Verkehr

Die Umgehung von Mörlenbach wird deutlich teurer

Vor allem die vier Großbauwerke kosten mehr als vorgesehen. Hinzu kommen gestiegene Preise auf dem Markt. Was das für den Zeitplan bedeutet.

Die Überführung der Draisinenstrecke bei Weiher, deren Baustelle Arno Krämer von Hessen Mobil hier zeigt, ist das einzige Bauwerk im Zuge der B 38a in Mörlenbach, an dem aktuell gearbeitet wird. Im Jahr 2024 steht der Beginn der Arbeiten an den beiden Tunneln und Talbrücken an. Foto: Fritz Kopetzky
Die Überführung der Draisinenstrecke bei Weiher, deren Baustelle Arno Krämer von Hessen Mobil hier zeigt, ist das einzige Bauwerk im Zuge der B 38a in Mörlenbach, an dem aktuell gearbeitet wird. Im Jahr 2024 steht der Beginn der Arbeiten an den beiden Tunneln und Talbrücken an.

Die Umgehungsstraße B 38a um Mörlenbach wird deutlich teurer als noch zum Baubeginn im Jahr 2020 angenommen. Die Straßen- und Verkehrsbehörde Hessen Mobil rechnet inzwischen mit Gesamtkosten von 215 Millionen Euro. Zum Vergleich: Vor drei Jahren war noch mit 95 Millionen Euro geplant worden. Im Zuge des Planfeststellungsbeschlusses im Jahr 2014 war von 70 Millionen Gesamtkosten die Rede.

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Die gute Nachricht: Auf den Zeitplan hat diese Entwicklung wohl keine Auswirkungen. Hessen Mobil geht nach wie vor davon aus, dass die 3,9 Kilometer lange Umgehungstrasse Ende 2027 für den Verkehr freigegeben werden kann. Laut dem zuständigen Sachgebietsleiter für Südhessen, Jochen Vogel, sind die zusätzlichen Mittel inzwischen vom Bund bewilligt. Auch die aktuellen Irritationen um den Bundeshaushalt würden das Großprojekt in Mörlenbach nicht tangieren, sagte er beim Pressetermin am Mittwoch im B38a-Infocenter.

Die Nachricht hat dennoch eine gewisse Brisanz, da die im Bau befindliche – im Vorfeld nicht unumstrittene – Trassenvariante von der Politik unter anderem mit dem Verweis auf die im Vergleich geringeren Kosten favorisiert worden war.

Neue Lage nach Detailplanungen

Die massive Kostensteigerung hängt laut den Vertretern von Hessen Mobil zum Teil mit den gestiegenen Preisen im Bausektor, beispielsweise für Stahl oder Beton, zusammen. Gegenüber der Kostenermittlung von 2020 macht dieser Faktor demnach eine Teuerung um 40 Prozent aus. Damit ist freilich noch nicht erklärt, wie sich die Summe mehr als verdoppeln konnte.

Hier spielen die vier Großbauwerke eine Rolle, deren Bau im kommenden Jahr beginnen wird: Über zwei Talbrücken und durch zwei Tunnel wird die Umgehungsstraße einmal führen. Diese Projekte werden deutlich mehr kosten als gehofft. Bei den Detailplanungen, unter anderem in Form von Bodenerkundungen, haben sich laut Vogel und seinem Kollegen Arno Krämer, Fachdezernent Bau bei Hessen Mobil, neue Sachlagen ergeben.

Geologische Widrigkeiten

Geologische Widrigkeiten machen beispielsweise die Arbeiten an der Talbrücke Reisen und dem Tunnel Kisselhöhe deutlich komplexer und aufwendiger als gedacht. Auch die beiden anderen Großbauwerke, der Tunnel Berkersklamm und die Brücke über das Mörlenbacher Tal, bleiben davon nicht verschont.

Die europaweite Ausschreibung für diese Bauwerke wird im Frühjahr erfolgen. Noch 2024 sollen die Arbeiten beginnen. Sie sind die wesentlichen Faktoren bei der Zeitplanung für die Umgehungsstraße. Von den knapp vier Kilometern Strecke verlaufen rund 40 Prozent in Tunneln beziehungsweise auf Brücken. „Das Interesse von Firmen ist da, wir haben bereits Anfragen“, glaubt Vogel an eine reibungslose Auftragsvergabe.

Mittels einer aufwendigen Präsentation erläuterten Vogel und Krämer am Mittwoch einige „Knackpunkte“, die sich aus den Detailplanungen ergeben haben. So ist im Bereich des Tunnels Kisselhöhe eine geologische „Störzone“ entdeckt worden. Eine Schicht also, deren Festigkeit deutlich geringer ist. Eine Entdeckung, die auf die Bauausführung große Auswirkungen hat. So werden die ursprünglich bei 30 Millionen Euro vermuteten Kosten allein für diesen Tunnel inzwischen mehr als doppelt so hoch berechnet. Ebenso wie beim Tunnel Berkersklamm sind zudem zusätzliche bauliche Maßnahmen in den Portalbereichen nötig, da der Grundwasserspiegel deutlich höher ist als geglaubt, wie die Erkundungen ergeben haben.

Komplexer Brückenbau

Komplexer als erhofft wird auch der Bau der Talbrücke Reisen. Die Arbeiten träfen dort auf eine „enorm ungünstige geometrische Situation“, so Krämer. In der Konsequenz werden die einzelnen Brückenteile Einzelanfertigungen mit unterschiedlichen Längen und Radien sein, die aufwendig zusammengefügt werden müssen. Zum Vergleich: Die Talbrücke Mörlenbach kann im „hydraulischen Schiebeverfahren“ ohne zusätzliche Stützen und große Kräne erstellt werden. Sie wird auch das erste der vier Großbauwerke sein, das fertiggestellt sein wird.

Bergmännische Tunnelarbeiten

„24/7“, also Tag und Nacht, werde nach Baubeginn an den beiden Tunneln gearbeitet, sagte Vogel. Diese werden „bergmännisch“, verbunden mit Sprengungen, vorangetrieben. Eine große Tunnelbohrmaschine kommt nicht zum Einsatz. An der Berkersklamm müssen die Ausführenden dabei Rücksicht auf die dort festgestellte Fledermauspopulation nehmen. Eine spezielle Herangehensweise ist nötig, die ebenfalls finanzielle Auswirkungen hat.

Die detaillierten Bauplanungen für die Großbauwerke seien „millionenschwere Aufträge für Ingenieurbüros“, so Vogel. Ihre Vergabe könne erst erfolgen, wenn Baurecht bestehe, begründete der Hessen-Mobil-Sprecher Jochen Vogel, warum die Umstände, die zu den Mehrkosten führen, erst nach Beginn der Gesamtmaßnahme entdeckt worden sind.