Wald-Michelbach

Eugen-Bachmann-Schule nimmt Cybergrooming ins Visier: Projekttag klärt über Online-Gefahren auf

In Wald-Michelbach haben sich Schüler der Eugen-Bachmann-Schule mit Cybergrooming beim Aktionstag im Rahmen des Projekts "Gefangen im Netz – Brich dein Schweigen" auseinandergesetzt. Das Ziel: die Schüler für die Risiken und Gefahren im Internet sensibilisieren.

Bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Aktionstags „Gefangen im Netz“ konnten die Schüler der Eugen-Bachmann-Schule den Experten ihre Fragen zum Thema „Cybergrooming“ stellen. Foto: Thomas Rittelmann
Bei einer Podiumsdiskussion im Rahmen des Aktionstags „Gefangen im Netz“ konnten die Schüler der Eugen-Bachmann-Schule den Experten ihre Fragen zum Thema „Cybergrooming“ stellen.

Es war kein leichtes Thema, mit dem sich die Siebtklässler der Eugen-Bachmann-Schule (EBS) kürzlich bei einem Aktionstag beschäftigten: „Cybergrooming“, laut Bundeskriminalamt die „Anbahnung sexueller Kontakte durch Erwachsene, die sich als Gleichaltrige ausgeben, an Kinder und Jugendliche über das Internet“. Mit dem Projekt „Gefangen im Netz – Brich dein Schweigen“ war die Erste Kreisbeigeordnete Diana Stolz gemeinsam mit Vertretern der Polizei und des Jugendamtes nun an verschiedenen Schulen im Kreisgebiet unterwegs. Der Projekttag fand im Rahmen der Kampagne „Brich Dein Schweigen – hinter jedem Missbrauch steckt ein Gesicht“ des Vereins „Bürger und Polizei Bergstraße“, der Rotary Clubs der Region sowie des Polizeipräsidiums Südhessen statt.

Newsletter

Holen Sie sich den WNOZ-Newsletter und verpassen Sie keine Nachrichten aus Ihrer Region und aller Welt.

Mit Ihrer Registrierung nehmen Sie die Datenschutzerklärung zur Kenntnis.

Programm beginnt mit Film

Der Tag startete für die Schüler mit dem Dokumentarfilm „Gefangen im Netz“. Darin gaben sich Schauspielerinnen als zwölfjährige Mädchen aus und zeigten, mit welchen Nachrichten diese in den sozialen Netzwerken konfrontiert werden können. Es besonders spannend gewesen, die Jugendlichen beim Schauen des Films zu beobachten und dabei ganz unterschiedliche Reaktionen zu sehen, berichtete Marina Köhler, stellvertretende Schulleiterin der EBS. Dabei schien es ihr so, als ob sich viele der Jungen nicht wirklich angesprochen gefühlt haben.

Dies führte Kriminaloberkommissarin Lucia Mitsch vor allem darauf zurück, dass in dem gezeigten Film nur Schauspielerinnen zu sehen waren – man müsse daher besonders betonen, dass auch Jungen zum Opfer der perfiden Chatstrategie werden können. Dabei sei es das oberste Ziel der Polizisten: Allen das Gefühl zu vermitteln, sich mit diesen Themen an jemanden wenden zu können und nicht allein mit dem Problem sein zu müssen.

Jugendkoordinator Johannes Hofmann verwies hierzu auf einen Vorfall von Cybergrooming, der bereits an der EBS stattgefunden habe. Besonders in der betreffenden Klasse müsse man dafür sorgen, dass die Jugendlichen aus diesem Vorfall lernen und in Zukunft wissen, dass sie sich mit einer solchen Situation am besten nicht allein befassen.

Hofmann sei die Kommunikation mit den Eltern bei diesem Thema wichtig: Denn sie seien am Ende die Personen, die die Handys der Jugendlichen finanzieren und daher auch für das Verhalten ihrer Kinder im Internet verantwortlich. Er empfahl daher, an Elternabenden über das Thema aufzuklären, um schon im Vorhinein einer möglichen Straftat entgegenzuwirken.

Fast jeder schon Opfer geworden

Im Anschluss fand eine Podiumsdiskussion statt, bei der die Jugendlichen den Experten ihre Fragen zum Gesehenen stellten. Den Anfang machte Hofmann, der zu Beginn betonte: „Dass nichts verschwiegen werden muss, was nicht verschwiegen werden will.“ Die Jugendlichen haben immer die Möglichkeit, sich an Menschen in ihrem Umfeld zu wenden – seien es ihre Eltern oder Lehrer. Nur so könne man sicherstellen, dass bei bereits geschehenen Straftaten ermittelt und noch nicht Geschehene verhindert werden können.

Auf die Frage, ob es vermeidbar sei, mit Cybergrooming in Kontakt zu kommen, erklärte Hofmann: Fast jede Person, die sich im Internet bewegt, sei schon einmal Opfer von Cybergrooming geworden. Das einzige, was Jugendliche ein wenig schützen könne, sei es, nur mit Menschen zu chatten, die sie auch im echten Leben kennen.

Außerdem wurde die Frage gestellt, was zu tun sei, wenn jemand ungefragt Bilder von Geschlechtsteilen schickt. Die Antwort Hofmanns fiel sehr deutlich aus: Am besten sei es, das Handy mitsamt der geöffneten Nachricht den Eltern oder anderen Erwachsenen zu zeigen.

Wichtig sei es auch, die Nachricht auf gar keinen Fall zu löschen oder weiterzuschicken. Denn wird die Nachricht gelöscht, ist es für die Polizisten bei einer Anzeige schwieriger, zu ermitteln – auch wenn es technisch möglich sei, die Dateien zu rekonstruieren, betonte Mitsch. Wird das Bild weitergeschickt, könnte sich der Betroffene selbst schuldig machen: Denn wenn der Täter minderjährig ist, ist das Bild kinderpornografisch und darf daher nicht verbreitet werden.

Schulpsychologe Tobias Knapp betonte zudem, dass sich Opfer auch dann an Erwachsene wenden sollen, selbst wenn sie eventuell Konsequenzen für das eigene Verhalten befürchten. In den meisten Fällen, finde man einen Kompromiss, wie ein Jugendlicher das entsprechende auch nach so einem Vorfall weiter nutzen könne.

Sensibilität steigt, Dunkelziffer sinkt

Zum Abschluss der Diskussion ging die Leiterin der Polizeidirektion Bergstraße, Juliane Ries, noch auf Statistiken zu diesem Thema ein. Im Polizeipräsidium Südhessen sei es beim Strafbestand der „Verbreitung, Herstellung und des Erwerbs von Kinderpornografie“ im Jahr 2022 zu 627 Straftaten gekommen. Im Kreis Bergstraße wurden im Jahr 2021 zu 31 Taten und im Jahr 2022 zu 71 Taten ermittelt.

Zu diesem Anstieg sei es vor allem durch die erhöhte Sensibilität gegenüber dem Thema gekommen, was wiederum zu mehr Anzeigen geführt habe. Außerdem seien die Plattformen immer besser darin, Straftaten zu erkennen und selbstständig anzuzeigen. Ries erwarte daher auch in den kommenden Jahren einen Anstieg. Das sei aber nicht mit mehr tatsächlichen Vorfällen zu erklären, sondern damit, dass die momentan noch enorm hohe Dunkelziffer langsam kleiner werde. Zum Abschluss sprachen die Schüler in ihren Klassen im kleineren Rahmen über ihre Fragen und Sorgen.

Bürgermeister Dr. Sascha Weber betonte diesbezüglich, wie wichtig es sei, dass sich die Schule und das Kollegium mit diesen Themen beschäftige und den Schülern somit den Zugang zu dieser Art von Aufklärung ermöglichen.

Hilfe für Opfer

  • Hilfetelefon „Sexueller Missbrauch“ : Telefon 0800/2255530 (anonym und kostenlos)
  • Beratungstelefon zur Prävention von Kinder- und Jugendpornografie: Telefon 0800/5522200 (anonym und kostenlos)
  • Hilfe in der Nähe und Online-Beratung per E-Mail: www.hilfe-portal-missbrauch.de