einem Hangrutsch im Gewerbegebiet. Da waren Herr Pape vom Hauptamt und ich vor Ort und haben uns angeschaut, welche Maßnahmen zu ergreifen sind.
Eigentlich sind Sie ja im Ruhestand. Wie hat sich denn Ihr Tagesablauf verändert?
Ich war meistens vormittags oder nachmittags im Rathaus. Schließlich bin ich ehrenamtlich „Bürgermeister“ und nicht hauptberuflich. Ich habe mir die Arbeit, die anfiel, entsprechend eingeteilt. Das hat sich aber schnell eingespielt.
"Meine Frau war schon sehr überrascht"
Plötzlich wieder einen „Beruf“ zu haben, war doch bestimmt auch ein Einschnitt in Ihr Familienleben?
Ja, schon. Meine Frau war erst einmal schon überrascht, hat dann aber Verständnis gezeigt. Klar sind wir in unserer Freizeit kürzergetreten, aber da ich eigentlich nur stundenweise im Rathaus war, haben wir uns arrangiert.
Und wenn Sie noch im Beruf gewesen wären? Hätten Sie da auch so einspringen können?
Da ich Beamter auf Lebenszeit war, hätte mich der Dienstherr freistellen müssen. Aber da ich im Ruhestand bin, hat das ganz gut gepasst.
Ihre Zeit als Vertretungsbürgermeister neigt sich dem Ende zu. Wie würden Sie sie rückblickend beschreiben?
Schwierige Frage. Interessant, würde ich sagen. Ich habe die Verwaltung aus einem ganz anderen Blickwinkel gesehen und die Ratshausmitarbeiter noch einmal anders kennengelernt. In der Gemeindevertretung hat man zwar auch Kontakt mit ihnen, aber nicht so intensiv wie jetzt.
Wie geht es Ihnen damit, dass Ihre Amtszeit mit der Amtseinführung von Sven Bassauer am 31. Januar endet?
Ich habe das für unsere Gemeinde gern gemacht. Das ist ja auch meine Aufgabe als Erster Beigeordneter. Aber ich bin auch froh, dass es jetzt vorbei ist. Fünf Monate sind schon eine Hausnummer, vor allem, da das so überraschend war und auch noch ein neuer Bürgermeister gewählt werden musste. Ich genieße dann erst einmal wieder meinen Ruhestand und bleibe Erster Beigeordneter.
Was würden Sie Sven Bassauer mit auf den Weg ins Bürgermeisteramt geben?
Herr Bassauer lebt schon längere Zeit in der Gemeinde und ist auch Mitglied der Gemeindevertretung. Er war in jüngster Zeit auch immer wieder im Rathaus und hat sich über verschiedene Dinge informiert. Insofern bin ich zuversichtlich, dass er das auch meistern wird. Vor allem mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern – das wird bei ihm sicherlich genauso gut klappen wie bei mir.