Fastnacht

KSG Mitlechtern: Narren lassen es bei Elferratssitzung krachen 

Die Pfalzbachhalle ist rappelvoll, die Stimmung ausgelassen bei der Elferratssitzung der Kultur- und Sportgemeinde in Rimbach.

Ob Zwerge oder Helden: Für alle gibt es am Ende begeisterten Applaus. Foto: Fritz Kopetzky
Ob Zwerge oder Helden: Für alle gibt es am Ende begeisterten Applaus.

Rimbach. Die „Chippendales“ können sich ab sofort warm anziehen – im wahrsten Sinne des Wortes. Denn die „Aktiven Fußballer“ der Kultur- und Sportgemeinde (KSG) machen der Strippertruppe jetzt ernsthaft Konkurrenz; die Tanznummer der sieben bildet den protokollarischen Höhepunkt der KSG-Elferratssitzung, und das Publikum in der rappelvollen Pfalzbachhalle im Rimbacher Ortsteil Mitlechtern ist seit vier Stunden warmgelaufen.

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Dann marschieren die leicht bekleideten Ritter unter großem Jubel ein, scharen sich um die Schönheit in ihrer Mitte (Samuel Becker) und tragen sie auf Händen, bevor sie sich aus ihrer Mittelalterkluft pellen und nun ihrerseits die rosa Tutus hüpfen lassen. Nun treibt die Feier unweigerlich auf das Finale zu, und ein abwechslungsreiches, liebevoll vorbereitetes und einstudiertes Programm geht allmählich in den gemütlichen Teil über, der mit der geöffneten „Drachenbar“ einhergeht, die in den ganz frühen Morgenstunden ihre Pforten öffnet.

Ritter auf dem Amt

Angefangen hat alles mit einer Hinrichtung und den prophetischen Worten des Delinquenten (Daniel Berauer): „Das Volk will Blut sehen.“ Die rabiate Form des Strafvollzugs entführt ins Mittelalter, in dem die Rahmenhandlung der „Nie-Gelungen-Sage“ angesiedelt ist, und direkt zu Beginn verliert auch gleich der Erzähler seinen Kopf. Was ihn nicht hindert, in einem Korb am Elferratstisch Platz zu nehmen und fortan die Geschichte um Görgfried Drachentöter alias Georg Schneider zu erzählen. Der „Fastnachtspräsi“ ist für seine Rolle als Held in Fusselperücke und Stulpenstiefel geschlüpft; auf seiner ersten Station, nachdem er, wie der Erzähler berichtet, „trinkend und hurend“ durchs Weschnitztal mäandert ist, trifft er den Erfinderzwerg Trempel (Christian Tremper).

Von ihm bekommt der Held ein Schwert, und hier grasen die Fastnachter das ganze, sozusagen gut bestückte Feld der zweideutigen Wortspielereien ab: Erst hängt das Schwert schlaff herunter, doch dann mixt der Schmied blaue Wunderpillen in seine Tinktur, „und das Ding steht“, wie Görgfried schwärmt. Trotzdem kann er es nicht so ohne Weiteres in den Drachen stecken, der zwischen ihm und dem „Nie-Gelungen-Schatz“ steht. Sondern der Weg führt zur Zulassungsstelle, wo Beamtin Lauhilde (Laurin Schneider) ihn mit den Absurditäten der Bürokratie schindet, bevor sie sich in den Feierabend verabschiedet.

Singende Wikinger

Zur Musik der Serie „Game of Thrones“ hat schließlich das Untier seinen Auftritt: Pascal Naumann steckt in dem aufblasbaren Dinosaurierkostüm und fordert den Recken zu einem – nicht ganz so graziösen – Tanzduell heraus. Für die Schuppenechse, deren Panzer immer mehr Luft verliert, gibt es Extra-Beifall, weil Naumann das Manko durch lustige Verrenkungen ausgleicht. Am Ende gibt es „Drachenblut – sauer gespritzt“, was auch der nicht ganz einfache Schlachtruf dieser Kampagne ist. Schwamm drüber, dass es eine andere Körperflüssigkeit ist, die der Drache spendet, denn jetzt kommen die „Schergen hinter den Bergen“ hervor: Zwei Wikinger (Christian und Carsten Bitsch) und zwei berittene Kämpfer (Jan Heckmann und Jean Strohmenger) liefern sich einen chaotischen Kampf, nachdem die Nordmänner mit einer kunstvollen Gesangseinlage glänzen. Irgendwann ist der Schatz gerettet, und der Flitter aus der Holzkiste wird verteilt.

Ein Hingucker war das Untier, mit dem „Sitzungspräsi“ Georg Schneider zu tun bekam. Foto: Fritz Kopetzky
Ein Hingucker war das Untier, mit dem „Sitzungspräsi“ Georg Schneider zu tun bekam.

Das Lametta rundet so manches wunderbar auf das Motto abgestimmte Kostüm ab; das sieht man Ritter in Glitzer-Montur, Burgfräulein in langen Kleidern, Mönche, Könige, außerdem mehrere Drachen mit wippenden Flügelchen und Schuppen auf den Köpfen. Ansonsten sieht man Cleopatra, Hexen, Clowns und Schmetterlinge mit farbenprächtigen Flügeln, Piraten und Fußballer.

Elfter in der Runde ist schließlich der „Schelm ohne Helm“; unter seiner Narrenkappe steckt Marius Müller, dem die Mitlechterner ein inbrünstiges „Happy Birthday“ singen, weil er an diesem Tag Geburtstag hat. Er bittet Bürgermeister Holger Schmitt und Berthold Becker, den langjährigen KSG-Vorsitzenden, auf die Bühne. „Das Volk fordert Brot und Spiele“, eröffnet er ihnen, und ehe sie sich’s versehen, führen sie ein ungelenkes Tänzchen auf.

Gelungene Tänze

Das soll es dann aber auch gewesen sein mit laienhaften Bewegungen zur Musik. Denn im weiteren Verlauf übernehmen die Profis: Da sind die Damen der Jazztanz-AG, die sich als militärische Drill-Sergeants geben, gefolgt von den „Extras“, einer gut aufgelegten Mädchentruppe, die temperamentvoll über die Bühne fegt.

Mit blinkenden Petticoats und einer fetzigen Choreographie machen die jungen Frauen und ihr „Quotenmann“ von der SVG Nieder-Liebersbach Stimmung, und schließlich haben noch die „Kneipp-Girls“ aus Gras-Ellenbach ihren furiosen Auftritt. Sie sind zum zweiten Mal in Mitlechtern, und Schneider nimmt ihnen das Versprechen ab, im kommenden Jahr wieder dabei zu sein. Als Flamencotänzerinnen samt Toreros zeigen sie ihr Können. Keine Truppe darf ohne Zugabe von der Bühne gehen – kein Problem, sie sind vorbereitet.

Sekt und Fastnachtsorden

Zuvor dürfen sich alle mit einem Glas Sekt stärken, bekommen Fastnachtsorden aus der Hand der Elferräte, und weiter geht es. Zwischendurch gibt es ein langes Dankeschön von Schneider, der lobende Worte findet für alle, die zum Gelingen des Abends beitragen.

Die Pfalzbachhalle war fest in der Hand der Narren. Foto: Fritz Kopetzky
Die Pfalzbachhalle war fest in der Hand der Narren.

Zwischendurch gibt es noch einen Sketch des Grünen Theaters, der urkomisch ist und völlig ohne Worte auskommt. Zwei Paare sitzen da nebeneinander, und das eine kopiert fortlaufend das andere. Während die feine Lady eine Banane schält, pellt die Odenwälderin eine Wurst. Am Ende ist der Mann von der Mitlechterner Schönheit (Ralf Rößling) derart fasziniert, dass er seine Gattin sitzen lässt. Dann steigen noch zwei „alte Schabracke“ in die Bütt, die diesmal allerdings eine Gefängniszelle ist; die eine Omi sitzt hier eine Strafe ab, während die andere sich anteilnehmend und kalauernd nach ihrem Befinden erkundigt und Knackwürstchen mitbringt – für Marie Müller und Fabian Jordan ist es ihre Premiere bei der KSG. „Mo und Basti“ kommen eigentlich aus Kalau, haben aber für ihre Büttenrede eine Fahrt nach Mallorca zur Rahmenhandlung gemacht, bei der die beiden Erbacher nicht mit Seitenhieben gegen den SV Fürth sparen. Für alle gibt es am Ende begeisterten Applaus – nicht zuletzt für die Elferräte, die sich nun unters Volk mischen.