Neujahrsempfang

Welche Veränderungen Bürgermeister Kadesch in Mörlenbach plant

Der aktuelle „positive Umbruch“ manifestiert sich im voll besetzten Bürgerhaus in manchem Detail, auch das diesjährige Kerwemotto steht jetzt fest. Mehr zu den Plänen für die Gemeinde und ihrer Ortsteile

„Walk of Fame: Mörlenbach goes Hollywood!“: Das Kerwemotto 2025 wurde beim Neujahrsempfang von Bürgermeister Erik Kadesch verkündet. Foto: Gian-Luca Heiser
„Walk of Fame: Mörlenbach goes Hollywood!“: Das Kerwemotto 2025 wurde beim Neujahrsempfang von Bürgermeister Erik Kadesch verkündet.

Es ist eine Einschätzung, die am vergangenen Sonntag, 12.1., mehrfach untermauert wurde: „In Mörlenbach verändert sich vieles.“ Damit meinte der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Gerhard Ohlig, nicht (nur) die in Bau befindliche Umgehungsstraße. Es ist vielmehr eine allgemeine Aufbruchstimmung, von der die Gemeinde aktuell geprägt scheint. Äußeres Zeichen dafür war alleine schon der Besuch beim Neujahrsempfang: Rund 500 Gäste füllten das Bürgerhaus – und das schon einige Zeit vor dem Start in das offizielle Programm.

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Es wurde bei einem Glas Sekt angeregt geplaudert, es wurden Hände geschüttelt und Neujahrswünsche ausgetauscht, ehe die charmante Moderatorin Claudia Griethe die Aufmerksamkeit nach und nach auf die Bühne lenkte, wo die Sängerinnen und Sänger aus Bonsweiher Aufstellung nahmen. In unterschiedlicher Besetzung, mal als Frauen-, mal als Männerchor, mal als „Kleiner Chor“, mal als „Kleiner gemischter Chor“, bereicherten rund 60 Aktive des Sängerbundes das Programm – immer unter der Leitung von Maria Löhlein-Mader und durchweg auf bemerkenswertem Niveau.

Das gilt auch für die Tanzformation Dance Fusion, die dem Publikum eindrucksvoll demonstrierte, warum sie 2024 beim Bundeswettbewerb „Jugend tanzt“ die Deutsche Meisterschaft in der Kategorie „Urban Dance“ gewonnen hat. Unter der Leitung von Johanna Voltz steckten die Mädchen aus den Vereinen SVG Nieder-Liebersbach, TV Reisen und TSV Weiher auch das Handicap weg, dass fünf Tänzerinnen an diesem Tag krankheitsbedingt fehlten.

Bürgermeister Erik Kadesch und der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Gerhard Ohlig, zeichneten verdiente Bürger mit Ehrenplaketten und Urkunden aus. Foto: Wolfgang Arnold
Bürgermeister Erik Kadesch und der Vorsitzende der Gemeindevertretung, Gerhard Ohlig, zeichneten verdiente Bürger mit Ehrenplaketten und Urkunden aus.

„Gemeinde ist Heimat“

Gemeinsam kann eben vieles erreicht werden. Und so betonte auch Ohlig den kooperativen und sachlichen Umgang, der in den gemeindlichen Gremien von Mörlenbach aktuell gepflegt wird. Die Debatten seien – auch bei unterschiedlichen Meinungen – von gegenseitigem Respekt geprägt.

Vorbildfunktion habe die Haushaltskommission, die paritätisch von den Fraktionen besetzt ist und wesentliche Punkte des Gemeindeetats in Abstimmung mit der Verwaltung schon aufarbeitet, ehe sie in die Ausschüsse gehen. „Das hat den Nachteil, dass unsere Sitzungen manchmal fast schon langweilig sind“, scherzte Ohlig. Er lud die Bürger dennoch dazu ein, die öffentlichen Tagungen der Ausschüsse und der Gemeindevertretung zu besuchen.

Interesse und Engagement für das eigene Umfeld zu zeigen – das ist auch im Sinne der Ersten Kreisbeigeordneten Angelika Beckenbach. „Gemeinde ist Heimat“, sagte sie in ihrem Grußwort. Auch sie hat wahrgenommen, dass sich Mörlenbach derzeit in einem „positiven Umbruch“ befindet: kulturell, gesellschaftlich und auch wirtschaftlich. Letzteres lässt sich auch an Zahlen festmachen. Ohlig hatte darauf hingewiesen, dass in der Gemeinde Ende 2024 1105 Unternehmen ansässig waren, rund 300 mehr als noch zu Beginn der 2020er-Jahre.

Vereinsauflösungen verhindern

Eine wesentliche Rolle in dieser Gemengelage spielen die rund 90 Vereine, die es in Mörlenbach und seinen Ortsteilen gibt. Wie der Vorsitzende der Gemeindevertretung wies aber auch Bürgermeister Erik Kadesch darauf hin, dass es immer schwerer wird, Vorstandspositionen zu besetzen. Um Auflösungen zu verhindern, werde an Lösungen gearbeitet, beispielsweise neuen Strukturen oder die Eingliederung in bestehende Verhältnisse. So soll beispielsweise der Partnerschaftsverein eine Abteilung des Heimat- und Verkehrsvereins werden.

„Wir haben einen klaren Plan.“ - Erik Kadesch

Dieser Satz war von Kadesch am Sonntag nicht nur einmal zu hören. Dies trifft auch für die Ortsteile zu, wie der Bürgermeister am Beispiel Ober-Mumbach festmachte. Dort ist 2024 nicht nur der Dorfplatz neu gestaltet, sondern in Verbindung mit dem Kunstbankweg der Sparkassenstiftung und der gastronomischen Reaktivierung des Lindenhofes ein Gesamtpaket auf den Weg gebracht worden. Ein ganzheitlicher Blick, der 2025 dann auf Ober-Liebersbach geworfen werden soll. Neben dem Dorfplatz stehen dort die Schaffung von Wohnraum und die Wiederaufnahme des Betriebs in der Schneeburg im Fokus.

Ortskern „fit machen“

Der „klare Plan“ ist auch in Bezug auf den Mörlenbacher Ortskern zu erkennen. „Unser großes Pfund“, wie Kadesch sagte. Hier will sich die Gemeinde „fit machen“ für die Zeit nach der Fertigstellung der B 38a. Mit einem Platz- und Wegekonzept sollen „die Menschen dann an die richtigen Stellen in unserem Ort geführt werden“, erklärte der Bürgermeister.

Zu den zentralen Punkten dabei gehört der Kastanienplatz. Dessen Neugestaltung soll 2025 mit viel Bürgerbeteiligung auf den Weg gebracht werden, kündigte Kadesch an. Dafür hat die Gemeinde eine Landschaftsarchitektin mit internationalem Renommee gewonnen, in Kooperation mit einem ortsansässigen Unternehmen. Ein weiteres markantes Vorhaben betrifft den Bahnhofsvorplatz, der in Zusammenarbeit mit der Bäckereikette Görtz ein neues Gesicht bekommen soll. Unter anderem ist dort ein Café geplant.

Das „große Ganze“

Es sind aber auch die kleinen Stellschrauben, an denen in Mörlenbach gedreht wird, um ein stimmiges, „großes Ganzes“ zu erzeugen. Dazu zählt die neue Gebührenordnung für das Bürgerhaus, die einen ganz praktischen Hintergrund hat, wie Kadesch erläuterte: Die Belegung durch ortsfremde Personen wird eingeschränkt und dadurch „eine Bühne für unsere Menschen geschaffen“. Will heißen: Ein Bürgerhaus im Wortsinn mit Angeboten für die Menschen aus dem Ort und den Nachbarkommunen.

Das ist Teil der Bemühungen, ortsnahe kulturelle Angebote zu schaffen, zu denen auch „Mörlenbach erleben!“ zu zählen ist. Diese Reihe wird 2025 unter anderem mit einigen kostenlosen Konzerten auf dem Rathausplatz fortgesetzt (OZ vom Montag). Hier arbeiten Gastronomie, Vereine und Verwaltung zusammen, wie Kadesch betonte. Ein Gemeinschaftsgeist, der auch dadurch zum Ausdruck kommt, dass beteiligte Vereine ihre Einnahmen aus den Ständen bei den Konzerten im Jahr 2024 teilweise für die Finanzierung der Neuauflage gespendet haben.