Konzert

Ein Urgestein der deutschen Jazzszene kommt nach Fürth

Mit Frédéric Rabold gastiert ein Hochkaräter in der Studiobühne Fürth. Seine legendäre Crew hat er dabei.

Frédéric Rabold kommt in die Fürther Studiobühne. Foto: Joachim Lambrecht
Frédéric Rabold kommt in die Fürther Studiobühne.

Der Jazztrompeter, Komponist und Bandleader Frédéric Rabold, geboren 1944 in Paris, seit Langem in Stuttgart ansässig, war seit seinem Musikstudium in Karlsruhe immer auf der Suche nach Neuem und Ungewöhnlichen. Beeinflusst von Jazzmusikern wie George Russel, die schon früh die Wege des Mainstream-Jazz verlassen hatten, gründete er 1968 seine erste Frédéric Rabold Crew. Diese macht jetzt in ihrer aktuellen Besetzung in der Fürther Studiobühne Station. Und zwar am Donnerstag, 21. September, um 20 Uhr.

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In einer Zeit des gesellschaftlichen und politischen Umbruchs traf die Musik der Crew einen Nerv. Die Musik der Crew, überwiegend aus der Feder von Rabold, bot eine Bandbreite von einfacher, fast naiv-minimalistischer Melodik bis hin zu kompliziert-komplexen Themen an der Grenze zur Atonalität mit aufgelösten und freien Harmoniestrukturen. Ebensowenig unterwarf sich die Rhythmik irgendwelchen vorgegebenen Stukturen. Erlaubt war alles, was der musikalischen Botschaft dienlich war.

Die Stimme als Instrument

Doch die eigentliche Musik der Crew fand zwischen den vorgegebenen Themen statt: interaktive Improvisationen, spontane Dialoge zwischen den Protagonisten, solistische Alleingänge bis an den Rand des Exzessiven, Geräuschhaften, aber auch sphärisch-versöhnliche Elemente, die Inseln der Ruhe bildeten. Jedes Stück entwickelte seinen eigenen Spannungsbogen, der sich stets neu gestaltete und im Gegensatz zur sogenannten „Neuen Musik“, die in der Regel bis ins letzte Detail vollkommen durchkomponiert ist, nie vorhersehbar war. Ein weiteres Novum war ab 1975 der Einsatz der menschlichen Stimme als Instrument und zusätzliche Klangfarbe. Die erste Sängerin der Crew, Lauren Newton, ergänzte den zunächst traditionellen Bläsersatz aus Saxofon und Trompete um ein bis dato unbekanntes Element. Im Gegensatz zu den etablierten Jazzgrößen, die eher aus der Gospel-Blues-Tradition entstammten, entstanden durch sie bei der Crew sowohl im Satz als auch solistisch Klänge, die man so vorher im Jazz nicht gehört hatte.

Eine Talentschmiede

Die Frédéric Rabold Crew erfreute sich schon bald größter Beliebtheit, sowohl beim Publikum als auch bei zahlreichen Verantwortlichen im Kultur- und Medienbereich. Der deutsche „Jazzpapst“ Joachim-Ernst Behrendt ernannte die Crew zur „Gruppe des Jahres 1977/78“ und lud sie zu mehreren SWF-Jazz-Sessions ein. Ebenso gab es diverse Treffpunkt-Jazz-Konzerte beim Süddeutschen Rundfunk. Auch beim WDR, bei Radio Bremen sowie dem ORF Wien fanden Livekonzerte statt. Außerdem war die Crew gern gesehener Gast auf den Jazzfestivals wie Frankfurt, Stuttgart, Antwerpen, Balver Höhle, Zürich, Hamburg, Berlin oder Prag.

Gleichzeitig war die Crew von Anfang an auch Talentschmiede und Sprungbrett für junge Nachwuchsjazzmusiker. In einer Zeit, als die Musikhochschulen noch fast ausschließlich rein klassisch ausgerichtet waren, bot Rabold hoffnungsvollen Talenten die Chance, in einer seiner Bands seine Fähigkeiten unter Beweis zu stellen und sich sowohl als Instrumentalist als auch als Komponist einzubringen. Von den über 60 Musikern, die in den letzten Jahrzehnten in der „Crew“ mitgewirkt haben, gelang es vielen, eine eigene Karriere zu starten. Ob als Solist, Bandleader, Komponist oder Hochschuldozent – die Crew war auf jeden Fall ein wichtiger Baustein ihrer Laufbahn. Nach Fürth kommt sie am Donnerstag in folgender Besetzung: Frédéric Rabold (Trompete), Regina Büchner (Saxofon), Gisela Hafner (Gesang), Jörg Büchler (Piano), Fritz Heieck (Bass) und Michael Kersting (Schlagzeug).