Birkenau

Kunstrasen: VfL Birkenau läuft die Zeit davon

In einer Pressemitteilung hat der VfL Birkenau an die Gemeinde appelliert, eine Entscheidung über einen Zuschuss für die Sanierung des Kunstrasens zu treffen.

Sorgen beim VfL Birkenau: Um seinen Kunstrasen erneuern zu können, braucht der Verein die Unterstützung der Gemeinde – auch um in den Genuss weiterer Fördermittel von Institutionen und Stiftungen zu kommen (Archivbild). Foto: Simon Hofmann
Sorgen beim VfL Birkenau: Um seinen Kunstrasen erneuern zu können, braucht der Verein die Unterstützung der Gemeinde – auch um in den Genuss weiterer Fördermittel von Institutionen und Stiftungen zu kommen (Archivbild).

Der VfL Birkenau braucht für die Sanierung seines Kunstrasenplatzes dringend die Unterstützung der Gemeinde. Die Gemeindevertretung hat sich dazu bisher allerdings nicht durchringen können. Die Zusage der Gemeinde ist für den Verein deswegen so wichtig, weil er nur so auf weitere Zuschüsse von Institutionen und Stiftungen hoffen kann. Nicht nur dazu nimmt der VfL in einer Pressemitteilung Stellung.

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Die Gemeindevertreter hatten in ihrer letzten Sitzung vor der Sommerpause einen Antrag verabschiedet, nachdem eruiert werden soll, welche Bürgschaften und Zuwendungen der VfL in den vergangenen 20 Jahren seitens der Gemeinde erhalten habe. Zunächst zeige sich der Verein auch heute noch sehr dankbar, dass ihm mit Beschluss der Gemeindevertretung vom 26. Juli 2007 sowohl 300 000 Euro Zuschuss für den Umbau des einfachen Hartplatzes in eine moderne, zeitgemäße Kunstrasenanlage gewährt worden sei. Ein Dank gelte auch für weitere 180 000 Euro für den Um- und Ausbau des zur Sportanlage führenden ungeteerten Serpentinen-Feldweges in eine verkehrssichere, durch Leitplanken geschützte und mit Laternen gesäumte Straße. Insgesamt also eine Summe von 480 000 Euro – zweifelsfrei eine stattliche Zuwendung, die allerdings, gemessen an den Projekten und deren Umsetzung, nicht allzu teuer erscheint.

Eigene Anstrengungen

„Vergessen werden sollten hier nämlich keineswegs Wasser-, Abwasser- und Stromleitungen, die zwingend zu verlegen waren. Darüber hinaus Sprengungen, um die schmale Serpentine überhaupt auf viereinhalb Meter verbreitern zu können“, schreibt der Verein. Bei all diesen Maßnahmen, insbesondere beim Ausbau des Weges, seien nur so viele Fachfirmen wie absolut notwendig beauftragt worden.

Vielmehr habe der VfL Birkenau hierfür nicht nur die komplette Bauherrschaft übernommen, sondern eine dreistellige Anzahl von zum Teil verschieden fachkundiger, aber allesamt fleißiger Vereinsmitglieder hätten bei diesem doppelten Großprojekt uneigennützig und aufopferungsvoll mit angepackt. Allein beim Umbau der nicht einmal im Vereinseigentum liegenden Auffahrt hätten die planerischen Kosten bei fast 351 000 Euro gelegen, die tatsächlichen dann allerdings einzig und allein dank des unermüdlichen Einsatzes der vorgenannten VfL-Mitglieder sowie Spendern bei knapp 178000 Euro – eine Einsparung von immerhin rund 173 000 Euro. So wurde beim Helferfest am 22. August 2008 sage und schreibe 111 Helfern gedankt, die stolze 3364 ehrenamtliche Arbeitsstunden investiert hatten. Zwei Tage später fand die offizielle Einweihungsfeier statt.

Vielleicht bundesweit einmalig

Der Rest ist Geschichte und ein bundesweit vielleicht gar einmaliger Vorgang, dass ein Verein maßgeblich bei einem Straßenumbau engagiert war. „Zur Vollständigkeit sei erwähnt, dass das neben dem der Gemeinde gehörenden und dem VfL durch Nutzungsvertrag überlassenen Hauptkunstrasen entstandene Kleinfeld vom Verein errichtet, finanziert und somit in dessen Eigentum liegt“, heißt es weiter.

Ohne jegliche Zuschüsse der Kommune sei weiter der große Clubhausanbau im Oktober 2019 eingeweiht worden. Zudem leuchteten seit letztem Jahr moderne und klimafreundliche LED-Flutlicht-Strahler im Spenglerswald. Diese hätten zwar eine vierstellige Bezuschussung seitens der Gemeinde erfahren, jedoch sei auch hier die gesamte Initiative inklusive der Durchführung erneut vom VfL ausgegangen. Eine Maßnahme, die sowohl Stromverbrauch als auch -kosten dauerhaft spürbar senke.

Dass ein stark frequentierter Kunstrasen 15 Jahre später eine neue Decke benötige, sei nicht nur in der Sonnenuhrengemeinde der Fall, sondern betreffe landauf, landab alle Städte und Gemeinden. Dies sei für die erste Generation Kunstrasen die allgemein bekannte Lebensdauer, die sich von Generation zu Generation durchaus etwas erhöhe.

Den aktuellen Antrag des Vereins auf Aufhebung des Sperrvermerks über zumindest 100 000 Euro habe der Verein gestellt, damit er noch mit anderen Institutionen und Stiftungen bezüglich Zuwendungen überhaupt in detaillierte Verhandlungen eintreten könne. Bei Letzteren, mit denen der VfL auch in Kontakt stehe, herrsche nämlich generell die Erwartungshaltung, dass die jeweils zuständige Kommune den ersten Schritt vollziehe. Dass die (teilweise) Aufhebung des in den Haushalt eingestellten Betrages von 130 000 Euro erst nach dessen Genehmigung durch die Kommunalaufsicht offiziell erfolgen könne, sei bekannt.

Erfolgreich nachverhandelt

„Ursprünglich waren sogar 170 000 Euro für die neue Kunstrasendecke beantragt, jedoch ließen erfolgreiche Nachverhandlungen seitens des VfL die Summe nochmals um 40 000 Euro schmelzen.“ Inbegriffen seien darüber hinaus schon 15 000 Euro Eigenkapital des Vereins, nach schwierigen Corona-Jahren keine Selbstverständlichkeit. Ebenso selbstverständlich werde sich der Verein zu gegebener Zeit Spendenaufrufen und etwaiger entsprechend realistisch durchführbarer Aktionen nicht verschließen.

Die Dringlichkeit der Maßnahme begründe sich vor allem darauf, dass die Unterschicht des Kunstrasens noch in einwandfreiem Zustand sei, wie der zuständige Architekt, Dipl.-Ing. Matthias Braun aus Frankenthal, den Fraktionsvorsitzenden der Gemeindevertretung, deren Vorsitzendem sowie dem Bürgermeister bei einer Platzbegehung am 7. März veranschaulichte. Werde allerdings auch diese durch bereits vorhandene lichte Stellen und Löcher im Kunstrasenbelag nennenswert beschädigt, müsse sie ebenfalls ausgetauscht werden, wofür die Kosten nochmals im sechsstelligen Bereich lägen. Insbesondere das solle unter allen Umständen vermieden werden. Dies sei ein Überblick über die vergangenen 20 Jahre, wie ihn die Gemeindevertretung gefordert habe. „Da erlaubt sich der inzwischen 60 Jahre bestehende Verein nun doch noch die abschließende Bemer-kung, welche nennenswerten und erinnerungswürdigen Zuschüsse und Förderungen er in den ersten 40 Jahren seiner Existenz erhalten hat?“, fragt der VfL. Wer sich den bis ins Jahr 2008 45 Jahre lang zur Verfügung gestandenen staubigen Hartplatz, das einstige kleine Clubhaus sowie die gewöhnungsbedürftige Feldwegauffahrt samt verheerender Parkplatzsituation in Erinnerung rufe, könne sich die vorangegangene Frage praktisch selbst beantworten.

Nicht nur Fußballer profitieren

Die heutigen zahlreichen Nachwuchsspieler oder aber auch der große Anteil von U23-Spielern in den beiden mit überwiegend von Eigengewächsen besetzten Herrenmannschaften werden dies rein altersbedingt gar nicht oder zumindest kaum noch in Erinnerung haben. Sie alle profitieren zwar primär vom Kunstrasen, doch auch Schulen, Kindergärten oder weitere Vereine aus Birkenau hätten in der Vergangenheit bereits Sommerfeste, Fußballturniere oder Mitgliederversammlungen auf der Sportanlage im Spenglerswald durchgeführt.