Rimbach

Das Fagott hören und begreifen im Kunstpalast Rimbach

Franz-Jürgen Dörsam präsentiert im Grünen Salon ein Instrument mit komplizierten „Familienverhältnissen“.

m Zeichen des Fagotts stand das Gesprächskonzert im Rahmen des „Grünen Salons“ im Kunstpalast. Foto: Fritz Kopetzky
m Zeichen des Fagotts stand das Gesprächskonzert im Rahmen des „Grünen Salons“ im Kunstpalast.

Was ist eigentlich ein Dulzian und wie unterscheidet es sich vom modernen Fagott? Wie spielt man Rankett, Savery und Basson und wie kommt man überhaupt dazu? Diese und viele andere Fragen klärte Franz-Jürgen Dörsam beim „Gesprächskonzert“ in Rimbach. Der Kunstpalast hatte zum musikalischen Nachmittag mit Fachvortrag geladen, was dem begnadeten Musiker ein wichtiges Anliegen ist: „Instrumente und Musik begreifen, statt einfach nur hören. In den Austausch kommen und sich unterhalten, das finde ich enorm wichtig“, so der Mann, der Lissabon seine zweite Heimat nennt.

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Denn Franz-Jürgen Dörsam ist mit seiner Leidenschaft zur Musik weit gereist. Er spielte in den unterschiedlichsten Formationen und tut dies noch heute. So gab es am Sonntag nicht nur die Instrumentenlehre, sondern auch einiges zu hören. Das Caleidoscopió-Quartett gab Kostproben seines Repertoires. Darunter Werke von Mozart oder Justus Johann Friedrich Dotzauer. Es spielten Dörsam selbst am Fagott, Christine Rox (Violine), Gerardo Gramajo (Viola) und Martin Bärenz (Violoncello).

In die Geschichte abtauchen

Die Gäste hatten so die Möglichkeit, ins 18. Jahrhundert abzutauchen. Etwa mit dem Duo für Fagott und Violoncello KV 292 Allegro Andante Rondo von Mozart, oder aber Allen Stephensons Miniatur-Quartett für „Bassoon and Strings“. Es ertönte Luís Freitas Brancos „Melodie religieux e Aria“ und Augusto Neuparths Variationen über „Robert, le diable“. Daneben hatte die Gruppe drei Tangos von Carlos Gardel im Gepäck, außerdem Werke von Astor Piazzolla.

„Portugiesische Einflüsse dürfen bei solchen Auftritten natürlich nicht fehlen“, so Dörsam, der sich dem südeuropäischen Land sehr verbunden fühlt. Doch auch das Fagott hat es ihm eben angetan und diese Leidenschaft teilt er nur allzu gerne. „Ich finde es klasse, mich mit anderen Musikern auszutauschen. Voneinander kann man doch am besten lernen.“

Für seine „Fagott-Facetten“ hatte sich Dörsam von Michael Valentin Unterstützung geholt. Dieser trug Texte vor und Dörsam spielte. So wurden die Unterschiede der einzelnen Epochen und Fagott-Arten deutlich. Zu hören war „Der Tantenmörder“ von Wedekind und die „Ballade der Gehängten“ von Villon. Dann hatten die Gäste die Gelegenheit, mit Dulciane, Barockfagott, Rankett, Savery Basson, Basson, dem deutschen Fagott des 19. Jahrhunderts, dem modernen Basson und dem Heckel-Fagott auf Tuchfühlung zu gehen. Es wurde deutlich, dass das Dulzian beispielsweise viel sanfter klingt. Doch eigentlich funktionieren Fagott und Dulzian nach demselben Prinzip der Klangerzeugung: Das Mundstück besteht aus einem Doppelrohrblatt. Die konische Röhre hat die Form eines „U“, wobei die Seite länger ist, an deren Ende die Luft austritt.

Das Dulzian entstand, als im 16. Jahrhundert noch die Schalmeien und Pommern die beliebtesten Doppelrohrblattinstrumente waren. Da der Bass-Pommer allerdings sehr unhandlich war, kam man auf die Idee, das extrem lange Rohr gewissermaßen zu falten. „Die Familienverhältnisse bei den Fagotten sind kompliziert“, so Dörsam. Prinzipiell verstünde man unter einem Fagott die Instrumente, die aus vier Teilen zusammengesetzt werden – eine Bauweise, die seit der Mitte des 17. Jahrhunderts verbreitet ist.

Die Kautschuk-Reform

Die erste Ausnahme ist aber gleich das Dulzian: Es wird aus einem einzigen Stück Holz gefertigt und war somit das Vorläufermodell. Das Rankett erklang im Zeitalter der Renaissance. Und das Hackel-Fagott gehe auf eine Reform zurück. Denn ab 1889 begann Wilhelm Heckel schließlich, die Fagotte mit Kautschuk auszufüttern. Dieses Material verhinderte, dass durch das Spielen erzeugte Feuchtigkeit in die Holzporen der Bohrung eindringt und das Instrument von innen zu faulen beginnt. Zudem erzeugte Kautschuk eine spiegelglatte und porendichte Innenwandung, was eine einfache Ansprache sowie glanzvolle Töne ermöglichte.

Der Name Fagott leitet sich aus dem altfranzösischen fagot und dem italienischen fagotto ab, was Bündel oder Reisig bedeutet und auf die Bauweise des Instruments hinweist. „Es gibt viel Literatur für dieses Instrument“, so Dörsam, der sich das Spiel auf den unterschiedlichen Instrumenten selbst beibrachte.

Der Bass der Kammermusik

Neben Solowerken findet das Fagott vor allem auch in der Kammermusik Anwendung und übernimmt hierbei vor allem die Funktion des Basses. Im Orchester wird das Fagott hauptsächlich als Generalbassinstrument verwendet. Am Klavier wurden Dörsam und Valentin von Svetlana Hauck unterstützt. Von dem Verlauf der Veranstaltung zeigt sich der Musiker so begeistert, dass er sich eine baldige Wiederholung vorstellen kann. mpa