Heute vor fünf Jahren

Corona: Wie die Skifreizeit der Rimbacher Schüler in Quarantäne endete

Vor genau fünf Jahren kamen die Teilnehmer der Skifreizeit der MLS in Südtirol unter großem Medienrummel wieder in Rimbach an. So begann die Pandemie in der Region.

Es gab einen großen Medienrummel, als die Teilnehmer der MLS-Skifreizeit am 6. März 2020 aus Südtirol zurückkamen. Foto: Fritz Kopetzky (Archivbild)
Es gab einen großen Medienrummel, als die Teilnehmer der MLS-Skifreizeit am 6. März 2020 aus Südtirol zurückkamen.

Rimbach. Corona – wie lange liegt die Pandemie jetzt schon wieder zurück? Das fragen sich viele, aber es ist tatsächlich gerade mal zwei Jahre her, dass die letzten Schutzmaßnahmen aufgehoben wurden. Wie schnell hat sich das öffentliche Leben wieder normalisiert, die Zeit von Maskentragen und Corona-Tests scheint schon lange vorbei zu sein.

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Als Ende 2019 und dann in den ersten Monaten des Jahres 2020 die ersten Meldungen über das neue Coronavirus veröffentlicht wurden, wusste man noch nicht, wie man das alles einschätzen sollte. Für den Odenwald markierte der 6. März 2020 ein in dieser Hinsicht besonderes Datum, denn zum ersten Mal machte sich die bevorstehende Pandemie nachdrücklich in der Öffentlichkeit bemerkbar.

Grippale Symptome

An diesem Freitag vor fünf Jahren wurde die Rückkehr der Teilnehmer der jährlichen Skifreizeit der Rimbacher Martin-Luther-Schule in Südtirol erwartet. Im Laufe der Woche hatten ein Siebtklässler und eine Begleitperson grippale Symptome gezeigt. Ob es sich nur um einen Influenzavirus handelte oder tatsächlich um eine Corona-Infektion, konnte zu diesem Zeitpunkt nicht festgestellt werden.

Deshalb entschied der Kreis Bergstraße, dass alle Teilnehmer der Skifreizeit nach ihrer Rückkehr vorsorglich unter häusliche Quarantäne gestellt werden, wobei sie unmittelbar nach der Ankunft in Rimbach durch das Gesundheitsamt untersucht werden sollten. „Durch die Quarantäne direkt nach der Rückkehr bestehen die besten Voraussetzungen dafür, dass es keine weiteren Kontakte der Verdachtsfälle mit weiteren Personen unserer Region gibt“, erklärte Landrat Christian Engelhardt damals.

Auch wenn die Anordnung nur eine reine Vorsichtsmaßnahme darstellen sollte, sorgte die entsprechende Pressemitteilung aus dem Landratsamt im Vorfeld der Ankunft an diesem 6. März für enormen Wirbel bis weit über den Odenwald hinaus, weil es vergleichbare Fälle bis dato noch nicht gegeben hatte. Das überregionale Medieninteresse war derart groß, dass sich der Kreis und die Schulleitung genötigt sahen, den Eingang auf das Schulgelände mit einem Feuerwehrwagen zu versperren, der Zutritt wurde verboten.

Großes Aufgebot

Als der erste von zwei Bussen gegen 17.30 Uhr auf den Schulparkplatz rollte, wurden die Schüler und die Begleitpersonen von einem großen Aufgebot an Mitarbeitern des Bergsträßer Landrats- und des Gesundheitsamtes in Empfang genommen. Die Eltern mussten derweil in der Mensa auf ihre Schützlinge warten, denn die Behördenmitarbeiter befragten jeden einzelnen Siebtklässler nach grippalen Symptomen. Bei entsprechenden Hinweisen wurde bei den Schülern ein Abstrich genommen. Neben dem Schüler und der Begleitperson, die bereits mittwochs über Beschwerden geklagt hatten, zeigten zwei weitere Personen auf der Rückreise Symptome. Auch sie wurden vorsorglich getestet. Wer keine Symptome aufwies, musste sich dagegen keinem Test unterziehen.

Bei manchen Eltern machte sich Unmut breit angesichts der Maßnahmen, vereinzelt flossen Tränen. Die Eltern waren jedoch morgens von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes über die Situation und über die angeordnete Quarantäne informiert worden.

Die damalige Schulleiterin Beate Wilhelm verteidigte in einer Erklärung, dass die Skifreizeit nicht abgesagt worden sei, denn Südtirol hatte zu diesem Zeitpunkt nicht als sogenanntes Risikogebiet gegolten und seitens des Landes Hessen und des Kultusministeriums hatte es noch keine Reiseverbote für Schulfahrten gegeben. „Schuldzuweisungen, Beschimpfungen und Falschmeldungen, die es leider auch gibt, verschlimmern die Situation und schüren Konflikte in einer Phase, wo wir alle zum Wohle unserer Schule zusammenhalten sollten“, erklärte sie.

Der erste Lockdown

Die 99 betroffenen Schüler, deren Tests im Übrigen allesamt negativ waren, sollten nach der Quarantäne erst einmal nicht mehr an das Gymnasium zurückkehren können, denn am 16. März 2020 beschloss die Bundesregierung angesichts der immer weiter steigenden Infektionsfälle den ersten Lockdown in der Geschichte der Bundesrepublik, der dann am 22. März in Kraft trat.