105000 Euro für den VfL?
Der Birkenauer Verein braucht den Zuschuss für die Erneuerung des Kunstrasenspielfelds. Die Gemeindevertretung entscheidet am Dienstag abschließend
Geht es nach dem Willen der Mehrheit des Haupt- und Finanzausschusses (HFA), soll der VfL Birkenau für die Erneuerung seines Kunstrasens von der Gemeinde 105 000 Euro erhalten. Damit folgten die Mandatsträger zwei gleichlautenden Änderungsanträgen von SPD und CDU. Hans-Jürgen Roos (Bündnis 90/Die Grünen) stimmte dagegen, Seàn O’Donovan (FDP) enthielt sich. Die Gemeindevertretung wird vermutlich bereits bei ihrer Sitzung am kommenden Dienstag, 7. November, abschließend über den Zuschuss beraten.
Der ursprünglich zur Debatte stehende Antrag war noch von einem Zuschussbedarf von 70 000 Euro ausgegangen. Die Deckungslücke bei der Finanzierung hatte sich allerdings in der Zwischenzeit um 35 000 Euro erhöht, weil zwei potenzielle Zuschussgeber ihr Angebot zurückgezogen hatten. In der Diskussion war deutlich geworden, wie hoch die Wertschätzung gegenüber dem VfL Birkenau fraktionsübergreifend ist.
So würdigte Seàn O’Donovan das Engagement des Traditionsclubs im Bereich der Jugend- und Integrationsarbeit. Was den Zustand des Platzes angeht, sagte der Liberale, er habe den Platz im März und kürzlich in Augenschein genommen, und innerhalb dieser kurzen Zeitspanne sei eine wesentliche Verschlechterung der Verhältnisse eingetreten. Er schlug vor, dem VfL einen Zuschuss von 70 000 Euro zu gewähren. Für die übrigen 35 000 Euro solle der Verein ein Darlehen aufnehmen, für das die Gemeinde eine Bürgschaft stelle.
Nicht jeder ist Mitglied
So sah es auch Hans-Jürgen Roos, der dieses Vorgehen als Änderungsantrag formulierte. Er wies darauf hin, dass sich die verschiedenen Gremien bereits zum achten Mal mit dem Thema befassten. Dies allein zeige bereits die Ernsthaftigkeit beim Umgang damit. „Einigkeit zur Unterstützung des VfL finden wir in den verschiedenen Gremien und auch in allen Fraktionen“, bilanzierte Roos. Es stehe außer Frage, dass der Verein wertvolle Beiträge für das Gemeinwohl leiste: im Rahmen der Förderung des Sports und der Gesundheit, der sozialen Integration, der Förderung sportlicher Talente, der Gemeinschaftsbildung, der Ehrenamtlichkeit sowie bei der Vermittlung von wichtigen Werten wie Teamarbeit, Fairplay, Disziplin und Respekt.
Nach dem Wegfall zweier Geldgeber sei es nun der Wunsch des Vereins, den Zuschuss von ursprünglich 70 000 auf 105 000 Euro zu erhöhen. Der VfL habe sich bemüht, Kosten zu reduzieren und Eigenmittel zu erhöhen. Trotzdem müssten die Bürger mehr als die Hälfte der Nettokosten von 186 000 Euro tragen. Dagegen trage der VfL lediglich mit knapp 20 Prozent an Eigenmitteln zur Finanzierung bei. Es stelle sich also die Frage, wie der Verein in dieser neuen Situation unterstützt werden könne, ohne die prekäre Haushaltslage der Gemeinde aus den Augen zu verlieren. „Nicht jeder Bürger ist Mitglied im VfL, aber jeder trägt die Kosten für den Zuschuss mit“, sagte Roos. Dagegen sprach sich Armin Groß namens der SPD klar für die Gewährung eines Zuschusses von 105 000 Euro aus. „Der VfL hat seine Hausaufgaben gemacht“, sagte Groß, der dazu aufrief, den zweitgrößten Verein der Gemeinde zu unterstützen. Insbesondere hob der Sozialdemokrat das Engagement des VfL im Bereich der Jugendarbeit hervor.
Andreas Helth (CDU) würdigte die Leistungen des Traditionsclubs auf den Feldern der Jugendarbeit, der Arbeit mit Kindern und der Integrationsarbeit – und das alles ehrenamtlich. Auch diese „weichen Faktoren“ müssten in die Überlegungen mit einbezogen werden. Wie die SPD werde auch die Union den von Roos formulierten Antrag ablehnen.
Zu Beginn der Sitzung hatte HFA-Vorsitzender Prof. Dieter Kies darauf hingewiesen, dass sich der Ausschuss bereits zum dritten Mal mit dem Thema befasse – die vielen informellen Treffen nicht mit eingerechnet.