"Die Auftragslage ist weiterhin stabil"
Auch in den Betrieben im Überwald wird der Fachkräftemangel zu einem immer größer werdenden Problem, wie ZKÜ-Geschäftsführer Sebastian Schröder berichtet.
Die deutsche Wirtschaft ächzt unter den hohen Energie- und Produktionskosten und einer anhaltend schwachen Nachfrage aus dem Ausland. Gerade erst hat der Internationale Währungsfonds die Wachstumsprognose für dieses Jahr für die Bundesrepublik von 0,9 auf 0,5 Prozent gesenkt. Diese Entwicklung geht auch an Handel und Gewerbe im Überwald nicht spurlos vorbei. Vor allem der Fachkräftemangel stellt sich für die hiesigen Betriebe als ein zentrales Problem dar, wie Sebastian Schröder, Geschäftsführer der Zukunftsoffensive Überwald (ZKÜ), erklärt.
Wie stark belastet der Fachkräftemangel die Betriebe im Überwald?
Betriebe aus allen Wirtschaftsbranchen sehen sich schon seit Längerem mit zum Teil erheblichen Schwierigkeiten konfrontiert, wenn es um die Besetzung von Stellen geht, erklärt Schröder. Und dies hat sich in den vergangenen Jahren zu einem echten Problem aufgebaut. Es gibt seinen Worten zufolge bislang auch keine Tendenzen, dass sich aufgrund von Auftragsrückgängen der Personalbedarf reduzieren würde.
Gab es Insolvenzen und Betriebsschließungen im Jahr 2023?
Schröder berichtet hier von einigen Betriebsaufgaben im vergangenen Jahr. Diese sind aber überwiegend auf Entscheidungen der Inhaber zurückzuführen, diese Betriebe aufgrund deren Alters, deren Familiensituationen – in vielen Fällen fehlt es einfach an einem Nachfolger – oder mitunter auch Krankheit aufzugeben. Es kam auch zu Betriebsaufgaben, da die Inhaber Vorteile darin sahen, zukünftig in einem Angestelltenverhältnis zu arbeiten. Aber all diese Faktoren stellten gegenüber den Vorjahren kein auffällig verändertes Muster dar, macht der ZKÜ-Geschäftsführer deutlich.
Wie hat sich die Zahl der Gründungen im Vergleich zu den Vorjahren entwickelt?
„Die Zahl der Gründungen war leider im vergangenen Jahr auch im Überwald rückläufig“, bekennt Schröder. Die nachlassende Gründungsintensität bezieht sich demnach sowohl auf Gründungen im Voll- als auch im Nebenerwerb und entspricht einem allgemeinen Trend in Deutschland. „Die hohen Zinsen und die Situation am Arbeitsmarkt sind hierfür hauptausschlaggebend“, erkärt er. Auffällig ist indes der hohe Anteil an Gründungen von Menschen mit Migrationshintergrund.
Sind Lieferkettenprobleme und Corona-Nachwirkungen noch ein Problem?
Die Lieferketten scheinen Schröder zufolge überwiegend wieder intakt zu sein. So kommt es in nahezu allen Branchen zu keinen größeren Schwierigkeiten mehr bei der Verfügbarkeit von Waren beziehungsweise Produkten.
Die Baubranche hat im vergangenen Jahr aufgrund der Rahmenbedingungen wie Kostensteigerungen und Zinserhöhungen einen Einbruch erlebt. Wie stark traf dies die Überwälder Baubetrieben?
Die Situation des Handwerks im Überwald bezeichnet der ZKÜ-Geschäftsführer als durchaus stabil. Die Unternehmer berichten demnach überwiegend von einer guten bis ausreichenden Auftragslage, die aber saisonalen Veränderungen unterliegt.
War in diesem Zusammenhang auch eine rückläufige Investitionsbereitschaft festzustellen?
Nein, wie Schröder berichtet. Jedoch ist bei größeren Investitionen wie dem Erwerb oder dem Ausbau von Gewerbeimmobilien aufgrund der gestiegenen Zinsen eine Zurückhaltung eingetreten.
Hier kann sich der Überwald als Wirtschaftsstandort beweisen und sich auf einen starken Zusammenhalt verlassen sowie auf eine Verbundenheit der Akteure zählen.
Wie haben sich die Diskussionen um die Energieversorgung und die steigenden Kosten auf die entsprechenden Handwerksbetriebe ausgewirkt?
Das Thema Energie hat als Kostenfaktor zu einer gewissen branchenübergreifenden Unsicherheit geführt. Die Betriebe im Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk erfreuen sich laut Schröder dennoch einer weiterhin guten Auftragslage, was für Kunden mitunter zu längeren Wartezeiten bei der Umsetzung von Aufträgen führt.
Hat sich der Trend zum Tagestourismus im Überwald auch 2023 fortgesetzt?
Der Überwald lock insbesondere im Frühjahr, Sommer und Herbst viele Besucher an, die einen Ausflug in die Natur oder ein Erlebnis an der frischen Luft suchen, unterstreicht der ZKÜ-Geschäftsführer. „Viele dieser Besucher kommen als Tagesgäste regelmäßig zu uns. Erfreulicherweise haben sich die Übernachtungszahlen erneut auf dem Vor-Corona Niveau stabilisiert, sodass 2023 wieder rund 100 000 Übernachtungen statistisch erfasst werden. Dazu kommen die Übernachtungen in Ferienwohnungen, die sich nach Angaben der Betriebe weiterhin sehr gut entwickeln, aber in den Statistiken nicht auftauchen.
Lässt es sich einschätzen, wie sich die neuen Attraktionen wie Himmelsleiter, Litzelbacher Steinbrüche oder Steinbruch Ober-Mengelbach hier ausgewirkt haben?
Das Geozentrum Tromm hat das Interesse an der Region gestärkt, bestätigt Schröder, zum einen in der Reichweite, zum anderen bei Besuchern, die in das Thema Geologie eintauchen wollen. „Der neue Trommturm entwickelt sich zu einer ‚Landmarke‘, die unserer Region als eine Art neues Wahrzeichen zugutekommt. Das Geozentrum Tromm öffnet an seinen Standorten für die Besucher oftmals neue, interessante (Ein-)Blicke auf den Odenwald und seine jüngere und ältere Geschichte. Es macht die Region auf authentische Weise erlebbar und trägt damit zu einer positiven touristischen Entwicklung bei“, freut er sich auch über viel positive Resonanz.
Das Gaststättensterben ist auch überregional ein großes Thema, weil es an Nachfolgern fehlt. Wie sah es hier im Überwald im vergangenen Jahr aus, konnte das gastronomische Angebot auf dem bisherigen Niveau gehalten werden?
Ja, erklärt Schröder, das gastronomische Angebot blieb 2023 stabil. Für Betriebe, die aufgegeben wurden, fanden sich in den meisten Fällen zeitnah Nachfolger. Bei manchen Betrieben erweist sich die Suche nach einem Nachfolger als schwieriger und es dauert länger. Leerstehende Betrieb sind seinen Angaben nach aber die Ausnahme.
Wie ist die Stimmung bei den Geschäftsleuten im Überwald beim Blick auf das neue Jahr?
Schröder macht deutlich, dass sich im Verlauf der vergangenen Monate leider eine gewisse Unsicherheit und Skepsis verbreitet hat: „Das sind keine guten Vorzeichen, aber hier kann sich der Überwald als Wirtschaftsstandort beweisen und sich auf einen starken Zusammenhalt verlassen sowie auf eine Verbundenheit der Akteure zählen.“