Schutzwald_Rave

Rave und Nachhaltigkeit, geht das? Interview mit Ziel 100 und Ingo Boss

Das Techno-Event auf der Mörlenbacher Juhöhe hallt noch nach. Im Gespräch äußern sich die beiden DJs Ziel 100 und Ingo Boss dazu, ob sich Rave und Nachhaltigkeit miteinander verbinden lassen.

Rund 700 Menschen sind am Samstag zum Schutzwald_Rave auf die Juhöhe gekommen. Neben der Party lenkten die Organisatoren dabei den Fokus auch auf die Umwelt und die mögliche Nachhaltigkeit solcher Events. Foto: Fritz Kopetzky
Rund 700 Menschen sind am Samstag zum Schutzwald_Rave auf die Juhöhe gekommen. Neben der Party lenkten die Organisatoren dabei den Fokus auch auf die Umwelt und die mögliche Nachhaltigkeit solcher Events.

Aus insgesamt 15 DJs bestand das Line-up des Schutzwald_Raves. Über 700 Personen fanden am Samstag ihren Weg auf die Juhöhe und tanzten zu den Techno-Beats mit Blick über den Odenwald. Die Erlöse des nachhaltig organsierten Raves gehen an den NABU-Kreisverband Bergstraße, die Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) und die Tafel in Bensheim. Was hat Kultur mit Nachhaltigkeit zu tun? Der Vorstand und Künstler erklären dies im Gespräch mit unserer Redaktion.

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Impressum

Nachhaltigkeit erleben

Der gemeinnützige Verein SchuWaRa (Akronym für Schutzwaldrave) veranstaltete den Rave auf der Juhöhe nun zum vierten Mal. Initial war der Schutzwald_Rave ein friedlicher Protest gegen den rücksichtslosen Umgang mit intakten Wäldern – damals noch nicht unter dem Dach eines Vereins. Heute verstehen sich die Veranstalter des Raves als Vermittler zwischen Popularität und Regionalität, zwischen Natur und Kultur. „Wir wollen kein politisches Event sein“, macht Benjamin Höfle deutlich. Bei der Veranstaltung gehe es darum, Nachhaltigkeit zu erleben und greifbar zu machen.

Durchdachte Umsetzung

Bei der Organisation eines Raves tauchen die Themen Nachhaltigkeit und Umwelt an jeder Ecke auf. Welche Teller bietet man an, welches Pfandsystem wird eingeführt, was wird gegessen und getrunken? Aber auch ein zunächst banal erscheinendes Thema wie „Kabelbinder“ spielt eine Rolle. Hier entschied sich der Verein beispielsweise für eine wiederverwendbare Variante. Schutzwald-Merch wird vorbestellt, sodass keine Kleidung weggeworfen werden muss. Und für die Produkte, die verkauft werden, hat niemand hunderte von Kilometern zurückgelegt.

So solle das Konzept zeigen, dass Umweltschutz nicht immer bedeute, alles zu verbieten und auf jeglichen Spaß zu verzichten. Umweltschutz sei eine Frage der Umsetzung und des „Wie“, macht Höfle weiter deutlich.

„So, wie wir die letzten 100 Jahre verhalten haben, können wir uns eben die nächsten 100 Jahre nicht mehr verhalten“, gibt die Initiator des Raves auf der Juhöhe zu bedenken.

Deshalb bedeute Umweltschutz Umdenken. Höfle hofft, dass eine Veranstaltung wie der Schutzwald_Rave zu einer umweltbewussterern Organisation von Events führen kann und in Zukunft inspirieren könnte. Denn eines ist klar: Veranstaltungen der Art sind selten.+

„Liebe und Energie“

Da sind sich auch die Künstler einig, die den Rave als besonderes Ereignis wahrnehmen. Das Wichtigste bei einem Rave, sei der Vibe, sagt DJ Ingo Boss aus Frankfurt. Und dieser sei beim Schutzwald_Rave vollumfänglich gegeben. Boss habe schon beim ersten Telefonat mit dem Veranstalter gewusst, dass das Event nur gut werden könne – und das, obwohl er die „Schutzwald-Family“ noch gar nicht kannte.

Eigentlich ist er DJ im Cocoon Club in Frankfurt am Main und es gewohnt, vor deutlich mehr Leuten aufzulegen. Trotzdem sei er hergekommen, weil ihn das Konzept aus Nachhaltigkeit und Rave überzeugt habe. Bei einem kleinen Event sei er außerdem näher an den Leuten und deshalb auch etwas aufgeregt, bevor er auf die Bühne gehe. „Die Energie, die ich mir vorgestellt habe, hat sich wirklich übertragen und die Leute haben es gespürt“, freut er sich, nachdem er am Samstag an den Künstler Ziel 100 übergeben hatte.

Für ihn bedeute der Schutzwald_Rave Liebe und Energie. „Ich verstehe euren Vibe und bin mit dem Herzen dabei“, sagte er. Boss kann sich gut vorstellen, wiederzukommen. Eine Veranstaltung wie diese sei etwas ganz anderes als kommerzieller Techno.

„Raven für eine gute Sache“

Auch dem Künstler Ziel 100, der ebenfalls das erste Mal auf dem Rave aufgelegt hat, gefällt das Konzept. Ähnlich wie beim gemeinnützigen Verein „Rave for Peace“ stehe hier die Umwelt im Fokus und es werde eine Möglichkeit geboten, die Menschen positiv zu sensibilisieren, anstatt sie mit Verboten zu konfrontieren. Deshalb sei der Schutzwald_Rave eine Veranstaltung, hinter der er voll und ganz stehe.

Boss führt weiter aus, es sei so wichtig, dass es Leute gebe, die zum Nachdenken anregen und positive Veranstaltungen im Bereich Umweltschutz auf die Beine stellen. Der Vorsitzende Höfle macht diesbezüglich deutlich: „Keiner von uns verändert die Welt, aber wenn wir alle etwas Verantwortung übernehmen, können wir etwas bewegen.“