Wie Andrej Wosnitza in Rimbach minimalistische Musik macht
Der in Mackenheim lebende Komponist und „Impro-Pret“ Andrej Wosnitza präsentiert sein Programm „Von der Aufhebung der Zeit“ am Sonntag beim Rimbacher Kunstpalast. Was das Besondere an dieser Konzertform ist.
Rimbach/Mackenheim. Er ist Komponist, „Impro-Pret“ und – vor allem – voller Begeisterung für das, was er tut: Minimalismus nennt sich die musikalische Kunstform, der sich Andrej Wosnitza verschrieben hat. Eine Art, das Klavier zu spielen, „die viel Potenzial hat und allgemein noch etwas unterschätzt wird“, wie der 27-Jährige im Gespräch mit der WNOZ-Redaktion sagt.
Der in Mackenheim lebende Künstler will das am Sonntag zumindest ein klein wenig ändern, wenn er im Rahmen der Reihe „Grüner Salon“ des Vereins Kunstpalast in der Alten Schule von Rimbach auftritt (17 Uhr). „Von der Aufhebung der Zeit“ heißt sein Programm, das an diesem 9. März Premiere feiert. Dabei spielt er eigene Kompositionen, gibt sich aber auch der Kunst der Improvisation hin, die ein Kernelement des Minimalismus ist. „Die Musik entsteht in dem Augenblick, in dem sie gespielt wird“, fasst Wosnitza das Spannende an dieser Konzertform in Worte.
Konzert in Rimbach
- Von der Aufhebung der Zeit
- Konzert von Andrej Wosnitza (Klavier)
- Wann: Sonntag, 9. März, 17 Uhr
- Wo: Alte Schule, Kirchgasse 5, Rimbach
- Veranstalter: Verein Kunstpalast im Rahmen der Reihe „Grüner Salon“
- Eintritt frei, Spenden erbeten
Einfache Mittel, große Effekte
Der an der Waldorfschule in Darmstadt tätige Musikpädagoge stammt aus einer musikalischen Familie und hat schon früh eine Leidenschaft dafür entwickelt, selbst Musik zu schaffen. „Schon mit fünf Jahren hab’ ich Noten auf Papier geschrieben“, erzählt er lächelnd. Quasi vorgezeichnet war damit der berufliche Weg zur Musik, über das Abitur in Mainz, mit dem Leistungskurs Musik, und das Studium an der Bratsche in Mannheim und Karlsruhe.
Tatsächlich keimte in dieser Zeit aber die Leidenschaft des gebürtigen Rheinhessen für ein anderes Instrument so richtig auf: „Ich habe in den Übungsräumen an der Uni oft am Klavier improvisiert. Dabei konnte ich entspannen“, erzählt er. Den „Minimalisten“ in sich hatte Andrej Wosnitza da längst entdeckt – ohne sich dessen anfangs selbst bewusst zu sein. Schon als Schüler experimentierte er quasi in jeder freien Minute, schuf teils komplexe, polyrhythmische Kompositionen.
Von Improvisation bis Komposition
„Es ist die Kunst, mit einfachen technischen Mitteln große Effekte zu erzeugen“, beschreibt der Wahl-Mackenheimer den Minimalismus. Das kann ein bestimmter Ton sein, der quasi als „Fels in der Brandung“ das rhythmisch-pulsierende Gerüst für die Improvisation bildet. Denn auch das „freie Spiel“ braucht einen Rahmen, der ein „Entgleiten“ verhindert. Bei seinem Konzert-Programm wird der junge Künstler auch von Projektionen „eingefangen“ – Bilder und Filmsequenzen, welche die Musik untermalen und gewisse Fixpunkte für sein Spiel vorgeben.
Bei „Von der Aufhebung der Zeit“ lässt Wosnitza aber nicht nur als Impro-Pret Musik entstehen. Er spielt auch feste, eigene Kompositionen, bei denen er sich beispielsweise an Philip Glass orientiert. Der Pionier des Minimalismus aus den Vereinigten Staaten gilt als Brückenbauer zwischen klassischer Musik und Popkultur. „Leicht verdauliche Musik mit herausfordernden Passagen“, erklärt Wosnitza. Eben das Prinzip des Minimalismus: auf einem einfachen Gerüst aufbauend komplexe Strukturen erschaffen. Der Mackenheimer wählt zur Erklärung gerne das anschauliche Bild des menschlichen Lebens: Begleitet von (rhythmischen) Konstanten wie der Atmung oder dem Herzschlag gibt es unterschiedliche Stationen, Höhen und Tiefen.
Verbindung zu Rimbach
Dass Mackenheim zur Lebensstation von Andrej Wosnitza geworden ist, steht in Verbindung mit seiner Lebensgefährtin, die er beim musikpädagogischen Studium in Mannheim kennenlernte. Sie stammt aus dem Überwald, in ihrem Heimatort hat sich die kleine Familie – vor einem Jahr kam der Sohn auf die Welt – niedergelassen. Hierher rührt auch die Verbindung zum Rimbacher Kunstpalast: Wosnitzas Schwiegervater ist im Vorstand des Vereins aktiv. So war der Weg nicht mehr weit zur Idee, sein Konzertprogramm im „Grünen Salon“ auf die Bühne zu bringen.
Zwar ist der junge Künstler vor dieser Premiere schon etwas aufgeregt, es überwiegt aber die Vorfreude, wie er glaubhaft versichert: „Ich bin froh, mich auf diese Art ausdrücken und eine Musik in die Welt bringen zu können, die noch nicht so bekannt ist, wie sie es verdient hätte“, sagt er. Andrej Wosnitza ist überzeugt davon, dass das Potenzial des Minimalismus in Bezug auf seine Öffentlichkeitswirkung längst noch nicht ausgeschöpft ist. Am Sonntag will er einen kleinen Teil dazu beitragen, dies zu ändern.