Gondreville und Gardony zu Gast
Abordnungen aus zwei Partnergemeinden wurden zur Kerwe-Feier auf dem Rathausplatz empfangen.
Der Verein zur Partnerschaftspflege kümmert sich um die europäischen Partnerstädte der Gemeinde Mörlenbach. „Seit 2019 waren die gegenseitigen Besuche aufgrund von Corona schwierig“, sagte der erste Vorsitzende des Vereins, Ralf Sotta. Aber jetzt folgten zwei der drei Partnergemeinden der Einladung in den Odenwald.
Aus der französischen Partnergemeinde Gondreville war Bürgermeister Raphaël Arnould zu Gast, der mit zehn Bürgern aus seiner Stadt angereist war. Aus Gardony-Agàrd in Ungarn waren Katalin Erdei und ihr Ehemann zu Besuch. Sie freuten sich über das Wiedersehen mit Sotta und der zweiten Vorsitzenden, Ellen Förster, die unlängst in Gardony am Velence-See waren.
Am Kerwe-Samstag wurden die Vertreter der Partnergemeinden von Bürgermeister Erik Kadesch und dem ersten Beigeordneten Bodo Kalesse offiziell begrüßt. Bevor die Delegationen mit den Gastgebern einen Rundgang über das Kerwe-Festgelände machten, ging es zunächst feierlich zu.
Gemälde erinnert an Jubiläum
Jede Gemeinde hatte ihre Fahne mitgebracht. Stefan Klier spielte die Europahymne auf der Trompete, eine Instrumentalfassung des Hauptthemas aus der „Ode an die Freude“ aus dem letzten Satz von Beethovens „Neunter“. Dieses Jahr feiert die deutsch-französische Freundschaft ihr 60-jähriges Bestehen, ein Jubiläum, das die Malwerkstatt Mörlenbach mit einem farbenfrohen Gemälde würdigte.
Dann wurden die drei Fahnen aufgezogen, links die deutsche, in der Mitte die
Erdei überreichte als Repräsentantin der ungarischen Gemeinde einen Prospekt mit, der über die lokalen Sehenswürdigkeiten informierte. Der kleine Ort am Velence-See liegt auf halber Strecke zwischen Budapest und dem Plattensee und ist bekannt für sein Thermalbad, den Obstbrand der Destillerie Agárdi Palinkafözde und sein Vogelschutzgebiet. Erdei betonte, dass ihre Heimatgemeinde auf den Tourismus setze.
Flüchtlinge und Strompreise
Sie empfahl einen Besuch des Schlossmuseums; ein Einheimischer habe dort alle zerstörten Burgen und Schlösser im Miniaturformat nachgebaut, fuhr sie in perfektem Deutsch fort und erklärte, was ihr beim jetzigen Aufenthalt in der Partnergemeinde besonderen Spaß mache: „Ich freue mich schon auf die Fahrt mit der Draisine nach Wald-Michelbach und den Besuch des Heimatmuseums in Bonsweiher.“ Die Jagdhornbläser aus Mörlenbach waren ihrerseits schon mehrmals zu Gast in der 9000-Seelen-Gemeinde, die immer am 1. Mai ein großes Musikfest feiert – im kommenden Jahr vielleicht mit der Unterstützung einer Mörlenbacher Jugendband, wie beim Festakt zu hören war.
Förster und Sotta würden gerne den Austausch mit den Partnergemeinden stärken, entweder in Form von Au-Pair- oder Schülerprogrammen.
Soweit es die Kommunalpolitik betraf, haben die Ungarn in einem Punkt ähnliche Aufgaben, wie Erdei und Kadesch feststellten: In beiden Fällen müssen ukrainische Flüchtlinge untergebracht, Kapazitäten in Kindergärten und Schulen geschaffen werden.
Eine weitere Gemeinsamkeit: hohe Energiepreise. Zwar gibt es in Gardony 50 Grad heiße Thermalquellen, allerdings wird Strom gebraucht, um sie für das Thermalbad zu nutzen, weshalb die Gemeinde jetzt Solaranlagen auf den Dächern plant.
Zu guter Letzt wurde noch eine Einladung ausgesprochen: Der Verein zur Partnerschaftspflege lud die Gemeinden ein, beim Mörlenbacher Adventsmarkt mitzumachen. Die Partnergemeinde Großbreitenbach aus Thüringen will ihre Spezialität, Thüringer Bratwurst, anbieten, die Ungarn möglicherweise ihre Gebäckspezialitäten und den Obstbrand.
Förster und Sotta waren glücklich über den Besuch, wie sie abschließend gegenüber der OZ erklärten: „Wir freuen uns, dass unsere Partnergemeinden unsere Einladung angenommen haben.“