Affolterbach

Dem Gewerbegebiet Wald-Michelbach drohen die Interessenten wegzulaufen

Wirtschaftsvereinigung Überwald: Weitere Verzögerungen und Bürokratie sorgen bei der Umsetzung des Gewerbegebiets in Affolterbach für Verärgerung bei Wald-Michelbacher Geschäftsleuten.

Auf diesem Areal soll das neue Gewerbegebiet in Affolterbach entstehen. Die Umsetzung verzögert sich jedoch, weil das Artenschutzgutachten nach Forderung der Unteren Naturschutzbehörde aktualisiert werden muss, obwohl das Gewerbegebiet schon genehmigt wurde. Foto: Thomas Rittelmann
Auf diesem Areal soll das neue Gewerbegebiet in Affolterbach entstehen. Die Umsetzung verzögert sich jedoch, weil das Artenschutzgutachten nach Forderung der Unteren Naturschutzbehörde aktualisiert werden muss, obwohl das Gewerbegebiet schon genehmigt wurde.

Wald-Michelbach. „Ich warte nur noch darauf, dass wir für unser Insektenhotel eine Baugenehmigung brauchen.“ Damit brachte Heinz Fischer, Vorsitzender der Wirtschaftsvereinigung Überwald (WVÜ), die Verärgerung seiner Kollegen aus der Region über die überbordende Bürokratie in Deutschland auf den Punkt. Die immer komplizierter und komplexer werdenden Vorgaben waren das zentrale Thema bei der ersten Vorstandssitzung des WVÜ-Vorstands im neuen Jahr, die sich an die Preisverleihung der Glückslosaktion anschloss.

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„Wir verlieren ein Jahr“

Die Diskussion entzündete sich vor allem am gemeindlichen Gewerbegebiet im Wald-Michelbacher Ortsteil Affolterbach. Hier berichtete Fischer, dass es aufgrund eines Einspruchs eines Naturschutzverbands, also von außerhalb der Gemeinde, zu weiteren Verzögerungen komme, obwohl das Gewerbegebiet schon genehmigt worden sei. So müsse das Artenschutzgutachten aktualisiert werden, wofür die Überwälder Geschäftsleute kein Verständnis hatten. „Es sind Interessenten für die Grundstücke da und sie wollen bauen“, machte der Vorsitzende deutlich. Da die Untersuchungen für das Gutachten aber erst ab Frühjahr erfolgen könnten, ging er davon aus, dass „wir wieder ein ganzes Jahr verlieren – und die Interessenten laufen uns weg“.

Beim Kreis Bergstraße stehe keiner zu seinem Wort, merkte Fischer im Hinblick darauf an, dass das Landratsamt ja schon die Genehmigung erteilt habe. Deshalb habe die WVÜ auch die Bergsträßer Wirtschaftsförderung um Hilfe gebeten. Deren Geschäftsführer Dr. Matthias Zürker habe sich zwar sehr eingesetzt, aber die verantwortlichen Mitarbeiter beharrten auf dem neuen Gutachten. „Das wirft uns ein Jahr zurück, und dann ist es die Frage, ob die Interessenten noch da sind“, sagte er.

Damit verliere die Gemeinde wichtige Gewerbesteuereinnahmen, fügte der Vorsitzende an. Vorstandsmitglied Paul Schmitt wies auf den Umweltaspekt hin, denn wenn die Menschen aus dem Überwald ihren Arbeitsplatz vor Ort hätten, müssten sie beispielsweise weniger mit dem Auto fahren. Dies werde hier nicht in Betracht gezogen. Und auch die Frage nach der demokratischen Legitimierung von Naturschutzverbänden wurde in diesem Zusammenhang in der Vorstandsrunde gestellt.

Darüber hinaus wurde allgemein die ausufernde Bürokratie kritisiert. „Da wird von allen Seiten viel zu wenig gemacht, von der Gemeinde über den Kreis bis hin zu Land und Bund“, sagte Fischer. Horst Gramlich, der als Gemeindevertreter Vorsitzender des Wald-Michelbacher Bauausschusses ist, konnte nur den Kopf schütteln angesichts der Vielzahl von Behörden, die beispielsweise bei Baugebietsverfahren angehört werden müssen: „Da kommen dann Hunderte von Seiten an Stellungnahmen zusammen, und die sollen die ehrenamtlichen Mandatsträger alle lesen.“

Weihnachtsgeschäft

Mit gemischten Gefühlen blickten die Vorstandsmitglieder auf das zurückliegende Weihnachtsgeschäft zurück. „Es hätte noch etwas besser laufen können, aber wir sind insgesamt zufrieden“, fasste Maria Berbner-Schmitt die allgemeine Stimmung zusammen. „Der Fachhandel vor Ort kann weiterhin auf eine große Zahl von Stammkunden bauen“, fügte Sebastian Schröder, Geschäftsführer der WVÜ und der Zukunftsoffensive Überwald, an.

Zu kämpfen haben die Einzelhändler jedoch mit den gestiegenen Kosten. „Die können wir nicht alle auf die Kunden umlegen, weil sonst die Preise zu hoch werden. Da müssen wir schauen, wie wir zurechtkommen“, schilderte Schmitt die Situation im Krisenjahr 2024.

Bei der WVÜ geht indes der Blick schon wieder in Richtung des nächsten Großereignisses, dem Gassenmarkt am ersten September-Wochenende. „Die Planungen sind angelaufen. Wir schauen dabei auch, was wir anders machen können, beispielsweise die Straßenöffnungen mal umzulegen oder neue Firmen und neue Attraktionen zu gewinnen“, berichtete Fischer.