Konzert

Frédéric Rabold und seine Crew begeistern in Fürth

Die Studiobühne Fürth erlebt einen Konzertabend der Extraklasse. Mit stilistischen Ausflügen und instrumentalen Besonderheiten.

Die Frédéric Rabold Crew schenkte den Musikfreunden in der Fürther Studiobühne einen großartigen Konzertabend. Der Bandleader (rechts) gilt als nimmermüdes Urgestein der Jazzszene. Foto: Marco Schilling
Die Frédéric Rabold Crew schenkte den Musikfreunden in der Fürther Studiobühne einen großartigen Konzertabend. Der Bandleader (rechts) gilt als nimmermüdes Urgestein der Jazzszene.

„Ich habe Frédéric Rabold schon als Schüler verehrt und seinen Modern Jazz am Kofferradio gehört“, erzählte Matthias Dörsam, Saxofonist und Hausherr der Fürther Studiobühne, am Donnerstagabend. Daher konnte er es kaum fassen, dass der in Paris lebende, berühmte Trompeter und Flügelhornist jetzt leibhaftig auf seiner Hausbühne stand.

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Möglich gemacht hatte das Fürther Gastspiel sein Musiker-Freund Fritz Heieck, der seit vielen Jahren Bassist der Rabold-Crew ist. Ein Glück für jene Zuschauer, die ein unvergessliches Jazz-Konzert mit sechs ebenso virtuosen wie sympathischen Musikern erleben durften. Ein Konzert, das vor allem deshalb begeisterte, weil es sich stilistisch nach allen Seiten offen zeigte.

Ob Swing, Funk, Latin oder Avantgarde: Sämtliche Stücke, die an diesem Abend präsentiert wurden, stammen aus Rabolds Feder und doch bleibt jedem seiner Musiker die Möglichkeit, eigene Akzente zu setzen. Neben dem Bandleader und Trompeter Frédéric Rabold, der im nächsten Jahr seinen 80. Geburtstag feiert, bildete die herausragende Saxofonistin Regina Büchner die Frontlinie. Eingerahmt wurden die Bläser von dem Bassisten Fritz Heieck, dem Schlagzeuger Michael Kersting und dem jungen Pianisten Jörg Büchler, der erst seit Kurzem zur Crew gestoßen ist und den Fritz Heieck augenzwinkernd als Roland Kaiser-Fan outete.

Die Kunst des Scat-Gesangs

Man kann sich Büchlers Schlager-Affinität – oder war es doch nur ein Scherz? – nicht vorstellen, wenn man ihn mit seinem ästhetischen Gespür und seiner überschäumenden Fantasie an den Piano-Tasten erlebt. Einen erheblichen Anteil am Sound der Band hat die vielseitige Sängerin Gisela Hafner, die ursprünglich aus dem Mainsteam-Jazz kommt, jedoch seit nunmehr neun Jahren mit avantgardistischen Stil-Elementen begeistert, wenn sie den Scat-Gesang als zusätzliches Instrument einbringt. Das heißt: Sie singt keine Texte, sondern besitzt die künstlerische Fähigkeit, Trompete und Saxofon lautmalerisch zu begleiten.

Die legendäre Crew in der kleinen aber feinen Studiobühne in Fürth. Foto: Marco Schilling
Die legendäre Crew in der kleinen aber feinen Studiobühne in Fürth.

Bei dem Stück „Funk-Man“, das dem Bassisten Fritz Heieck und seiner 30-jährigen Mitgliedschaft bei der Deutschen Radio-Philharmonie gewidmet ist, gelang es ihr, mit der Stimme die Posaunen nachzuahmen und zeitweise wie ein ganzes Sinfonieorchester zu klingen. Zudem hat die charmante Stimmakrobatin zu jedem Stück aus der Feder von Frédéric Rabold eine kleine Geschichte parat. Sei es über seine Komposition „Café Le Chat“, wo er ein Pariser Café beschreibt, in dem man Katzen streicheln darf oder über das aktionsreiche Stück „Black Rock City“, das beim Zuschauer automatisch das Kopfkino in Gang setzte.

Abstecher in die Avantgarde

Frédéric Rabold ragt aus der Jazzszene mit seinem bestechenden Trompetenspiel heraus. Lyrische Melodien wechseln sich mit rhythmisch euphorischen Impulsen ab und hypnotisieren die Zuhörer geradezu.

Mit Regina Büchner besitzt die Crew eine überragende „Stimmungsmacherin“, wie Fritz Heieck ihre Kunst bezeichnet, Atmosphären und Geschichten mit ihren Saxofonen zu zeichnen. Ihre Tonbildungen, sei es auf dem Tenor- oder dem Sopransaxofon, sind dabei stets klar und farbenprächtig, ihre Phrasierungen geschmeidig und schillernd.

Einen spannenden Abstecher in die Avantgarde gab es mit Rabolds musikalischer Reise durch die Sahara. Hier gelang der gesamten Crew ein von Kraft und Ideenreichtum geprägtes Spiel, das die Zuhörer in die endlose Wüste entführte. Sinnlich und abenteuerlich zugleich erzeugte Regina Büchner auf dem Sopransaxofon orientalische Klänge. Dazu verkörperte Trompeter und Komponist Frédéric Rabold, wie so oft an diesem Abend, den Typ des vielseitigen und offenen Musikers. Bassist Fritz Heieck zeigte sich dazu mit Feingefühl und unglaublicher Treibkraft. Michael Kersting ist der Mann, der sich mit großer Klarheit, Struktur und Finesse am Schlagzeug präsentiert.

Das eigentliche orientalische Flair setzte Gisela Hafner mit ihrem lautmalerischen Wechsel aus Kopf- und Bruststimme, wie geschaffen für ein Stück, das der Komponist „Fata Morgana“ nennt.

Viel Applaus gab es für diesen Abend des musikalischen Hochgenusses mit einem großen Trompeter, der auch mit fast 80 Jahren immer wieder neue Facetten der Jazz-Musik entdeckt.