Konzert

Jazz mit Flöte und Bass fasziniert in der Studiobühne Fürth

Das Duo „Flute ’n’ Bass“ beschert dem Publikum in Fürth einen ganz besonderen Hörgenuss.

Stephanie Wagner und Norbert Dömling spielten in der Fürther Studiobühne hochkarätigen Jazz mit einer ungewohnten Instrumentierung: Flöte und Bass. Foto: Marco Schilling
Stephanie Wagner und Norbert Dömling spielten in der Fürther Studiobühne hochkarätigen Jazz mit einer ungewohnten Instrumentierung: Flöte und Bass.

Erstklassigen Jazz in kleinstmöglicher Besetzung erlebten die Zuhörer in der Studiobühne in Fürth beim Gastspiel des Duos „Flute ’n’ Bass“. Betreiber Matthias Dörsam begrüßte die zahlreich erschienene Zuhörerschaft zum vorletzten Konzert dieses Jahres im „kulturellen Wohnzimmer“ Fürths. Mit dem Jazz-Duo, bestehend aus der Flötistin Stephanie Wagner und dem Kontrabassisten Norbert Dömling, hatte er zwei renommierte, mit Preisen ausgestattete Musiker für einen Auftritt gewinnen können, die einen Abend mit Instrumentalmusik besonderer Art boten – was Spielfreude, Vielfalt der verwendeten Stilmittel und Instrumentales Können angeht. Das zeigten die beiden Musiker aus Seeheim-Jugenheim vom Beginn ihres Konzertes an, in das sie mit dem Stück „Traces“ von ihrem gleichnamigen Debüt-Tonträger starteten. Ein prägnanter, eingängiger Blues-Basslauf wurde Grundlage für das musikalische Thema und die virtuosen wie gefühlvollen Improvisationen Wagners.

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Den Lockdown genutzt

Seine großen Fertigkeiten auf dem Bassgriffbrett stellte der diesjährige Gewinner des Darmstädter Musikpreises bei einem eingängigen Solo unter Beweis, begleitet von gehauchten perkussiven Einlagen Wagners. Die beiden Musiker, die den Corona-Lockdown genutzt hatten, um in Dömlings Garten in Seeheim/-Jugenheim an den Eigenkompositionen ihres neuen Projektes zu feilen, machten beim zweiten Stück eine kleine Ausnahme und intonierten eine Komposition, die nicht aus eigener Feder, sondern aus der des US-amerikanischen Jazz-Gitarristen und Komponisten John Scofield stammt, bevor sie mit „Daydreaming“ wieder zu eigenem Material zurückkehrten. Ein langsames, einfühlsames Stück, bei dem die Musiker die große Klangvielfalt ihrer besonderen Instrumentierung zur Geltung brachten. Diese wird geprägt von dem warmen Sound eines sonoren Holzinstruments, das sich in der Musik des Duos wunderbar die Hand reicht mit dem metallischen Klang der Querflöte, reich an Obertönen.

Bassist Dömling sagte, dass dieses Stück eher zufällig entstanden sei. Er habe nach einigen Monaten eine Aufnahme, als er ins Bassspielen vertieft war, erneut angehört und festgestellt, dass diese doch eigentlich eine komplette, eigenständige Komposition darstellt. Das Werk „Wind“ wiederum hatte Wagner für ihr Quintett „Quinsch“ geschrieben. Dass es sich aber auch vortrefflich für ein Bass-Flöten-Duo eignet, stellten die Musiker an diesem Abend unter Beweis. Das Duo packte mit viel instrumentaler Finesse Windgeräusche in Rhythmus, Melodie und Harmonie, sei es durch eingestreute Randschwingungen der Kontrabasssaiten, die Dömling hier und da auch mit dem Bogen strich, oder durch das Überblasen der Töne durch die Flötistin, die dann wieder die Ventilklappen ihrer Bass-Querflöte als perkussives Element zum Einsatz brachte.

Ausflug nach Lateinamerika

Einen Ausflug in die lateinamerikanische Musik bescherten die beiden ihrer Zuhörerschaft mit dem Stück „Pumpkins And Pearls“, das seinen Titel von der Afoxé erhielt, der in der brasilianischen Musik verwendeten Gefäßrassel – einem in ein Perlennetz eingefassten ausgehöhlten Kürbis.

Nicht dieses Instrument, sehr wohl aber den gleichnamigen Rhythmus hatten die beiden als Grundlage gewählt für ein Stück, dass die Füße zum Wippen brachte und den Musikern Gelegenheit gab, sich die Bälle auf höchstem instrumentalen Niveau zuzuwerfen.

Gemeinsam mit dem Auditorium begab sich das Duo bei dem Stück „Dream Of Nowhereland“ auf eine besondere musikalische Reise. Schließlich hätte es einige Monate gebraucht, diesen besonderen Rhythmus in Töne zu fassen, den er während eines Fiebertraums bei einer Afrika-Reise im Kopf hatte, sagte Dömling. Das Ergebnis ist eine langsame, eingängig-monotone Basssequenz, die als Grundlage einer komplexen Jazz-Komposition dient, bei der etliche Dynamik- und Rhythmuswechsel für Hörgenuss sorgten.

Das Konzert des Duos „Flute ’n’ Bass“ bot eine aufregende Klangreise mit zwei sehr versierten Reiseführern, die dem Zuhörern in der Studiobühne in Fürth einen echten Ohrenschmaus zum Jahresausklang bescherten.