Hochwassergefahr immer noch Thema in Grasellenbach
Was die Gemeinde Grasellenbach gegen die Auswirkungen von Starkregen unternommen hat und was noch auf der Agenda steht.
Grasellenbach. Im August 2024 war es nicht das erste Mal, dass der Überwald von starkem Regen getroffen wurde: Vom 25. auf den 26. Januar 1995 suchte ein großes Unwetter die Region heim. In Wahlen, Gras-Ellenbach und Hammelbach waren zahlreiche Straßen und Gebäude überflutet. Das führte dazu, dass die Gemeinde Grasellenbach damals verschiedene Maßnahmen ergriff, damit sich dies nicht wiederholt.
Wie Bürgermeister Markus Röth auf Nachfrage der WNOZ erklärt, ist unter anderem die Kanalisation ertüchtigt worden. „Bislang hat dies in Gras-Ellenbach insbesondere in der Güttersbacher Straße zu einer Entlastung geführt – das Wasser läuft nicht mehr über die Brücke und flutet angrenzende Häuser“, da eine neue Brücke und ein Entlastungsrohr gebaut wurden.
Probleme in Siegfriedstraße
Allerdings gebe es noch Probleme in der Siegfriedstraße. Vor der Brücke, die derzeit saniert wird, befindet sich eine Engstelle. Die Verengung des Bachlaufs und das große Einzugsgebiet seien die Ursache für den Rückstau – und nicht etwa die Brücke an sich. „Wasserrückhaltung und Wasserabflussverlangsamung dürften die Lösungsansätze sein. Wie, wo und in welchem Umfang, wäre aktuell zu früh für eine Beantwortung“, teilt Röth mit.
In Hammelbach sind verschiedene Gräben und Durchlässe angepasst worden. In Wahlen hingegen liege ein topografisches Problem vor: Wasser, das vom Osthang kommt, fließt talabwärts auf die Nibelungenstraße zu. Weil es 1995 zu wenige Kanäle und Durchlässe unter dieser Landstraße gab, kam es zu großen Schäden und Überschwemmungen. Deswegen sind dort drei neue Regenwasserkanäle errichtet und an zwei Stellen neue Wasserzuführungen gebaut worden.
„Kanalisation reicht nicht aus“
Röth verweist in diesem Zusammenhang darauf, dass die Kanäle auf ein Regenereignis ausgelegt sind, das statistisch gesehen einmal in zehn Jahren vorkommt – das sogenannte HQ 10. Wenn es dann allerdings zu einem Hochwasser kommt, das statistisch gesehen alle 30 beziehungsweise 50 Jahre vorkommt, „ist die Kanalisation für solche Wassermassen nicht ausgelegt beziehungsweise finanziell nicht wirtschaftlich umsetzbar. Es ist nur die Frage, was in einem solchen Fall passiert. Das hat dann das Regenereignis am 7. August 2024 gezeigt: Die Kanalisation reicht nicht aus.“
Die Gemeinde Grasellenbach habe schon im Vorfeld dieses Regenereignisses Fließkarten vom Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie besorgt, um die kritischen Stellen zu identifizieren. „Glücklicherweise sind keine wesentlich neuen Erkenntnisse zum Vorschein gekommen.“ Eine weitere Überrechnung des Kanalsystems sei deshalb nicht hochwasserbezogen angesagt. „Da allerdings die Angst und die volkswirtschaftliche Schadenkalkulation wenig befriedigen können, ist natürlich die Frage, was getan werden kann“, sagt Röth. Gerade auch, weil diese Fragen bei der Bürgerbeteiligung im Rahmen der Dorfentwicklung aufkamen.
„Befürchtungen nachvollziehbar“
„Hydro-Experten sind gefragt, die bei städtebaulichen Fragen Lösungsansätze kennen dürften. Die Einholung von Rechtsauffassungen und Fachauskünften der Wasserbehörden dürfte gleichfalls notwendig werden, wenn denn Vorschläge gemacht worden sind.“ Im Einzelfall könne nicht abschließend gesagt werden, welche Maßnahmen in welchem Kostenumfang auf die Agenda kommen.
„Soweit sind wir auch noch nicht. Die Befürchtungen der Bevölkerung sind nachvollziehbar, weil niemand vollgelaufene Keller und Sachschäden haben will. Damit müsste vor allem in Wahlen die Osthang-Frage mit dem Wasser, das an drei Stellen über die Nibelungenstraße muss, bearbeitet werden.“
Ein halbes Jahr nach dem Hochwasser in Wahlen
Auch ein halbes Jahr nach dem Hochwasser am 7. August 2024 in Wahlen sind einige Schäden noch nicht beseitigt. Die WNOZ hat mit Betroffenen gesprochen. Zum Text geht es hier.
Wie verhalte ich mich bei einer Sturzflut?
Was bei einer Sturzflut zu tun ist, hat die WNOZ beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe nachgefragt. Die Informationen gibt es hier.