Mörlenbach

Karl Späth hat dafür gesorgt, dass in Mörlenbach das Wasser fließt

Der Wassermeister der Gemeinde Mörlenbach ist seit dem 1. Januar im Ruhestand – zumindest auf dem Papier. Im Einsatz war er rund die Uhr.

Immer in Bereitschaft: Karl Späth hat 40 Jahre für die Wasserversorgung in Mörlenbach gearbeitet. Foto: Fritz Kopetzky
Immer in Bereitschaft: Karl Späth hat 40 Jahre für die Wasserversorgung in Mörlenbach gearbeitet.

Die Frage, ob er jede Wasserleitung in der Gemeinde kennt, beantwortet Karl Späth mit einem Lachen: „Fast alle“, sagt er, „aber nicht mit Namen.“ Tatsächlich gibt es wohl niemanden, der sich im Netz der Mörlenbacher Wasserversorgung so gut auskennt, wie der frisch gebackene Rentner. Und sein Fachwissen ist auch im Ruhestand noch gefragt, der offiziell am 1. Januar begonnen hat: Noch ein Jahr lang wird der ehemalige Wassermeister der Gemeinde seine über Jahrzehnte erworbenen Kenntnisse auf Minijobbasis an seine Nachfolger weitergeben. Im wahrsten Sinne also ein „fließender Übergang“.

40 Stunden im Monat wird die Familie, mit Ehefrau Bettina und den Töchtern Nadja und Carina, auch 2024 noch auf Karl Späth verzichten müssen, in denen er an den Bauhof zurückkehrt und unter anderem bei der digitalen Erfassung des Leitungsnetzes hilft. Das scheint aber verschmerzbar im Vergleich zu der Zeit, die er in den vergangenen 40 Jahren zuhause, über die regulären Arbeitszeiten hinaus, gefehlt hat.

Zuverlässige Kollegen

Ob Wasserrohrbrüche, technische Probleme in den Hochbehältern oder andere Widrigkeiten: Wenn die Wasserversorgung in Mörlenbach gefährdet oder unterbrochen war, dann war Karl Späth gefragt – 24 Stunden an 365 Tagen im Jahr. Und solche Ereignisse nehmen weder auf Wochenenden noch auf Feiertage Rücksicht. Wenn Karl Späth ins Erzählen kommt, dann wird klar, dass er vor allem an Weihnachten hin und wieder weniger Zeit am Christbaum als an Wasserleitungen und in Hochbehältern verbracht hat. Oberste Prämisse war die Aufrechterhaltung der Wasserversorgung, auch und gerade an Festtagen.

Der Bonsweiherer kann sich an einen Heiligabend erinnern, an dem im Gemeindegebiet gleich drei Wasserrohre brachen. „Bis abends um zehn Uhr waren wir nicht zuhause“, erzählt er. Und dabei liegt die Betonung auf „wir“. Denn auf die Kollegen im Bauhof und die Mitarbeiter diverser Fachfirmen lässt Karl Späth nichts kommen. „Die waren immer da, wenn ich sie gebraucht habe – Tag und Nacht.“ Nicht umsonst waren sie deshalb gern gesehene Gäste bei der offiziellen Verabschiedung von Karl Späth am Freitag im Bauhof. „Ein Déjà-vu“, wie Bürgermeister Erik Kadesch sagte. Erst im Oktober hatte er dem Wassermeister an gleicher Stelle zum 40-jährigen Dienstjubiläum bei der Gemeinde gratuliert.

Die Versorgung mit aufgebaut

Am 1. Oktober 1983 hat Karl Späth begonnen, für den Mörlenbacher Bauhof zu arbeiten. Zuvor war er in seinem zunächst erlernten Beruf als Landmaschinenmechaniker beschäftigt. „Aber irgendwann wollte ich mich beruflich verändern und da kam das Angebot der Gemeinde gerade recht.“ Als er seinen Dienst antrat, gab es eine öffentliche, durch die Kommune realisierte, Wasserversorgung im heutigen Sinne noch nicht. Für die Leitungen waren Privatfirmen zuständig. Das jetzige System hat Karl Späth über die Jahrzehnte maßgeblich mit aufgebaut. „Wir musten viel lernen und uns Stück für Stück vorantasten“, erinnert er sich.

Aber auch in späteren Jahren ging dem Wassermeister die Arbeit nie aus. Quasi stetig galt es, mit dem technischen Fortschritt und den steigenden Anforderungen an die Hygiene Schritt zu halten. Insbesondere die Hochbehälter mussten immer wieder nachgerüstet werden. Aus einfachen Verschlägen ohne Stromanschluss, sind hoch technisierte Gebäude geworden. „Früher lief das Wasser einfach da durch und wir haben regelmäßige eine Probe ins Gesundheitsamt gebracht“, erinnert Karl Späth sich. Heute sorgen modernste Filtersysteme für eine hohe Wasserqualität, die rund um die Uhr überwacht wird.

Karl Späth hatte vier Jahrzehnte lang eine fordernde und verantwortungsvolle Aufgabe inne. Dass er dennoch täglich „mit einem Lächeln zur Arbeit“ gekommen ist, wie Michael Lellbach vom Geschäftsbereich Bau und Eigenbetriebe der Verwaltung berichtet, hatte wohl nicht unerheblich mit den Kollegen im Bauhof zu tun. An diese richtete Bettina Späth am Freitag sehr persönliche Worte des Dankes: „Ihr habt uns geholfen in der Not“ – als ihr Mann gesundheitliche Probleme hatte.

Das gibt Späth nun zurück, indem er seinen Nachfolgern um Mark Agostin und Daniel Jäger weiter als „Telefonjoker“, wie es Bürgermeister Kadesch ausdrückte, zur Verfügung steht. „Es ist nicht selbstverständlich, dass eine Aufgabe auf diese Art übergeben wird“, hob er hervor. Wie auch Sebastian Hien vom Personalrat wünschte Kadesch dem (Un-)Ruheständler „viel gute Zeit mit der Familie“. Bedenken, dass es Karl Späth langweilig werden könnte, sind sowieso unangebracht. Denn die Familie wohnt auf dem landwirtschaftlichen Gehöft in Bonsweiher, auf dem er auch aufgewachsen ist. „Da gibt es immer was zu tun“, erklärt Karl Späth. arn