In Finkenbach wird der Odenwald zu Woodstock
Ein prominentes Line-up sorgt beim "Finki 2025" für einen Besucherrekord nach Corona. Guru Guru genießen das Comeback auf „ihrem“ Festival.
Die Krautrock-Legenden „Guru Guru“ und „Kraan“ hintereinander auf der Bühne: Das trieb so manchem Besucher des inzwischen 41. Finkenbach-Festivals fast die Tränen vor Rührung in die Augen. Was dem „Woodstock des Odenwalds“ an zwei Tagen außerdem einen überragenden Besuch bescherte.
Seit dem Neustart nach Corona 2022 kamen in diesem Jahr die meisten Zuschauer ins Odenwald-Tal. „Wir sind sehr zufrieden“, meinte deshalb auch der Vorsitzende des veranstaltenden FC Finkenbachtal, Holger Schäfer. Es war wieder ein friedliches und harmonisches Festival. Das Wetter und die Bands waren top, „sodass wir gute Besucherzahlen an beiden Tagen hatten“. Die reichten fast an die ausverkaufte Veranstaltung 2019 heran.
Denn auch die anderen Bands waren allererste Sahne und unterhielten die Fans bis tief in die Sommernächte. Von den Gästen wurde die Bandauswahl (vor allem am Freitag) sowie die komplette Durchführung und Organisation gelobt, berichtete Schäfer. Denn das Festival wird praktisch komplett mit ehrenamtlichen Helfern gestemmt. 150 an der Zahl nehmen sich oft extra Urlaub, um dafür zu sorgen, dass die Krautrock-Fans beim „Woodstock im Odenwald“ zwei unvergessliche Tage haben.
Spezialitäten und Modernes
Der in diesem Jahr erstmals wieder angebotene Shuttlebusverkehr aus Hirschhorn und Beerfelden wurde sehr gelobt, erzählte der Vorsitzende. Auch Besucher aus Oberzent nutzten ihn gerne, um vor Ort keine Parkplätze suchen zu müssen und nah am Festival aussteigen zu können. Denn die Autos standen bis weit hinters Ortsschild Richtung Ober-Hainbrunn.
Das diesjährige Programm war vom Feinsten, nicht nur wegen der beiden Krautrock-Urgesteine. Bereits am Freitagabend füllte sich der Festivalplatz am Freibad rasend schnell. Denn mit „Peter Pankas Jane“ mit Klaus Walz als Nachfolger der früheren „Jane“ stand eine Truppe auf der Bühne, die mit ihrem druckvollen, melodiösen Sound zu begeistern wusste.
Dass das Finkenbach-Festival mit der Zeit geht, erlebten die Besucher am Eingang: Erstmals war Kartenzahlung möglich, was in den Vorjahren am lückenhaften mobilen Internet gescheitert war. So aber machten viele, die ihre Tickets an der Abendkasse erwarben, von diesem Service Gebrauch. Wie auch am Essensstand, der zu humanen Preisen Finkenbacher Spezialitäten bot. Etwa die legendären Bratkartoffeln und ganz neu Finki-Pommes mit einem Klecks Kochkäse drauf statt Ketchup.
Dr. Woogle lässt die Beine zucken
Mit „Agitation Free“ stand als zweite Band des Abends ein „Newcomer“ auf der Bühne. Aber nur deshalb, weil die Berliner das erste Mal beim Finkenbach-Festival dabei waren. Denn die Band zählte bereits in den frühen 70er-Jahren zu den führenden Vertretern der deutschen experimentellen Rockmusik.
Musikalisch eine ganz andere Nummer war die Nachfolgerin auf der Bühne, Rosalie Cunningham. Die unternahm in ihren eigenen Songs einen höchst unterhaltsamen Streifzug durch klassischen Psychedelic, Progressive- und Hardrock. Auch ein paar Pop- und Folk-Elemente klangen ab und zu durch. Die Schweizer von „Dirty Sound Magnet“ rissen zum Abschluss des ersten Tags mitten in der Nacht noch einmal alle mit.
Einen mehr als guten Eindruck hinterließ als Opener des zweiten Tags die junge Band „Kant“ aus Aschaffenburg. Genau das passende Material für einen heißen Sommernachmittag hatten „Dr. Woggle & The Radio“ aus Weinheim mitgebracht. Beim fulminanten Bläsersatz begannen auch beim Letzten, die Beine zu zucken. Die Gruppe sorgte dafür, dass sich der Platz vor der Bühne trotz immer noch heißer Temperaturen zu füllen begann.
Die Rückkehr einer Legende
Dann kam der Moment, auf den sie alle gewartet hatten: die Rückkehr von „Guru Guru“. Seit 2019 waren die Mitgründer des Finkenbach-Festivals dort nicht mehr auf der Bühne gestanden. Mani Neumeier und seine Musikerkollegen wurden frenetisch gefeiert. Das beflügelte: Die Band zeigte sich in einer ungeheuren Spiellaune. Sämtliche Klassiker inklusive dem „Elektrolurch“ gab es zu hören. Neumeier genoss die Rückkehr an seine alte Wirkungsstätte. Er hielt sich noch lange Zeit im Backstage-Bereich auf. Schon vor Beginn war er im Gespräch mit dem langjährigen Musiker-Kollegen Hellmut Hattler von „Kraan“ zu beobachten. „Ich glaube, es hat ihm gefallen, wieder in Finkenbach zu sein und spielen zu dürfen“, sagte Schäfer.
Die „Kraaniche“ Peter Wolbrandt, Hellmut Hattler und Jan Fride, unterstützt von Keyboarder Martin Kasper, lieferten danach bewährt ihre Mixtur aus Jazz und (Kraut-)
Rock ab. Ein medizinischer Notfall, der zum Glück glimpflich verlief, sorgte danach für eine längere Unterbrechung. Doch die Münchner von „Colour Haze“ machten um Mitternacht klar, dass an Schlaf noch lange nicht zu denken ist. Alex Auer mit seiner „Banda“, zu der auch der Odenwälder Adax Dörsam gehört, sorgte wie in den Vorjahren für einen super Ausklang.
„Finki 2026“ ist in Planung
Angesichts der überaus positiven Bilanz wird es natürlich 2026 eine Fortsetzung geben: Das 42. Finkenbach-Festival findet am 7. und 8. August des kommenden Jahres statt. „Never change a running system“, meinte der Zweite Vorsitzende Armin Löffler dazu. Im Großen und Ganzen soll es bis auf ein paar notwendige Verbesserungen wieder wie in diesem Jahr durchgeführt werden. Über das Parken der Wohnmobile, die immer mehr werden, „können wir uns noch mal Gedanken zu realisierbaren Verbesserungen machen“. Deren Anzahl war doch überraschend hoch. „Ansonsten hat alles ganz gut funktioniert“, ergänzte Schäfer.